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Corona, Kontaktverfolgung Einen Tag als Ermittler im Gesundheitsamt

Traurig aber wahr: Die dritte Corona-Welle rollt auf uns zu. Eine wichtige Maßnahme neben Impfen und Testen ist die möglichst schnelle Kontaktnachverfolgung. Sie ist Aufgabe der Gesundheitsämter. Unser Reporter Fero Andersen war einen Tag lang dabei als Corona-Aushilfs-Ermittler.

Von: Susanne Wimmer

Stand: 15.03.2021 12:39 Uhr

Vor der Karriere steht die Ausbildung

Jeder, der in einem der Contact Tracing Teams (CTT), also bei der Kontaktnachverfolgung arbeiten möchte, muss zunächst einen eintägigen Online-Kurs absolvieren. Den hat die Akademie für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit für alle angehenden Kontaktermittler konzipiert und dort erfährt man alles, was man über diese wichtige Tätigkeit wissen muss: von den medizinischen Hintergründen, über den Umgang mit Kontaktpersonen bis hin zur richtigen Gesprächsführung. Quiz sollen helfen, ein Gefühl über den eigenen Kenntnisstand zu bekommen. Auf die Online-Schulung folgt die Einarbeitung am Einsatzort, also in einem der 71 Landratsämtern in Bayern.

"Kontaktpersonen 1 werden für 14 Tage in Quarantäne geschickt und bei Kontaktpersonen 2 wird empfohlen, dass sie einfach auf Symptome achten, Kontakte reduzieren. Quarantäne ordnen wir mündlich am Telefon an und im Nachgang kommt dann die schriftliche Anordnung per Post oder per E-Mail."

Julia, Contact Tracing Team, Gesundheitsamt Fürstenfeldbruck

Der Praxis-Test

Jana Zimmermann ist als juristische Abteilungsleiterin im Landratsamt Fürstenfeldbruck für das Contact Tracing Team verantwortlich. Sie zeigt Fero seinen Einsatzort. Wie in den meisten Gesundheitsämtern musste auch in Fürstenfeldbruck erst einmal Raum geschaffen werden. Kurzerhand hat man hier einen Nebenraum der Kantine zum Kontaktermittler-Büro umgestaltet; mit Trennwänden und der entsprechenden technischen Ausstattung. Jana Zimmermann ist sehr froh, dass ihr Team bereits während der zweiten Welle auf das Software-Tool Sormas umgestiegen ist und mittlerweile vollständig digital arbeitet, was sie als riesige Arbeitserleichterung empfindet. Das Landratsamt Fürstenfeldruck war übrigens das allererste in Bayern.

"Wir hatten keine Software, mit der wir arbeiten konnten, und es war wesentlich komplizierter und von daher sind wir ganz dankbar und waren sehr dahinterher, dass wir möglichst schnell umstellen."

Jana Zimmermann, Juristische Abteilungsleiterin Gesundheit, Landratsamt Fürstenfeldbruck

Weil Infizierte bereits mehrere Tage vor Krankheitsbeginn ansteckend sind, muss das Contact Tracing Team exakt ermitteln, mit wem sie sich getroffen haben. Nur so können die Infektionsketten rechtzeitig durchbrochen werden. Fast jeder Infizierte hatte ein bis zwei Tage vor Ausbruch der Symptome Kontakt zu anderen. Der eine mehr, der andere weniger.

"Langsam aber sicher wird mir klar, wie wichtig die Arbeit der Kontaktermittler hier im Landratsamt Fürstenfeldbruck eigentlich ist."

Fero Andersen, Gesundheit!-Reporter

Wie geht es den Menschen in Quarantäne?

Zur Aufgabe eines guten Corona-Ermittlers gehört es auch, sich regelmäßig darüber zu erkundigen, wie es den Menschen in Quarantäne geht. Das passiert normalerweise vom Schreibtisch aus, Reporter Fero macht eine Ausnahme und trifft Familie Bals. Die hatte Quarantäne mit drei kleinen Kindern – gar nicht so einfach. Aber die Bals haben sich viel ausgedacht: Gemeinsam Backen, Kissenschlachten, Spiele-Nachmittage. Am Ende haben sie alle diese schwierige Zeit gut überstanden.


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