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Duftstoff-Allergie Wenn Parfum krank macht

Ein gutes Parfum kann das Leben bereichern. Doch die darin enthaltenen Duftstoffe können Allergien auslösen und das Leben zur Qual machen. "Gesundheit!"-Reporterin Veronika Keller hat sich in die Welt der Düfte begeben, um herauszufinden, wie man Duftstoffen auf die Spur kommt und sie meidet.

Von: Ben Wolter

Stand: 06.03.2018

Alles duftet: natürlich Parfum, aber auch Lippenstift, Haarspray und Handcreme. Schon in der Maske kommt Veronika Keller im Berufsalltag mit den an sich harmlosen Duftstoffen in Berührung. Sylvia Pleschka, Duftstoff-Expertin des Deutschen Allergie- und Asthmabunds, nimmt die Produkte unter die Lupe.

"Ich sehe schon in der Zusammensetzung einige allergieauslösende Duftstoffe, das ist Geraniol, Citronellol. Das sind Duftstoffe, die eine Kontaktallergie auslösen können."

Dr. Silvia Pleschka, Dipl. Chemikerin, Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V.

Kontaktallergie: Was ist das?

Kontaktallergie: Welche Stoffe sind die Auslöser? Eine frühe Diagnose hilft, diese zu vermeiden.

Bei einer Kontaktallergie reagiert die Haut allergisch auf gewisse Substanzen, nachdem sie damit in Berührung gekommen ist. Die Symptome: Jucken, Reizungen, Bläschen, Ekzeme. Neben Nickel gehören Duftstoffe zu den häufigsten Auslösern einer solchen Kontaktallergie. In Deutschland leiden etwa eine Million Menschen daran. Besonders belastend: die Allergene stecken überall. In Kosmetika, Putzmitteln, Raumdüften und sogar in Lebensmitteln.

"Das Problem ist, dass sie dem nicht aus dem Weg gehen können. Wenn sie das vergleichen mit einer Pollenallergie, dann habe ich drei Monate, in der Zeit leide ich, danach ist es wieder gut.  Bei Duftstoffen ist das Problem ganzjährig."

Dr. Silvia Pleschka, Dipl. Chemikerin, Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V.

Kontaktallergie: Risikofaktor Neurodermitis

Gerade Neurodermitiker sind besonders anfällig, da ihre empfindliche Haut Allergene einfacher durchlässt. So wie bei Isabell Kovarik. Die Krankenschwester leidet seit drei Jahren an einer Duftstoffallergie. Die Hautausschläge wurden immer schlimmer. Das hatte gravierende Auswirkungen auf ihr privates und berufliches Umfeld.

"Das war eine gewaltige Umstellung, ich musste Kosmetika komplett entsorgen und mich nach alternativen Lösungen umschauen. Und wenn ich in der Küche Reinigungsarbeiten mache, muss ich Handschuhe tragen."

Isabell Kovarik, Allergiepatientin

Therapie: Den Allergenen aus dem Weg gehen

Weil Kontaktallergien nicht heilbar sind, ist die einzige Behandlungsform das Meiden der Allergene. Doch wie erkennt ein Betroffener allergieauslösende Produkte? Laut EU-Verordnung müssen die 26 wichtigsten Allergene auf der Verpackung deklariert sein. Viel zu wenig, sagen Wissenschaftler und fordern eine Erweiterung auf 128 problematische Duftstoffe.

Kontaktallergie: Frühe Diagnose hilft

Epikutantest: Mit einem Pflaster werden potentiell allergene Stoffe auf der Haut getestet.

Doch der Umfang der Liste und die Fachausdrücke überfordern Laien schon jetzt. Das Leben wird für Allergiker zunehmend zu einem Teufelskreis. Das frühzeitige Erkennen einer Allergie ist deshalb wichtig. Bei Verdacht führt kein Weg am Dermatologen oder Allergologen vorbei. Dr. Eva Oppel von der Universitätsklinik München erklärt Veronika Keller, wie man herausfindet, ob jemand auf Duftstoffe allergisch ist.

"Also zunächst einmal führen wir ein ausführliches Gespräch. Was hat der Patient bemerkt? Was ist an der Haut entstanden? Unsere Lieblingsfrage ist: Juckt es? Wenn ihnen dann jemand erzählt, typischerweise in den Achselhöhlen, dann haben sie schon einen Verdacht und dann würde man dem Patienten einen Pflastertest am Rücken empfehlen, einen sogenannten Epikutantest oder Patchtest."

Dr. med. Eva Oppelt, Klinik für Dermatologie und Allergologie, LMU München

Diagnose: Allergietest beim Dermatologen

Alltagshilfe Allergieausweis: Alle Stoffe, auf die der einzelene Patient allergisch reagiert, sind aufgeführt.

Durch den Pflastertest soll eine Allergie künstlich provoziert werden. Dazu testen die Ärzte auf 26 besonders allergieauslösende Duftstoffe. Zur Testreihe gehört außerdem der natürliche Extrakt Perubalsam sowie drei ätherische Öle. Das Pflaster mit den Duftstoffgemischen bleibt 48 Stunden auf dem Rücken kleben, da sich manche Kontaktallergien erst nach Tagen zeigen. Bei einem positiven Ergebnis, etwa einer Rötung, bekommt der Patient einen Allergiepass mit Verweis auf die Allergene. Diesen Allergiepass trägt Isabell Kovarik immer mit sich.

"Ich haben den Allergiepass immer in der Tasche, damit ich nachgucken kann und weiß, bin ich darauf allergisch oder nicht."

Isabell Kovarik, Allergiepatientin

Duftstofffreie Produkte: Was ist wirklich unbedenklich?

Kosmetika ohne Duftstoffe: Ein Mussm für Patienten mit Kontaktallergien.

Allergiker können inzwischen aber auf Nummer sicher gehen: Hersteller bieten ein breites Sortiment an duftstofffreien Produkten an. Auf der Verpackung finden Konsumenten Vermerke wie "parfumfrei" oder "ohne Duftstoffe". Vorsicht ist allerdings bei dem Begriff "duftneutral" geboten. Hier sollten Allergiker sicherheitshalber die Deklaration nach Allergenen überprüfen.


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