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Neue Therapie macht Hoffnung Mit der Fernbedienung gegen Cluster-Kopfschmerzen

Wer kennt das nicht: ein plötzliches Ziehen und Stechen und schon ist er da, der Kopfschmerz! 70% der Deutschen leiden unter anfallsweisen oder sogar chronischen Kopfschmerzen. Manche sind weniger schlimm und vergehen schnell wieder, andere, wie etwa bei einer Migräne sind deutlich heftiger! Meist helfen dann Medikamente, um den Schmerz wieder in den Griff zu bekommen.

Von: Robert Grantner

Stand: 28.06.2021 12:46 Uhr

Seit Jahren leidet Helma Stiefelhagen (55) unter der schlimmsten Art von Kopfschmerzen: unter Cluster-Kopfschmerzen. „Cluster“ heißen sie deshalb, weil sie sehr periodisch und gehäuft auftreten.

Helma Stiefelhagen leidet unter starken Cluster-Kopfschmerzen

"Man hat eigentlich alles auf einmal: man hat Schmerzen im Auge, man hat Schmerzen in der Zahnreihe, wie Zahnschmerzen, das kann sich jeder vorstellen. Dann die Nase, das geht so. Es ist schwer zu beschreiben und ich wünsche es auch keinem, dass er es erlebt. Das ist einfach grauenvoll! Manchmal ist es so schlimm, dass man einfach sagt ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, weil es dann auch Stunden dauert! Man hat das Gefühl, das Auge will raus! Alles tut weh, die Seite, der ganze Kopf eigentlich. Ich hab dann schon da gesessen und gesagt, ich möchte so nicht mehr leben."

- Helma Stiefelhagen

Unheilbare Krankheit

Medikamente wirken nur bedingt

Bislang war die einzige Behandlungsmethode, dass man versucht hat, den Schmerz mit Medikamenten abzumildern. Eingesetzt wurden Triptane, Nasensprays oder auch Sauerstoff. Doch wirklich weg ist der Cluster-Kopfschmerz dadurch nicht. Auch die Ursachen des Cluster-Kopfschmerz sind bislang nicht eindeutig geklärt. Was man weiß, ist wo der Schmerz entsteht und welche Nervenbahnen er passiert.

Neue Therapie-Methode Nervenstimulator

Jan Vesper, Leiter Sektion Funktionelle Neurochirurgie und Stereotaxie Universitätsklinikum Düsseldorf

"Eigentlich ist Schmerz ja etwas sinnvolles: wenn wir die Hand auf die Herdplatte legen, ist es eine gute Idee, sie schnell wieder weg zu ziehen. Das heißt über eine Datenautobahn wird diese Info direkt vorrangig zur Hirnrinde geleitet, wo dann auch gleich die Reaktion ausgeführt wird. Wenn auf der Leitungsebene irgendwas kaputt ist, dann wird ständig übermittelt, dass da im Gesicht was nicht in Ordnung wäre bei dem Patienten, was de facto ja nicht so ist! Und da greifen wir ein!"

- Dr. Univ.-Prof. Dr. med. Jan Vesper, Leiter Sektion Funktionelle Neurochirurgie und Stereotaxie Universitätsklinikum Düsseldorf

Und zwar mit einem sogenannten Nervenschrittmacher. Der ist nicht größer als ein Fingernagel und wird genau dort implantiert, wo der Schmerz von den Patienten wahrgenommen wird: hinter dem Oberkiefer. Dort befinden sich der Trigeminus-Nerv und sein Nervenknoten namens Ganglion sphenopalatinum, der als Auslöser für den Clusterkopfschmerz gilt. Während einer Schmerzattacke kann der Patient den Stimulator per Fernbedienung aktivieren und der Schmerz schwächt sich ab – oder verschwindet manchmal sogar ganz.

Der Nervenschrittmacher stimuliert den Trigeminus-Nerv

An der Universitätsklinik Düsseldorf arbeiten zwei Professoren aus zwei unterschiedlichen Fachgebieten zusammen und operieren die Patienten gemeinsam. Prof. Vesper, als Experte für Neurochirurgie und Prof. Klenzner, als HNO-Fachmann.

"Bei etwa Zweidrittel der Patienten können wir nach der Operation eine deutlich Verbesserung feststellen. Sie haben weniger starke Schmerzen und sie haben sie weniger häufig. Das bedeutet auch, dass die Patienten danach weniger von den starken Schmerzmittel einnehmen müssen."

- Prof. Dr. med. Thomas  Klenzner, Stellv. Klinikdirektor HNO-Klinik, Leiter des Hörzentrums Universitätsklinikum Düsseldorf

Vielversprechende Ergebnisse

Helma Stiefelhagen hat die Verbesserung seit der OP sogar gemessen. In einem speziellen Schmerz-Tagebuch notiert sie seit vier Jahren jede Cluster-Attacke.

"Vorher waren die Attacken immer sehr stark und lang. Und seit ich das Gerät benutze, das ist jetzt ungefähr ein Jahr, muss ich sagen hat sich das um mindestens 50% reduziert. Also nicht so stark und auch nicht so lange. Und nicht so oft vor allen Dingen! Sonst war es fast jeden Tag, jetzt hab ich schon mal 1-2 Wochen dazwischen, wo ich keine Attacke bekomme."

- Helma Stiefelhagen

Könnte der Stimulator auch bei anderen Kopfschmerzen helfen?

Der Trigeminus-Nerv und sein Nervenknoten gilt als Auslöser für den Clusterkopfschmerz.

Jetzt sollen weitere Forschungen zeigen, ob der Nervenstimulator vielleicht auch bei anderen Kopfschmerz-Arten, wie beispielsweise der Migräne helfen könnte. Die Experten sind vorsichtig optimistisch:

"Die Migräne äußert sich vor allem im Hinterkopf, am Nacken. Und diese Nerven am Hinterkopf hängen eng zusammen mit den Nerven über die wir bei Cluster-Kopfschmerzen sprechen. Und das ist nun Gegenstand der Erforschung, ob es eben auch bei anderen Kopfschmerz-Arten, wie der Migräne, die ja noch viel häufiger ist als der Cluster-Kopfschmerz, hilft."

- Dr. Univ.-Prof. Dr. med. Jan Vesper, Leiter Sektion Funktionelle Neurochirurgie und Stereotaxie Universitätsklinikum Düsseldorf


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