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Elektrosmog Eine unsichtbare Gefahr?

Elektrosmog belastet die Umwelt und macht krank. So heißt es. Doch stimmt das? Unser Reporter Fero Andersen begibt sich auf die Suche nach den unsichtbaren Strahlen und lernt, wie sie auf unseren Körper wirken.

Von: Julia Nölker

Stand: 18.06.2018

Wir können sie nicht hören, nicht riechen und nicht sehen. Sie gehen vom Fernseher aus, oder auch vom Funkmikrofon eines Reporters unter dem T-Shirt: Elektromagnetische Strahlung. Viele Menschen behaupten Elektrosmog verpeste die Umwelt, schlimmer noch mache uns sogar krank. Ist da was dran?

Rund 57 Millionen Deutsche nutzen ein Handy und sind jederzeit und überall erreichbar. Dabei nutzt der Mobilfunk hochfrequente elektromagnetische Felder – als Wellen breiten sie sich von einer Antenne oder einem Sendemast aus und tragen Daten und Informationen über große Entfernungen.

Elektrosmog: Strahlung in der Wohnung

Im Zentrum von München besucht Reporter Fero Andersen Andrea Pogoda, den fünfjährigen Vincent und den dreijährigen Ferdinand in ihrer Wohnung. Sie wollen die Strahlung in ihrer Wohnung reduzieren und zeigen ihm die Basisstation im Flur, den Arbeitsplatz im Schlafzimmer mit Laptop und den Fernseher mit WLAN-Stick im Wohnzimmer.

"Mit Kindern ist natürlich immer die Frage: Wie viele Geräte hat man im Haushalt, die man jeden Tag benutzt? Wir schlafen hier, ich arbeite auch noch hier und da ist es natürlich schon interessant, ist das schädlich für den Körper?"

Andrea Pogoda, Mutter

Baubiologe Dieter Kugler hat bereits unzählige Haushalte auf Strahlenbelastung untersucht. Welche Strahlung wird er im Haushalt von Familie Pogoda vorfinden?

"In den letzten Jahrzehnten hat die Belastung extrem zugenommen und da unser Körper ja auch elektrisch funktioniert, sollte man darauf achten, dass es mögliche geringe Belastungen sind."

Dieter Kugler, Geobiologischer Berater, Bad Heilbrunn

Strahlungsquelle: WLAN

Die Suche beginnt im Wohnzimmer. Mit dem Messgerät kann Dieter Kugler hochfrequente elektromagnetische Felder hörbar machen. Das stärkste Signal geht bei Familie Pogoda vom WLAN aus. Dieter Kugler sucht die Strahlungsquelle und findet den WLAN-Router im Flur.

Obwohl der WLAN-Router ausgeschaltet ist, suchen Empfangsgeräte wie das Mobiltelefon das Signal. Deshalb muss die WLAN-Funktion auch bei Smartphones, Laptops und CO ausgeschaltet werden. Weiter geht die Suche im Kinderzimmer.

"Für die Kinder ist es das Wichtigste, dass wir möglichst geringe Strahlung haben. Am besten gar keine. Das schaffen wir fast nicht mehr. Aber wir können hier deutlich reduzieren."

Dieter Kugler, Geobiologischer Berater, Bad Heilbrunn

Grenzwerte für Handys

Wie wirkt Handystrahlung auf unsere Gesundheit? Im Bundesamt für Strahlenschutz trifft Fero Andersen Biologin Dr. Gunde Ziegelberger.

"Jetzt ist es ja so, dass die Handystrahlung ja die Strahlung ist, die auch von der Mikrowelle ausgeht. Heißt das der Effekt ist derselbe, also mein Hirn kocht auf, wenn ich telefoniere?"

Fero Andersen, Reporter

"Es ist tatsächlich beides hochfrequente Strahlung und ungefähr derselbe Frequenzbereich. Insofern ist es schon richtig, dass das Handy ihren Kopf ganz leicht erwärmt."

