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Fasten & Gesundheit Wie gesund ist Fasten?

Ob mit Tee, Suppen oder Obst- und Gemüsesäften – Fasten ist vom religiösen Brauch längst zum Gesundheitstrend geworden. Genau das will unser Reporter Fero Andersen ausprobieren und unterzieht sich einer strengen Fastenkur. Fünf Tage wird er komplett auf feste Nahrung verzichten.

Von: Birgit Deiterding, Bernd Thomas

Stand: 19.02.2017 | Archiv

Fasten und Gesundheit | Bild: BR

In vielen großen Religionen gibt es Fastenregeln. Im Judentum, bei den Moslems und natürlich auch im Christentum. Viele Menschen fasten – es soll gesund und gut sein für die Seele. Auch Gesundheit!-Reporter Fero Andersen stürzt sich in eine fünftägige Fastenkur. Er macht das zum ersten Mal und ist gespannt, ob er tatsächlich durchhält.

Fasten für die Gesundheit?

Fasten: Gesundheitscheck vorab

Wer fasten will, sollte sich vorher einem Gesundheitscheck unterziehen. Denn Menschen mit zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Essstörungen sollten eher darauf verzichten.

Der Tannerhof in Bayrischzell: Seit vielen Jahren bietet Burgi von Mengershausen regelmäßig Fastenkuren an. Sie wird Gesundheit!-Reporter Fero Andersen bei seinem Selbstversuch begleiten. Welchen gesundheitlichen Nutzen bringt das Fasten?

"Fasten bedeutet Verzicht. Es ist keine Diät, sondern es ist ein bewusster Verzicht für eine gewisse Zeit. Fasten senkt den Blutdruck. Fasten kann gut für die Nieren und für die Gelenke sein. Also gerade auch bei Rheumapatienten oder Autoimmunerkrankungen."

Burgi von Mengershausen, Ärztin, Bayerischzell

Auch Fero Andersen macht den Gesundheitscheck. Sein Gewicht: 78 Kilogramm. Ist er vielleicht sogar zu dünn zum Fasten?

"Schlanke Menschen können auch fasten. Der Körper gibt beim Fasten das her, was er hergeben kann."

Burgi von Mengershausen, Ärztin, Bayerischzell

Fasten: Viele Methoden zur Auswahl

Fero Andersen fastet nach der Buchinger-Methode. Erlaubt sind dabei Tee, Suppen, Säfte, Wasser und Honig. So wird der Körper mit Mineralstoffen und Vitaminen versorgt, ohne das Verdauungssystem zu belasten. Gleich zu Beginn kommt das Unangenehmste: die Darmentleerung mit Glaubersalz. Warum ist die Entleerung so wichtig?

"Es fastet sich leichter, wenn der Darm leer ist. Dann hat man weniger Hungergefühle. Und zum anderen ist es aber auch ein bisschen für den Körper so, wie ein Schalter, der umgelegt wird. Und dann merkt der Körper, hoppla, jetzt passiert was, jetzt kommt was. Bin gespannt."

Burgi von Mengershausen, Ärztin, Bayerischzell

Fasten-Experiment: Fünf Tage ohne feste Nahrung

Fero Andersen wird in den nächsten fünf Tagen komplett auf feste Nahrung verzichten. Normalerweise gibt’s bei ihm zum Frühstück ein Müsli, ein paar Scheiben Brot, auch vielleicht mal ein Rührei zwischendurch. Das fällt jetzt etwas überschaubarer aus. Es gibt Kräutertee. Die große Frage ist: Hält er das durch und wie fühlt er sich dabei?

Bewegung ist das A und O beim Fasten. Nach dem Frühstück unternimmt er zusammen mit anderen Fastengästen einen ausgiebigen Spaziergang. Das stabilisiert das Herz-Kreislauf-System und hält den Stoffwechsel aktiv. Außerdem:

"Dem Fasten wird oft vorgeworfen, dass dabei viel Muskulatur abgebaut werden könnte. Und wenn man sich als Fastender nur ins Bett legt und gar nichts macht, ist das tatsächlich so. Deswegen ist Bewegung ganz wichtig. Das signalisiert dem Körper: Meine Muskeln hier brauche ich noch."

Burgi von Mengershausen, Ärztin, Bayerischzell

Fasten: Was passiert im Körper?

Energie gewinnen wir aus Zucker, Eiweiß und Fett. Stoppt die Nahrungsaufnahme, greift der Körper auf seine Reserven zurück. Der Zuckervorrat hält nur 24 Stunden. Der Körper stellt auf Eiweiß- und Fettverbrennung um.
Das Fett wird in der Leber abgebaut und in Fettsäuren, die Ketonkörper, umgewandelt. Diese beliefern nun viele Organe mit Energie. Durch den Fettabbau werden zudem abgelagerte Giftstoffe frei. Mitsamt den verbrannten Fettsäuren werden sie über Organe wie Nieren, Lunge und Haut ausgeschieden. Der Körper entgiftet und regeneriert sich.

