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ePA, Patientenakte Die elektronische Patientenakte ist verfügbar

Alle Behandlungsdaten sofort auf einen Blick in einer App. Das verspricht die neue elektronische Patientenakte, kurz ePA. Seit Januar sind alle gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, ihren Versicherten diese anzubieten. Sie soll eine bessere Behandlung der Patienten möglich machen und Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken die Arbeit vereinfachen. Aber zum Start gibt es auch Kritik.

Von: Nora Zacharias

Stand: 17.01.2021 20:47 Uhr

Sechzehn Jahre wurde an ihr geplant, der Start immer wieder verschoben. Aber seit dem 1. Januar ist sie nun erhältlich: die elektronische Patientenakte per App, kurz ePA. Sie ist kostenlos und soll Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken untereinander vernetzen und Arbeitsschritte digitalisieren. Doppeluntersuchungen sollen so vermieden und Patientinnen und Patienten schnellst- und bestmöglich behandelt werden.

ePA: Wie funktioniert die elektronische Patientenakte?

Nach der Beantragung bei der jeweiligen Krankenkasse können die Patientinnen und Patienten Einsicht auf ihre medizinischen Dokumente nehmen, wie zum Beispiel Röntgenbilder, Blutwerte oder Medikationspläne. Durch einen digitalen Schlüssel kann ausgewählten Behandlern Zugang zu dieser Akte gewährt werden. Diese können jetzt für die vom Patienten freigegebene Zeitspanne Dokumente lesen und selbst Unterlagen hochladen. Die Krankenkassen dürfen Dokumente ablegen, haben jedoch keine Einsicht. 

Ein wichtiger Schritt, findet Marcel Weigand von der unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Der Digitalexperte hat Länder mit einer elektronischen Patientenakte analysiert und dort beobachtet, welche Effekte die Einführung der elektronischen Patientenakte auf das Gesundheitssystem hat.  

"In diesen Ländern hat man gesehen, dass weniger Medikationsfehler auftreten, dass medizinische Leitlinien besser beachtet wurden, dass insgesamt weniger Fehler in der Versorgung passiert sind. Weil eben die notwendigen Informationen an der Stelle sind, wo sie gebraucht werden."

Marcel Weigand, Unabhängige Patientenberatung Deutschland, Leiter Kooperation und digitale Transformation

ePA-Kritik zum Start: Nur über Smartphone und Tablet verfügbar

Für Marcel Weigand ist die Einführung der ePA ein Paradigmen-Wechsel. Die Patienten seien nun Entscheidungsträger, könnten bestimmen, wer die Daten einsehen darf und wer nicht. Jedoch kritisiert er die Entscheidung, dass die elektronische Patientenakte von Patientenseite nur über App – per Smartphone oder Tablet – verwaltet werden kann. Denn das schließt besonders ältere Menschen aus.

"Vier von zehn Senioren haben ein Smartphone. Des heißt die Mehrheit der Senioren hat kein Smartphone. Und das bedeutet, dass man eben gerade ältere Patienten hier aussschließt."

Marcel Weigand, Unabhängige Patientenberatung Deutschland, Leiter Kooperation und digitale Transformation

Für Seniorinnen und Senioren ist die elektronische Patientenakte jedoch besonders sinnvoll, denn diese gehen häufig zum Arzt. Ab 2022 kann jedoch eine dritte Person – zum Beispiel ein Familienmitglied – beauftragt werden, die ePA für einen zu verwalten.

Diese Variante kritisiert Thomas Petri, der bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz.

"Ich sehe hier keine Gewährleistung von Gleichheit. Denn diese Person, die diese technischen Mittel nicht hat, muss entscheiden: Offenbare ich mich einer anderen Person in diesem Punkt. Darauf läuft es nämlich hinaus."

