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Gesunde Füße Fußfehlstellungen vorbeugen und behandeln

Unsere Füße tragen uns im Laufe des Lebens mehrmals rund um den Globus und sind unglaublichen Belastungen ausgesetzt. Kein Wunder, dass es zu Deformationen und Fußfehlstellungen kommen kann, dass Platt-, Senk- und Spreizfuß jedem ein Begriff sind. "Gesundheit!"-Reporterin Veronika Keller besucht Fußspezialisten und lässt sich zeigen, wie man Fehlstellungen vorbeugen und behandeln kann.

Von: Annette Hammerschmidt

Stand: 28.09.2020

Die meisten Menschen kommen mit völlig gesunden Füßen zur Welt. Durch Übergewicht, falsche Belastung oder mangelnde Übung, entstehen im Laufe des Lebens viele Fußfehlstellungen. Auf dem Barfußpfad versuchen Evelin Hensel und Ingeborg Pongratz dem vorzubeugen.

"Ich freue mich immer richtig darauf, meine Schuhe und Socken auszuziehen und einfach dort, wo ich gerade ankomme über den Rasen zu gehen. Wenn ich einen Parcours finde, gehe ich gleich mit Freude darüber. Das wird immer besser, je öfter ich das mache.

Wenn ich das regelmäßig mache, stärkt es mein Immunsystem und stabilisiert das Gleichgewicht. Es gibt verschiedene Materialien, die im Untergrund zu bewältigen sind. Das macht Spaß."

Evelin Hensel und Ingeborg Pongratz

Zuckerkranke sollten beim Barfußlaufen allerdings vorsichtig sein, um einen diabetischen Fuß zu vermeiden.

Barfußlaufen: im Sommer und im Winter

Barfußlaufen geht ansonsten überall - auch auf verschiedenen Materialien zuhause. Selbst im Winter sollte man so oft wie möglich barfußlaufen. Denn: Schneetreten durchblutet den ganzen Körper und sorgt für warme Füße. Armin Mann ist Orthopädie-Schuhtechniker und ein Fan des Barfußlaufens.

"Wenn man zu viel in Schuhen oder in falschen Schuhen herumläuft, kann man sich ein falsches Gangbild anlegen. Zum Beispiel heutzutage durch die weichen Schuhe, wie zum Beispiel Sneakers. Ein weicher Schuh gibt bei Fehlhaltungen noch mehr nach. Die Fehlhaltung wird verstärkt und das ist ganz schlecht für die Körperhaltung und für die Füße."

Armin Mann, Orthopädie-Schuhtechniker, München

Fußanalyse beim Orthopäden

Reporterin Veronika Keller knickt beim Laufen oft nach innen. Schmerzen hat sie zwar nur selten, aber ob das auf Dauer gesund ist? Sie fragt nach, beim Münchner Fußspezialist Dr. Steffen Zenta.

"Es geht lange Zeit, ohne dass Sie richtige Beschwerden haben. Nur: Sie schädigen sich schon. Und wenn Sie dann Beschwerden haben, ist manchmal schon eine gewisse Degeneration vorhanden, die man eben vermeiden kann, wenn man rechtzeitig dagegen steuert."

Dr. Steffen Zenta, Orthopäde, Fußspezialist, München

Zunächst schaut sich Dr. Zenta ihre Füße genau an und prüft das Gangbild. Dann untersucht er die Reflexe und kontrolliert via Ultraschall die Sehnen. Als nächstes wird ein Röntgenbild gemacht und zum Abschluss noch eine computerbasierte Fußanalyse. Das Ergebnis:

"Man sieht gewisse Druckspitzen, die wir versuchen können, mit einer Einlage auszugleichen. Außerdem sieht man, wie Sie gegensteuern und muskulär etwas dagegen tun."

Dr. Steffen Zenta, Orthopäde, Fußspezialist, München

Der Orthopäde verordnet ihr Einlagen und muskuläres Training.

