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Flow Warum Flow glücklich macht

Komplett im Tunnel des Tuns sein und dabei sich selbst, Raum und Zeit vergessen. Das ist Flow. Was hinter dem psychologischen Phänomen steckt und warum es uns glücklich machen kann.

Von: Anna Ellmann

Stand: 28.01.2019

In der Zone sein, im Flow sein - bestimmt haben Sie es auch schon einmal erlebt. Beim Laufen, Stricken oder Musizieren waren Sie völlig vertieft? Nach einiger Zeit schauten Sie auf und es war plötzlich mitten in der Nacht. Wo ist nur die Zeit hin?

Das ist Flow

Das psychologische Phänomen „Flow“ definiert sich über die völlige Konzentration auf eine Tätigkeit. Damit einher geht außerdem der Verlust der Wahrnehmung für Raum und Zeit. Verbunden mit dem Gefühl „alles läuft glatt, problemlos. Man ist einfach im Hier und Jetzt“, sagt der Sportpsychologe Prof. Dr. Oliver Stoll von der Universität Halle-Wittenberg.

Acht Charakteristika nach Mihaly Csikszentmihalyi

Sportler, Musiker und Küpnstler erreichen oft den Flow-Zustand.

Der Begriff „Flow“ geht auf einen Psychologen aus den USA zurück: Mihaly Csikszentmihalyi. Eigentlich forschte er zur Ursache des Glücks. Anhand zahlreicher Interviews mit Musikern, Sportlern und Künstlern zum Thema kam er aber zur Erkenntnis: Diese Menschen sind besonders glücklich, produktiv und kreativ, wenn sie sich im „Flow“ befinden. Diesen Bewusstseinszustand fand er bei unterschiedlichsten Berufsgruppen gleichermaßen.

Auf Basis dieser Interviews arbeitete Mihaly Csikszentmihaly 1975 acht Charakteristika für den Flow-Zustand heraus.

Acht Charakteristika für den Flow-Zustand

  1. Es gibt ein definiertes Ziel und eine unmittelbare Rückmeldung, ob die Handlung erfolgreich ist.
  2. Herausforderung und Fähigkeit halten sich die Waage.
  3. Die Aufgaben werden mit einer Leichtigkeit erledigt. Die Handlung läuft glatt ab.
  4. Man fühlt eine komplette Konzentration auf die Aufgabe.
  5. Man fühlt, die Aufgabe unter Kontrolle zu haben.
  6. Die Selbstwahrnehmung geht verloren.
  7. Die Zeitwahrnehmung verändert sich.
  8. Man erledigt die Aufgabe aufgrund einer intrinsischen Motivation.

Wann entsteht Flow?

Eine zentrale Voraussetzung für Flow ist, dass wir weder über- noch unterfordert sind. Ist eine Aufgabe weit über dem, was wir leisten können, stresst uns das - einher gehen Kontrollverlust und Angst. Ist eine Aufgabe zu leicht, langweilen wir uns. In beiden Fällen bleibt Flow aus.

Prof. Dr. Oliver Stoll

Stattdessen muss „die Schwierigkeit genau auf das passen, was ich leisten kann“, erklärt Prof. Dr. Oliver Stoll. Im Sport könne man dank dieser Erkenntnis Flow sogar aktiv herbeiführen, sagt der Sportpsychologe. In einer Laufband-Studie war das sein Ziel. Um Flow bei Sportstudierenden künstlich zu erzeugen, ermittelte der Forscher zuvor den optimalen Belastungsbereich der Sportstudenten. Anschließend schickte er sie auf das Laufband - bei einer für sie optimalen Belastung. Per Fragebogen wurde festgestellt: Die Studenten kamen tatsächlich in Flow.

Der Zustand hielt allerdings nur solange, wie keine störenden Reize von innen oder außen kamen.

"Man wird immer dann rausgeworfen aus so einem Flow-Kanal, wenn physiologische Reize in die Wahrnehmung drängen, wie Schmerzen oder Erschöpfungszustände."

Prof. Dr. Oliver Stoll, Sportpsychologie, Sportpädagogik, Sportsoziologie, Universität Halle-Wittenberg

Warum Flow oft als Glück empfunden wird

Gehirn mit präfrontalem Cortex

Eine neuere Theorie der Flow-Forschung, die „transiente Hyperfrontalitätstheorie“, geht davon aus, dass der Präfrontale Cortex im Flow, speziell beim Sport, zurückgefahren wird. Der Teil des Gehirns ist beispielsweise für die Lösung von Problemen, die Selbstwahrnehmung oder unser Zeitempfinden zuständig.

Das bedeutet auch: Ist der Präfrontale Cortex weniger aktiv, grübeln wir nicht über uns nach, vergessen die eigenen Sorgen. Wir sind komplett bei den Dingen und nicht mehr bei uns selbst.

"Das wird als ein sehr angenehmer, glücklicher Zustand empfunden. Alles fließt und klappt automatisch, das sind Erfahrungen, die wir nicht allzu oft haben."

Prof. Dr. Oliver Stoll, Sportpsychologie, Sportpädagogik, Sportsoziologie, Universität Halle-Wittenberg


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