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Light-Produkte Was bringen sie wirklich?

Schlemmen ohne Reue – das versprechen viele Light-Produkte. Von fast allen Lebensmitteln, ob Müsli, Joghurt, Aufschnitt, Chips oder Kekse – gibt es eine „Light“-Version mit weniger Fett oder weniger Zucker. Das klingt gesund und figurfreundlich. Und es kommt an. Laut Umfragen greift jeder vierte Verbraucher regelmäßig zu Light-Produkten. Aber helfen sie tatsächlich beim Abnehmen? Wie viele Kalorien kann man sparen? Gesundheit! macht den Check.

Von: Julia Richter

Stand: 17.07.2017

Die Aufmachung ist fast immer ähnlich: Oft sind die Verpackungen hellblau, der Schriftzug ist luftig, und man findet Versprechen wie „weniger Fett“, „fettreduziert“, „light“, „leicht“, „weniger Zucker“, „weniger süß“ oder „Balance“. All das steht für leichten Genuss und eine bewusste Ernährung und weckt die Hoffnung, dass man damit der Linie etwas Gutes tut.

Abnehmen durch Light-Produkte?

Genau das dachte Katja Wasserthal auch. Jahrelang hat die 41-Jährige Light Produkte genommen, in der Hoffnung dadurch abzunehmen.

"Ich habe alle möglichen Produkte gekauft. An sich das ganze Sortiment. Käse, Jogurt, auch Marmelade. Weil ich ein bisschen abnehmen wollte, so vier bis fünf Kilo."

Katja Wasserthal

Aber was sind Light-Produkte eigentlich genau? Das ist lebensmittelrechtlich definiert:

"Das Gesetz schreibt vor, wenn light oder leicht draufsteht, dass ein Inhaltsstoff 30 Prozent weniger in dem Produkt steckt, also weniger Fett oder weniger Zucker. Das heißt aber nicht, dass ich dann auch weniger Kalorien in dem Produkt habe."

Daniela Krehl, Ernährungsexpertin, Verbraucherzentrale Bayern

Light-Produkte mit weniger Fett

Viele Light-Produkte werben mit dem Slogan: Weniger Fett, zum Beispiel Joghurts, Aufschnitt wie Käse, Salami oder Leberwurst aber auch Grill-Würstchen, Chips, Erdnusslocken, Frischkäse oder Salatsauce. Doch hier lohnt sich der Blick auf die Nährwertangaben: Denn nicht immer lassen sich wirklich Kalorien sparen.

Beispiel Kartoffel-Chips

Der Vergleich zwischen normalen Paprika-Chips und Light-Chips mit 30 Prozent weniger Fett zeigt, dass die normalen Chips auf etwa 535 Kalorien, die „leichten“ auf satte 490 Kalorien pro 100 Gramm kommen. Unsere Umfrage zeigt: Verbraucher hätten den Unterschied deutlich größer eingeschätzt.

"Leichter" Joghurt hat kaum weniger Kalorien

Auch bei Light-Chips von anderen Herstellern oder bei Light-Erdnusslocken spart man kaum Kalorien, denn oft sind mehr Kohlenhydrate drin. Das gleiche gilt für fettreduzierte Frucht-Joghurts. Der Vergleich zwischen einem Joghurt mit 0,1 und einem mit 3,5 Prozent Fett zeigt: Der „leichte“ hat gerade mal 2 Kalorien weniger auf 100 Gramm.

"Das Problem bei fettreduzierten Lebensmitteln ist, dass man den Geschmack aus dem Produkt rauszieht, wenn man das Fett entzieht. Das heißt, ich muss das irgendwie kompensieren. Und das erfolgt häufig durch höhere Zuckerzugaben. Und dann habe ich im Prinzip überhaupt nichts gespart."

Daniela Krehl, Ernährungsexpertin, Verbraucherzentrale Bayern

Auch geschmacklich muss man Einbußen hinnehmen, denn reduziert man Fett, leiden oft Vollmundigkeit und Cremigkeit. Viele dieser Joghurts schmecken mehlig.

Achtung, Zusatzstoffe

Häufig in fettreduzierten Produkten enthalten sind: Zusatzstoffe

Beispiel Butter

Reine Butter besteht ausschließlich aus Rahm und hat 80 Prozent Fett. Eine Light-Butter wirbt mit dem Slogan „Halbfettbutter“ mit 39 Prozent Fett - hat dafür aber eine lange Zutatenliste: Sie enthält Emulgatoren, Aromen, Konservierungsstoffe und Stabilisatoren. Außerdem besteht sie zu einem Großteil aus Wasser.

Ein Weichkäse enthält als Light-Variante sogar Gelatine und unterliegt damit nicht mehr der strengen Verordnung für Käse, er wird dadurch zum Brotaufstrich.

