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Gürtelrose Neuer Impfstoff macht Hoffnung

Sie ist eine unangenehme und äußerst schmerzhafte Krankheit: die Gürtelrose. Anders als der Name vermuten lässt, kann sie überall am Körper vorkommen. Ein neuer Impfstoff lässt Patienten und Ärzte hoffen.

Von: Florian Heinhold

Stand: 17.09.2018

Zuerst kommt der Schmerz, dann die typischen Veränderungen an der Haut: Rötungen, darauf gruppiert schmerzende Bläschen. Meist treten die Symptome im Bauch und Rumpf-Bereich auf, grundsätzlich ist ein Ausbruch überall möglich.

Gürtelrose: Wenn das Immunsystem schwächelt

Die Gürtelrose, oder Herpes Zoster, ist eine Folgeerkrankung der Windpocken. Nach einer Infektion mit Windpocken im Kindesalter wandern die Viren, die mit dem Lippenherpes-Erreger verwandt sind, durch den Körper und nisten sich in den Nervenwurzeln des Rückenmarks ein. Dort können sie über Jahrzehnte unbemerkt schlummern, um später eine Gürtelrose auszulösen.

Oft bricht die Krankheit aus, wenn das Immunsystem schwächelt. Zum Beispiel durch Stress, berichtet Dr. Tatjana Fischer von der Dermatologie des Klinikums rechts der Isar.

"Wir sehen auch häufig Fälle im Kopf-Halsbereich, das birgt ein spezielles Risiko. Wenn die Gürtelrose um die Augen lokalisiert ist, kommt es häufig, in bis zur Hälfte der Fälle, auch zu Sehproblemen. Die Krankheit kann im schlimmsten Fall also auch aufs Auge gehen."

Dr. med. Tatjana Fischer, Dermatologin, Klinikum rechts der Isar, München

Ältere Menschen haben ein deutlich höheres Risiko – aber auch jüngere sind nicht vor Gürtelrose gefeit. Gesundheit trifft einen 33-jährigen Patienten. Er bemerkte die Bläschen auf der Stirn nach dem Sport. Meist wird die Gürtelrose rein durch Anschauen der Symptome diagnostiziert. Im Zweifel führen die Ärzte aber zusätzlich einen Abstrichtest durch.

"Dieses Abstrichverfahren dient dazu, in unklaren klinischen Fällen zu unterscheiden zwischen einer Herpes simplex-Infektion, also zum Beispiel dem Erreger des Lippenherpes, und einer Varizella Zoster Virusinfektion, die die Gürtelrose hervorruft."

Dr. med. Tatjana Fischer, Dermatologin, Klinikum rechts der Isar, München

Die ersten 72 Stunden zählen

Behandlung der Gürtelrose in der Klinik per Infusion

Bei Gürtelrose ist es besonders wichtig, schnell zum Arzt zu gehen. Nur dann kann die Erkrankung mit virenhemmenden Medikamenten meist gut behandelt werden. Klinik-Patienten bekommen die Medikamente meist dreimal täglich als Infusion. Kommt die Behandlung zu spät, können langwierige chronische Schmerzen die Folge sein. Man spricht dann von einer sogenannten Post Zoster Neuralgie.

Schmerzmittel sind neben den virushemmenden Medikamenten ein wichtiger Teil der Therapie. Gerade im Hinblick auf die Gefahr eines chronischen Verlaufs, berichtet auch Dr. Lars Berg vom Klinikum Nürnberg.

"Gürtelrose ist keine Erkrankung, bei der man die Zähne zusammenbeißen und den Schmerz, diesen brennenden Nervenschmerz, aushalten sollte. Im Gegenteil, hier ist es wichtig, dass man wirklich von vornherein eine konsequente Schmerztherapie durchführt, denn diese Schmerztherapie sorgt im Nachhinein dafür, dass das Risiko eines Auftretens von anhaltenden Nervenschmerzen reduziert wird."

Dr. med. Lars Berg, Dermatologe, Klinikum Nürnberg

Impfschutz gegen Windpocken und Gürtelrose

Gegen den ersten Ausbruch in Form von Windpocken im Kindesalter gibt es schon länger eine Impfung. „Gesundheit!“ trifft die Eltern der kleinen Ella beim Kinderarzt. Auch sie wollen den Impfschutz für ihre Tochter. Kinderärztin Helga Riedel empfiehlt die Windpocken-Impfung – es liegen Hinweise vor, dass dadurch später auch eine Gürtelrose abgeschwächt wird.

"Die Windpocken-Impfung sollte man für alle Kinder empfehlen. Es gibt noch keine gesicherten Studien, aber man erhofft sich auf jeden Fall einen leichteren Verlauf der Gürtelrose."

Helga Riedel, Kinderärztin, München

Seit dem Sommer gibt es einen neuen Impfstoff gegen Gürtelrose.

Gegen die Gürtelrose selbst gab es bisher nur einen unzureichenden Schutz. Doch jetzt hat die Forschung einen neuen Impfstoff entwickelt, der seit dem Sommer auf dem Markt ist. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend.

"Wir hatten bisher nur einen Lebendimpfstoff zur Verfügung, der wurde nur mäßig gut vertragen und konnte vielen, die zum Beispiel immunsupprimiert waren, gar nicht gegeben werden. Er hatte außerdem nur eine Wirksamkeit von 50 Prozent. Der neue Herpes Zoster-Impfstoff ist hochwirksam, wirkt in allen Altersgruppen mit über 90 Prozent, ist ein Totimpfstoff und damit super verträglich."

Dr. med. Markus Frühwein, Allgemeinmediziner, München

Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten schon heute. Noch prüft die Ständige Impfkommission in Deutschland eine offizielle Impfempfehlung.

Gürtelrose – eine Krankheit, die jeden treffen kann, die extreme Schmerzen und immer wieder auch chronische Schäden verursacht.


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