Dr. Gunde Ziegelberger, Biologin, Bundesamt für Strahlenschutz, München

Wie sicher ist ein Handy? Im Labor messen die beiden, ob Feros Handy den Grenzwert - den sogenannten SAR Wert - einhält. Der SAR-Wert beschreibt, wie viel Strahlungsenergie der Körper pro Kilogramm absorbiert. Ein Sensor misst in einer gewebesimulierenden Flüssigkeit die ankommende Energie des Handys.

"Der SAR-Wert liegt unter 0,5 Watt pro Kilogramm und der Grenzwert bei 2 Watt pro Kilogramm, also haben sie in diesem Fall ein gutes Handy."

Dr. Gunde Ziegelberger, Biologin, Bundesamt für Strahlenschutz, München

In Deutschland darf der Grenzwert von 2 Watt pro Kilogramm nicht überschritten werden. Dieser Grenzwert schützt nach Aussagen des Bundesamtes für Strahlenschutz vor zu starken Temperaturerhöhungen und damit unter anderem vor Zellschädigungen.

Kopfschmerzen durch Elektrosensibilität?

Manche Menschen sagen, sie sind elektrosensibel. Das heißt, sie haben schnell mal Kopfschmerzen und führen das zum Beispiel zurück auf die Nutzung von Handys.

"Die Leute meinen, die Felder zu spüren und haben zum Teil schwerwiegende Symptome. Aber ihre Symptome korrelieren in unseren Studien nicht mit dem Vorhandensein der Felder."

Dr. Gunde Ziegelberger, Biologin, Bundesamt für Strahlenschutz, München

Heißt das also: Entwarnung?

"Das letzte Wort ist bezüglich möglicher Langzeitwirkungen bei intensiver Handynutzung derzeit noch nicht möglich."

Dr. Gunde Ziegelberger, Biologin, Bundesamt für Strahlenschutz, München

Tipps für weniger Strahlung

Eine eindeutige Antwort, ob uns Elektrosmog langfristig krankmacht, kann Dr. Ziegelberger also nicht geben. Wie wir aber die Strahlenbelastung in unserem Alltag reduzieren können, das schaut sich Fero Andersen an. Baubiologe Dieter Kugler hat wertvolle Tipps zur Minimierung.

"Hier das ist ein ECO Telefon. In dem Moment, in dem ich den Hörer wieder auf die Basis lege, sendet es nicht mehr."

Dieter Kugler, Geobiologischer Berater, Bad Heilbrunn

Die Messung zeigt: Von den Schnurlostelefonen und den WLAN-Geräten geht die größte Strahlungsbelastung in der Wohnung aus. Was kann man zum Beispiel beim Schnurlostelefon und beim WLAN verbessern?

"Den Hörer schön auf der Basis stehen lassen, das genügt. Es sendet dann nicht. Oder ein neues anschaffen mit Eco Plus, das sendet auch dann nicht, wenn der Hörer irgendwo rumliegt. Beim WLAN gibt es einen schönen Knopf, da kann man die WLAN-Funktion ausschalten, wenn man sie nicht braucht. Wenn der WLAN-Router aus ist, muss beim Smartphone auch die WLAN-Funktion deaktiviert werden, sonst sucht es alle halbe Minute und will einen Partner finden. Neue Smartphones haben auch eine viel geringere Sendeleistung als die alten Handys. Denn sie passen die Sendeleistung in Abhängigkeit zur Stärke des Senders an. Und dann: möglichst freisprechen."

Dieter Kugler, Geobiologischer Berater, Bad Heilbrunn

Andrea Pogoda möchte künftig die Ratschläge des Baubiologen beherzigen und entscheidet sich zur Vorsorge durch Strahlungsminimierung. Wie sich Elektrosmog langfristig auf unsere Gesundheit auswirkt, wird wohl erst die Zukunft zeigen.

"Ich habe heute ganz viel zum Thema Elektrosmog erfahren und nehme vor allem eines mit: Jeder kann mit kleinen Kniffen viel bewirken und damit die Strahlen reduzieren."

Fero Andersen, Reporter


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