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Gärtnern in der Stadt Gemüseanbau auf kleinstem Raum

Die Versorgung mit Lebensmitteln aus dem eignen Garten wird für viele Menschen immer wichtiger. Was auf dem Land ganz einfach klingt, ist in einer Großstadt meistens eine Herausforderung. Doch es findet ein Umdenken statt. Beim sogenannten "Urban Gardening" wird jeder Zentimeter genutzt, um auch in der Stadt einen Nutzgarten anlegen zu können. "Gesundheit!"-Reporter Fero Andersen sieht sich in München um und besucht Menschen, die sich auf dem Balkon, einer Ackerparzelle oder in einem stillgelegten Bahnhof ihren Traum von der Selbstversorgung erfüllen.

Author: Agnieszka Schneider

Published at: 19-7-2022

Kohlrabi, Salat, Frühlingszwiebel – sein eigenes Obst und Gemüse anbauen in der Großstadt ist auch bekannt unter dem Namen "Urban Gardening". Wenn man das richtig machen will, ist jede Menge Kreativität gefragt. Denn es ist nicht so einfach, ein grünes Fleckchen in der Stadt zu finden.

Im Krautgarten Blumenau, einer Initiative der Stadt München, stehen interessierten Hobbygärtnern kleine Parzellen zur Verfügung. Für das Ehepaar Andrea Werner und Peter Mooser war der Garten ein echter Glücksgriff. Denn der kleine Balkon an ihrer Wohnung in Neuhausen bietet nur Platz für das Aufziehen von Setzlingen. Und das pflanzt das Ehepaar an:

"Die Klassiker: das ist der Batavia, natürlich der Grünkohl, der Frisee dahinten, der Fenchel. Zwei kleine Kräuterchen: Thymian und diese Neuzüchtung, der Sala Nova, die hat wohl den Sinn, weil jedes Blatt gleich groß ist, dass die Salatschleuder irgendwie keine Unwucht hat beim Drehen."

Peter Mooser, Hobby-Gärtner

Die Stadt gibt vor, dass die Parzellen biologisch bewirtschaftet werden müssen, zum Beispiel mit veganem Dünger. Mindestens fünf bis acht Stunden in der Woche muss jeder in den Garten und die Fläche landwirtschaftlich nutzen. Die Parzellen kann man so lange pachten, wie man Lust zum Gärtnern hat.

Platzmangel in der Stadt? Vertikal anpflanzen!

Im Zentrum Münchens liegt der Demonstrationsgarten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Garten. Hier gibt es Inspirationen und Tipps für den Anbau auf kleinstem Raum. "Bei uns darf man auf jeden Fall auch naschen", verrät Garteningenieur Florian Demling. Wenn der Platz zum Pflanzen eng wird...

"Da muss man quasi ins Vertikale gehen. Da haben wir unsere Living Wall – Systeme. Das ist natürlich etwas Spezielles, das ist schon fast Erdelos, und die Wurzeln wachsen hier quasi drin im Wasser. Und da spare ich mir natürlich viel vom Gießen."

Florian Demling, Gartenbauingenieur, Urban Gardening Demonstrationsgärten in Bayern

Im Demonstrationsgarten gibt es etliche Beispiele für Pflanzenmodule: ein Wasserbeet ohne Erde oder ein Pflanzturm – hier geht es in die Höhe, um Platz zu sparen. An vielbefahrenen Straßen sollte nur Gemüse angepflanzt werden, das kein Blatt- oder Fruchtgemüse ist, wegen der Schadstoffe in der Luft.

In Kontakt mit der Natur gehen

Ökotrophologin Angela Dietz begleitet Schulprojekte zum Urban Gardening. Sind Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten per se gesündere Lebensmittel als die im Supermarkt?

"Sie sind auf jeden Fall frischer, frischer geht es ja eigentlich gar nicht als direkt aus dem Garten oder von der Terrasse oder vom Balkon. Aber mir scheinen auch andere Aspekte noch wichtig zu sein, nämlich, dass der Kontakt wieder da ist, mit dem Anbau von Nahrungsmitteln."

Angela Dietz, Ökotrophologin, Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), Freising

Beim Projekt „Wissen wie`s wächst und schmeckt!“ werden die kleinen Hobbygärtner dabei begleitet, eigenes Gemüse zu züchten und es nachher zu verarbeiten. Wichtig ist dort, dass jedes Kind ein eigenes Pflanzgefäß hat, um das es sich ganz persönlich kümmert.

Permakultur in der Großstadt

Da die Grünflächen in der Großstadt rar sind, bauen viele Menschen ihr Obst und Gemüse auf Balkonen oder Terrassen an. Auf einer Fläche von 20 qm hat sich Beate Merkel in München-Harlaching ein Pflanzenparadies geschaffen. Sie hat sich auf Permakulturen spezialisiert – einen nachhaltigen Anbau, bei dem Pflanzen an optimalen Plätzen wachsen.

"Wenn du das mal gemacht hast, dann willst du nichts Anderes mehr essen. Die Sachen schmecken einfach ganz anders, es ist irgendwie viel frischer, viel intensiver und einfach richtig toll. Wir hatten immer einen Garten und meine Mama kennt sich auch gut aus und irgendwie hat sie mir einen grünen Daumen vererbt und ich liebe Pflanzen."

Beate Merkel, Permakulturdesignerin

Gemeinsam bauen Reporter Fero Andersen und Beate Merkel einen Pflanzturm mit Hasengitter und Kokosfasermatte. Mit einem Draht binden sie alles zusammen und schneiden dann die Löcher für die Stecklinge heraus. Die Abstände zwischen den Löchern sollen zwischen zehn und 25 Zentimetern sein. Da der untere Bereich des Turmes erfahrungsgemäß feuchter ist, eignen sich dort vor allem Salate.

Beet-Patenschaften im alternativen Kulturzentrum

Ela Rößler mit den Kindern Ludwig und Therese kümmert sich um eines der begehrten Hochbeete beim alternativen Kulturzentrum Bahnwärter Thiel. Eigene Erdbeeren können sie hier ernten – und das in der Großstadt. 80 Beete gibt es hier insgesamt. Die Hobbygärtner können eines für 50 Euro pro Jahr mieten. Die Familie ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei.

"Ich wollte es einfach mal ausprobieren, um zu sehen: Was können wir machen, um auch ein bisschen mehr als in einem Blumentopf irgendwie eine Erdbeere zu haben? Und ich wollte das einfach meinen Kindern nahebringen, weil ich bin auf dem Land aufgewachsen, und da gab es das in Hülle und Fülle."

Ela Rößler, Hobby-Gärtnerin


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