Hallux Valgus, Ballenzeh, Hammerzeh, Senk-Spreiz-Fuß

Die gängigen Fehlstellungen: der Ballenzeh, der Hallux Valgus im Großzehenbereich, bei dem der Knochen rauskommt und sich Schmerzen am Knochen entwickeln. Außerdem: Hammerzehen, bei denen sich die Zehen nach oben bewegen und dann am Schuh reiben. Genauso häufig gibt es den Senk-Spreiz-Fuß, bei dem das Fußgewölbe abgeflacht ist. Im Rückfuß-Bereich wird beim Gehen auf die Knochen viel Kraft übertragen, was bei Überbelastungen zu Entzündungen und zu Beschwerden führen kann.

Orthopädische Einlagen können die Lebensqualität bei Fußfehlstellungen deutlich verbessern. Mit einem 3-D-Scanner misst Armin Mann innerhalb weniger Minuten, wie sich Veronika Kellers Knickfuß auf ihre Statik auswirkt.

"In der dreidimensionalen Darstellung sieht man: Hier knickt der Fuß leicht ab. Hier haben wir eine leichte X-Stellung der Knie und was ganz wichtig ist, dass beide Füße gleich lang sind."

Armin Mann, Orthopädie-Schuhtechniker, München

Einlagen gegen Fußfehlstellungen

Im Sitzen, ohne Eigengewicht, fertigt er einen Abdruck von den Füßen an. Das ist wichtig, damit die Einlage die Fehlstellung auch ausgleichen kann. In Handarbeit erstellt er nun einen Gipsabdruck, den er mit sogenannten Pelotten beklebt, die den Fuß an den nötigen Stellen stützen sollen.

Wenn die Einlagen nach längerem Tragen Schmerzen verursachen, müssen sie nachgearbeitet werden.

"Fühlt sich gut an. Ein bisschen ungewohnt, weil es ein paar Punkte gibt, an denen es ein bisschen drückt. Aber ich stehe ganz gut drauf."

Veronika Keller, Reporterin

Ein bisschen drücken sollte die Einlage am Anfang. Nach zwei bis drei Tagen ändert sich das. Einlagen können Fußfehlstellungen aber nicht beheben, zusätzliches Muskeltraining ist unerlässlich.

Muskeltraining für die Füße

Hans Pongratz hat einen ausgeprägten Hallux Valgus. Trotzdem hat er sich gegen eine Operation entschieden. Barfußlaufen lindert seine Beschwerden, genauso wie gutes Schuhwerk. Was sagt der Orthopädie-Schuhmeister dazu?

"Barfußlaufen bringt natürlich schon etwas, zur Prophylaxe, zur Vorbeugung. Und auch, dass man es vielleicht noch ein bisschen aufhält, die Muskulatur einfach wieder auftrainiert. Weg bekommt man so einen Hallux damit aber nicht mehr."

Armin Mann, Orthopädie-Schuhtechniker, München

Auch regelmäßige Greifübungen stärken die Fußmuskulatur, fünf bis zehn Wiederholungen sind ideal.

Kneippen für die Füße

Im Kneipp-Becken trifft Veronika Keller Evelin Hensel und Ingeborg Pongratz wieder. Das Wassertreten gehört zur Hydrotherapie, eine der ältesten Behandlungsformen überhaupt. Das Kneipp-Becken kräftigt die Füße, regt die Fußmuskeln an und fördert die Durchblutung, das ist gut für den Kreislauf.

Wer kein Kneipp-Becken in der Nähe hat, kann einen Eimer nehmen und darin wie bei der Kneipp-Anlage im Storchengang auf- und abgehen, circa 30 bis 40 Sekunden, so lange es sich gut anfühlt. Alternativ hilft der Kneipp-Knieguss gegen müde Füße und Beine. Wer kein kaltes Wasser mag, erzielt denselben Effekt mit einer Bürstenmassage.


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