Fero Andersen fragt bei seinen Fastenkollegen nach, was ihre Gründe sind, auf Nahrung vorübergehend zu verzichten.

"Mich hat meine Neurodermitis dazu bewogen, hier die Fastenkur zu machen, weil ich einfach weiß, dass viel über den Darm geht. Ich will etwas für meine Haut tun.

Es ist einmal die berufliche Anspannung, die mich manchmal zum Fasten treibt: Einfach einmal runterfahren, mal wieder zu sich selbst kommen, mal seine Werteskala einzuordnen. Und dann natürlich zwei, drei Kilo abzunehmen."

Haakon und Dieter

Fasten und Hungergefühl

Nach einer ausgiebigen Ruhephase ist es Zeit für die Mittagsration. Auf dem Speiseplan steht eine Sellerie-Zucchini-Suppe. Fero Andersen hat durchaus noch Hunger. Hört das auf?

"Am Anfang spürt man noch so diese Unterzuckerphasen deutlicher. Die machen dann auch mehr Hunger. Und wenn man dann so im Fastengleichgewicht ist, dann gibt sich das wieder sehr gut."

Burgi von Mengershausen, Ärztin, Bayerischzell

Lässt sich das Hungergefühl tatsächlich mit Saft und Wasser in den Griff bekommen? Den ersten Tag der Fastenkur hat Fero Andersen überstanden. Jetzt fastet er zu Hause. Ärztin Burgi von Mengershausen gibt wichtige Tipps. 

"Zuallererst der Fastenplan: Es ist wichtig, sich daran zu halten. Dann ist hier der Korb mit den wichtigsten Utensilien: Basentabs, um zu verhindern, dass sich eventuell Harnsäuresteine bilden könnten, da während des Fastens einfach auch mehr Harnsäure anfällt. Und die Wärmflasche hier ist für den Leberwickel. Das hier ist ein Zungenschaber. Denn im Verlauf des Fastens kann es sein, dass ein Belag auf der Zunge entsteht, und der ist dann unangenehm und kann damit einfach abgeschabt werden. Da alles nicht so richtig sexy ist, ist es gut, wenn man das Fasten für sich alleine macht."

Burgi von Mengershausen, Ärztin, Bayerischzell

Fero Andersens Fastenplan: Morgens gibt’s Tee und Basentabs. Anschließend wird gesportelt. An zwei Tagen wartet die Darmentleerung.
Mittags: Suppe und die nächste Sporteinheit.
Abends: Saft oder Buttermilch und zur Entspannung einen Leberwickel.
Am fünften und letzten Tag seiner Fastenkur kehrt Fero Andersen zum Tannerhof in Bayrischzell zurück.

Fasten: Fünf Tage später

Burgi von Mengershausen fragt nach, wie es Fero Andersen geht. Erst einmal gut, meint er. Überrascht war er, dass er tatsächlich auch beim Sport nach wie vor leistungsfähig war.  Aber - eine Sache hat ihn doch verfolgt: der Hunger.

"Sie haben ja jetzt sozusagen die Hardcore-Variante durchgemacht: Den Einstieg hier bei uns, aber dann zu Hause gefastet. In einer schwierigen Umgebung: der Kühlschrank ist da und der Bäcker um die Ecke. Das ist natürlich eine ganz andere Sache, als wenn man, wie  hier, in einem behüteten, geschützten Umfeld ist und fastet."

Burgi von Mengershausen, Ärztin, Bayerischzell

Und was sagt die Waage? Fero Andersen ist jetzt bei 73 Kilo, er hat fünf Kilo verloren. Auch für Burgi von Mengershausen durchaus beachtlich. Doch ist das nicht zu viel Gewichtsverlust?

"Das ist bei dem einen so, bei dem anderen so. Es gibt Leute, die haben einen intensiven Stoffwechsel. Da gehören Sie, glaube ich, mit dazu. Ich würde mir jetzt keine Sorgen machen. Das bekommen Sie wieder drauf."

Burgi von Mengershausen, Ärztin, Bayerischzell

Fastenbrechen: Mit einem Apfel geht's wieder los

Das Fastenbrechen steht an. Ein Apfel ist die erste feste Nahrung nach fünf Tagen. Fero Andersen hat sich noch nie so sehr auf einen Apfel gefreut.

"Zeit lassen und jeden Bissen genießen. 30- bis 40-mal kauen, damit man wirklich eine bewusste Kauschulung durchläuft. Und das hat auch damit zu tun, dass man anschließend dann sein Sättigungsgefühl viel besser wahrnehmen kann."

Burgi von Mengershausen, Ärztin, Bayerischzell

Fünf Tage Fastenkur liegen hinter Fero Andersen. Er hat erfahren, wie gesund dieser bewusste Verzicht und welche rundum spannende Herausforderung es sein kann.
Selbst ausprobieren lohnt sich, am besten unter ärztlicher Aufsicht. Gesundheit! wünscht viel Spaß dabei!


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