"Das Problem bei den Light-Produkten ist ja immer, dass ich etwas imitiere und dafür brauche ich Zusatzstoffe. Diese Zusatzstoffe haben untereinander Wechselwirkungen, die zum Teil nicht ausreichend untersucht sind. Und auch viele Patienten mit Unverträglichkeiten reagieren darauf. Daher sollte man diese Zusatzstoffe möglichst wenig aufnehmen."

Daniela Krehl, Ernährungsexpertin, Verbraucherzentrale Bayern

Light-Produkte mit weniger Zucker

Ob Kekse, Kakao oder Müsli – viele Hersteller werben mit weniger Zucker.

Beispiel Butterkeks

Im Original hat er 435 kcal pro 100 Gramm – die Variante mit 30 Prozent weniger Zucker kommt immerhin noch auf 416 Kalorien, ist also kaum energieärmer als das herkömmlich Produkt. Dafür ist die Packung kleiner, der zuckerreduzierte Keks ist teurer.

Bei einem Kakao sieht man, dass das zuckerreduzierte Produkt sogar exakt den gleichen Kaloriengehalt hat auf 100 Gramm: nämlich 375! Ein Knusper-Müsli mit weniger Zucker hat sogar mehr Kalorien als das normale Schokomüsli des gleichen Herstellers. Und auch bei anderen Müsli-Herstellern sehen wir: weniger Zucker – mehr Kalorien.

"Wenn da draufsteht, dass Zucker reduziert ist, dann betrifft das nur den Einfach- und den Zweifachzucker, also den Haushaltszucker. Alle anderen Zuckerarten darf ich als Hersteller verwenden. Dem Körper selber ist es aber völlig egal, ob er den Haushaltszucker als Energiequelle hat oder andere Zuckerarten."

Daniela Krehl, Ernährungsexpertin, Verbraucherzentrale Bayern

Der Hersteller darf also den einfachen Haushaltszucker austauschen durch zum Beispiel Maltodextrin oder Fructose – und darf mit dem Slogan zuckerreduziert werben, auch wenn der Energiegehalt genau gleich ist. Die Verpackung suggeriert, dass das Produkt gesünder ist. Damit werden Kakao, Müsli und Kekse auch in der Light-Version zur Kalorienfalle.

Light-Getränke können sinnvoll sein                                                                                                    

Bei zuckerfreien Softgetränken ist light sinnvoll.

Beispiel Cola

In der 1,5-Liter-Flasche sind etwa 60 Zuckerwürfel. Macht stolze 600 Kalorien. Das Problem ist, dass diese Getränke kaum sättigen, man „trinkt also nebenbei“ mal kurz eine komplette Mahlzeit, was den Energiegehalt angeht.

In der Cola Zero oder Cola Light ist Süßstoff – sie hat praktisch keine Kalorien.

Light-Getränke können besonders für Vieltrinker eine gute Alternative sein. Das Problem: Der Körper gewöhnt sich schnell an den süßen Geschmack und will mehr. Deshalb sind sie besonders für Kinder ungeeignet, Wasser ist der bessere Durstlöscher.

Light-Produkte als Bumerang

Das Problem bei Light-Lebensmitteln: Sie erleichtern das Gewissen und verführen dazu, mehr zu essen. Im schlimmsten Fall kann man dadurch sogar zu- statt abnehmen. Katja Wasserthal hat durch Light-Produkte nicht abgenommen. Die Wende kam erst, als sie sich intensiv mit dem Thema Ernährung beschäftigte. Jetzt lebt sie vegetarisch.

"Aus heutiger Sicht muss ich sagen, bewerte ich die Light-Produkte sehr negativ. Sie haben mir nichts gebracht – ich hab weder abgenommen noch haben sie besonders gut geschmeckt. Früher in meiner Light-Produkt-Phase, habe ich ständig darüber nachgedacht, was esse ich jetzt, was kaufe ich, wann esse ich. Das ist jetzt, wo ich mich wieder normal ernähre und frisch koche, nicht mehr so."

Katja Wasserthal

Unser Fazit

Es gibt keine Studie, die belegt, dass Light-Produkte wirklich beim Abnehmen helfen. Deshalb werden sie von Ernährungsexperten nicht empfohlen. Wer Kalorien einsparen will, kann das auf natürliche Weise tun.

 Hier einige Tipps:

  • Halbfett- statt Vollmilch: Gerade bei Kaffeetrinkern, die täglich mehrmals einen großen Caffè Latte genießen, kann sich das bemerkbar machen. In der Halbfettmilch ist außerdem genau so viel Kalzium enthalten wie in der 3,5-Prozent-Milch.
  • Das gleiche gilt für Quark: Man kann Sahnequark gut durch Mager- oder Halbfettquark ersetzen.
  • Gekochter Schinken hat viel weniger Fett und Kalorien als Salami und Leberwurst und ist damit magerer als jede Light-Wurst.
  • Pute oder Hühnchen sind die leichtere Alternative zur Grillwurst und zum Kotelett.
  • Grüne Oliven essen statt schwarzer – sie haben weniger Fett.

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