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E-Scooter im Straßenverkehr? Die neue E-Mobilität

Natürlich wäre der Tretroller aus der Kindheit noch gesünder und umweltschonender. Doch, ob der genauso viel Spaß macht wie ein moderner E-Scooter, darf bezweifelt werden. Die Elektroroller, die die Mobilität erhöhen und den Verkehrsinfarkt abwenden sollen, werden bis zu 20 km/h schnell. Genau davor aber warnen Unfallchirurgen. Wie sicher sind E-Scooter und was gilt es zu beachten?

Von: Veronika Keller

Stand: 27.05.2019

Sie sind schnell, wendig und hip: rasante Roller mit Elektro-Antrieb für den Stadtverkehr. Anderswo sind E-Scooter schon verbreitet, jetzt haben sie auch in Deutschland grünes Licht: Mitte Juni sollen sie zugelassen werden. Die rechtliche Grundlage dafür heißt Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung.

Nik ist Student und kann die Einführung der Roller kaum erwarten. Immer nur auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein findet er lästig. Eine Lösung könnten Leih-Scooter sein, wie es sie im Ausland schon gibt: Per App leiht man Roller, die in der Stadt verteilt sind, fährt gegen Gebühr soweit man möchte, und stellt sie wieder ab. Diesem Neuzugang im Straßenverkehr können viele Verkehrsexperten etwas abgewinnen.

"Es ist natürlich zu hoffen, dass sich dadurch der Verkehr verbessert. Das heißt, dass wir weniger Autoverkehr haben und mehr Menschen auf einen E-Scooter umsteigen. Gerade in den Großstädten haben wir ein großes Problem zu den Stoßzeiten, das heißt, morgens und nachmittags, wenn die Leute in die Arbeit und wieder nach Hause fahren."

Melanie Mikulla, ADAC e.V., München

Gefahr von Verletzungen

Doch die Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie warnt: Wenn die Roller wie geplant mit bis zu 20 km/h am Straßenverkehr teilnehmen dürfen, sei die Gefahr von Verletzungen wie Knochenbrüchen hoch.

Der Münchner Unfallchirurg Prof. Peter Biberthaler sieht vor allem Kopfverletzungen und Brüche der oberen und unteren Extremitäten kommen. Auf den Fahrradwegen könnten die Scooter den Verkehrsfluss stören und deswegen Unfälle nach sich ziehen. Noch dazu kommen die kleinen Räder nur schwer über Unebenheiten wie Bordsteine. Eine Helmpflicht ist aber nicht vorgesehen.

"Ich würde immer mit Helm fahren. Ich fahre auch selber mit Helm, das liegt daran, dass ich meinen Kopf ganz gernhabe und behalten möchte."

Prof. Dr. med. Peter Biberthaler, Unfallchirurg, Klinikum rechts der Isar, München

Viele Roller noch nicht zugelassen

Nik will es trotzdem wagen. In Elektronikmärkten gibt es einige Modelle zum Kauf. Das Problem: Damit durch die Stadt zu fahren, ist gar nicht erlaubt.

"Die allermeisten Roller, die es derzeit im Handel gibt, sind nicht zugelassen. Das heißt die technischen Voraussetzungen sind noch nicht gegeben für den Straßenverkehr. Demnach können wir im Moment auch nicht empfehlen, sich so einen Roller anzuschaffen. Wenn die mal genehmigt sind, bekommen sie eine Plakette mit einer Nummer, dass man weiß, dass diese Roller auf der Straße fahren dürfen."

Melanie Mikulla, ADAC e.V., München

Nik probiert den Scooter deshalb auf einer Teststrecke aus. Ab 14 Jahren soll man fahren dürfen - auch ohne Führerschein. Sein erster Eindruck:

"Der zieht ganz schön! Das Handling ist super, der Scooter lässt sich richtig gut fahren. Man fühlt sich wieder wie ein sechsjähriger mit Tretroller, nur dass man viel schneller ist."

Nik, Student

Voraussetzungen für den Straßenverkehr

20 km/h sollen maximal erlaubt werden, und noch einige andere Voraussetzungen gelten, damit ein E-Scooter für den Straßenverkehr zugelassen wird. Dazu gehören:

-zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen
-eine Beleuchtungsanlage
-eine hell tönende Glocke
-Seitenreflektoren

Auf Radwegen fahren

E-Scooter: Auf Radwegen fahren oder auf die Straße ausweichen

Vorgeschrieben ist außerdem eine Kfz-Versicherung. Die kostet etwa 40 Euro und muss mit einer Spezialplakette nachgewiesen werden. Die neuen Fahrzeuge sollen auf Radwegen unterwegs sein dürfen, nicht auf Gehwegen. Wo keine Radwege oder eigene Spuren für Fahrradfahrer sind, müssen Scooterfahrer auf die Straße ausweichen. Der Unfallchirurg sieht da den Haken.

"Wenn man jetzt keinen Radweg zu Verfügung hat und man fühlt sich auf der Straße nicht so sicher, dann ist der Schritt naheliegend, auf dem Gehweg zu fahren. Das Problem kann sein, dass die Fußgänger nicht damit rechnen, dass jemand deutlich schneller um die Ecke kommt und vielleicht auch Kinder oder Leute, die nicht so erfahren sind, das gar nicht auf dem Schirm haben, dass man umgefahren werden kann."

Prof. Dr. med. Peter Biberthaler, Unfallchirurg, Klinikum rechts der Isar, München

Nik kann es trotzdem kaum erwarten, dass die Roller auch im Straßenverkehr erlaubt werden. Er hat sich vorgenommen, sicher unterwegs zu sein. Das heißt: lieber langsam machen und im Zweifel auch mal absteigen, wenn es der Sicherheit dient.


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