Prof. Dr. Thomas Petri, bayerischer Landsbeauftragte für den Datenschutz

Menschen müssten hier sensible Daten preisgeben und könnten so in wichtigen Entscheidungen beeinflusst werden, so der Datenschützer. Und er sieht noch ein anderes Problem.

Verfeinertes Berechtigungsmanagement erst ab 2022 möglich

ePA: Keine Verpflichtung sondern Angebot, das allen Patientinnen und Patienten freiwillig zur Verfügung steht.

Momentan können Patienten nur entscheiden: Gebe ich meine Unterlagen, die in der ePA gespeichert sind, ganz dem Behandler oder gar nicht. Einzelne Dokumente freigeben, das ist erst ab 2022 möglich. Laut dem Datenschützer Thomas Petri ist das eine „mangelhafte Datenkontrolle“ der Patienten. Denn wird dem Zahnarzt die Akte freigeben, kann dieser auch sehen, dass man beispielsweise wegen Depressionen behandelt wird.

"Ein Mediziner würde hier möglicherweise widersprechen. Die sehen immer gerne alles. Weil sie sagen, wir müssen auch das soziale Umfeld ein bisschen einordnen können für Behandlungen. Aber Patienten sehen das eben in diesem Punkt doch etwas differenzierter."

Prof. Dr. Thomas Petri, bayerischer Landsbeauftragte für den Datenschutz

ePA: Freiwilligkeit, keine Verpflichtung

Trotzdem muss jedem klar sein, dass die elektronische Patientenakte freiwillig ist und jeder festlegen kann, welcher Behandler Zugang zu der Akte hat und diese auch zeitlich begrenzen kann, so Marcel Weigand.

"Und dann muss es letztendlich jeder Patient für sich selbst entscheiden, ob er die Vorteile der ePA ab 2021 schon nutzen möchte oder ob er sagt: Das ist mir so wichtig, dass ich für jedes einzelne Dokument definieren kann, welcher andere Arzt das einsehen kann, dass ich noch ein Jahr warte."

Marcel Weigand, Unabhängige Patientenberatung Deutschland, Leiter Kooperation und digitale Transformation

Einführung der ePA in drei Stufen – aktuelle Testphase

Auch wenn Patientinnen und Patienten die ePA bei ihren Krankenkassen herunterladen können, heißt es in den ersten Monaten noch nicht, dass ihr Arzt schon Zugang zum System hat. Denn die ePA befindet sich momentan in einer Testphase. Aktuell haben nur bestimmte Krankenkassen und Arztpraxen Zugang zu der ePA, um die Funktionsweise im medizinische Regelbetrieb zu sichern.

Ab dem 01. Juli 2021 ist jedoch gesetzlich festgelegt, dass alle Kassenärzte die elektronische Patientenakte anbieten müssen, sonst müssen sie Honorarkürzungen von mindestens einem Prozent in Kauf nehmen. In Krankenhäusern muss die ePA spätestens zum 1.1.2022 laufen.

ePA: erweiterte Funktionen bis 2024 

ePA: Bis 2024 sollen Funktionen und Anbindungen erheblich erweitert werden.

Ab 2022 kann ein gesetzlicher Vertreter bestimmt werden und für Patientinnen und Patienten ist es möglich, den Behandlern nur einzelne Dokumente freizugeben. Außerdem sollen Pflege, Hebammen und Physiotherapeuten eingebunden werden. Der Plan für 2023: Die Freigabe von Daten aus der ePA zu Forschungszwecken soll ermöglicht und die elektronische Patientenakte mit Gesundheitsapps auf Rezept automatisch verknüpft werden. Außerdem soll es die Möglichkeit einer Patientenkurzakte geben, die insbesondere für die Nutzung im EU-Ausland gedacht ist. Ab 2024 sollen die Anbindung weiterer Nutzergruppen an die ePA ermöglicht und Prozesse optimiert werden, alles aber weiterhin nur mit Zustimmung und auf freiwilliger Basis für alle Patienten .


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