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Docs auf Schicht In der Augenklinik Erlangen

Wenn die Not am größten ist, sind sie zur Stelle – Retter, Pfleger, Ärzte. Aber wie sieht der Alltag in Bayerns Kliniken aus? Gesundheit geht mit den Docs auf Schicht – heute in der Augenklinik der Universität Erlangen.

Von: Florian Heinhold

Stand: 01.10.2018

Augenklinik Erlangen | Bild: Screenshot BR

Morgenvisite – von Herpes über Grauer Star bis zur Hornhauttransplantation

7:00 Uhr: Volles Wartezimmer. Wie jeden Morgen empfängt Professor Friedrich Kruse zur Frühvisite die Patienten der Augenstation. Alle möglichen Krankheitsbilder und vor allem schwere Fälle werden hier behandelt. Viele hatten gerade eine Augen-OP.

"Es ist eine sehr emotionale Angelegenheit nicht mehr sehen zu können und dann wieder das Sehen zu erlangen."

Prof. Dr. med. Friedrich Kruse, Direktor, Augenklinik Universität Erlangen

Hornhauttransplantation 

Karl-Heinz Schuh steht eine schwere OP bevor: Eine Hornhauttransplantation. Als er mit starken Sehstörungen zum Augenarzt ging, dachte er, er bräuchte nur eine neue Brille. 

"Schon nach dem ersten Test hat er gesagt, also da ist mit Brille nichts mehr zu machen. Das muss operiert werden."

Karl-Heinz Schuh, Patient

 OP-Vorbereitung mit Dr. Maximilian Mösler.  Die Hornhaut ist fast komplett zerstört.

"Die Zellen der Hornhaut sind nicht mehr in der Lage, das Wasser, dass immer wieder aus dem Auge in die Hornhaut fließt, rauszupumpen und deshalb schwillt die Hornhaut an und wird trüb."

Dr. med. Maximilian Mösler, Assistenzarzt, Augenklinik Erlangen

Kurz darauf geht es los – Karl-Heinz Schuh wird in den OP gebracht. Während die Narkose zu wirken beginnt, bereitet sich das Ärzte-Team vor. Ein relativ neuer Eingriff, die zu transplantierende Hornhautschicht ist nur einen fünftausendstel Millimeter dick.

"Am Anfang haben wir selber gar nicht gewusst, dass wir das überhaupt machen können, weil diese Struktur an der Grenze dessen ist, was man handhaben kann."

Prof. Dr. med. Friedrich Kruse, Direktor, Augenklinik Universität Erlangen

 Die Operation beginnt. Es wird nicht einfach die komplette Hornhaut getauscht. Unter dem Mikroskop entfernt Prof. Kruse nur die hauchdünne Schicht der Hornhaut, die wirklich beschädigt ist. 

"Deshalb ziehen wir diese schadhafte Membran ab und transplantieren ihm eine neue Membran mit gesunden Zellen in das Auge rein."

Prof. Dr. med. Friedrich Kruse, Direktor, Augenklinik Universität Erlangen

Dann bringen die OP-Pfleger das Spenderorgan. Aus der Hornhaut eines Verstorbenen entfernen die Ärzte jetzt die Zellschicht, die sie Karl-Heinz Schuh einpflanzen wollen. Dafür wird die Membran gerollt und in eine Präzisionskanüle manövriert.

"Wir haben nur einen kleinen Schnitt zur Verfügung und deshalb müssen wir das Transplantat rollen, damit es in das Auge reinpasst."

Prof. Dr. med. Friedrich Kruse, Direktor, Augenklinik Universität Erlangen

Das gerollte Transplantat wird so ins Auge geführt und unter der Hornhaut ausgebreitet. Eine Luftblase aus Spezialgas drückt das Transplantat an die Hornhaut. Im Anschluss wird die getrübte Linse gegen eine Kunstlinse getauscht.

Grauer Star

Und noch einen Patienten darf Gesundheit in die OP begleiten. Detlev Fröhlich leidet an einer echten Volkskrankheit.

"Grauer Star! Und heute wird das erste Auge zur Operation freigegeben."

Detlev Fröhlich, Patient

Der Patient muss zuerst unter den Laser – er leidet an Grauem Star, seine Augenlinse ist getrübt und muss gegen eine Kunstlinse getauscht werden. Unter dem Laser wird die kranke Linse vorgeschnitten.

Dann geht es in den OP. Detlev Fröhlich wird während des Eingriffs wach sein. Seine vom Laser vorbereitete kranke Linse wird jetzt von Prof. Kruse mit einem Spezialsauger entfernt. Dann kommt eine neue Kunstlinse ins Auge. Geschafft! Direkt im OP die erste Reaktion des Patienten: Alles ist gut gelaufen.

Die Station

Doch nicht nur im OP gibt es viel zu tun – auch auf Station haben Assistenzärztin Juliane Fritsch und Professor Christian Mardin eine Menge Arbeit. Sie sind auf dem Weg zu einer Schülerin, die einen Unfall im Matheunterricht hatte. 

"Ich habe ein Geodreieck ins Auge gekriegt. Es wurde geschmissen und ich habe es ins Auge gekriegt."

Kimberley, Schülerin

Die Hornhaut war verletzt und musste genäht werden. Jetzt wird geschaut, ob Kimberley nach Hause darf. Denn mit einer offenen Hornhaut ist nicht zu spaßen. Unter dem Spaltmikroskop schaut sich Juliane Fritsch zunächst die Naht an der Hornhaut an.

Aber die entscheidende Untersuchung ist der Ultraschall. Professor Mardin muss schauen, ob durch den Aufschlag die Netzhaut hinter dem Auge verletzt wurde.

"Alles gut, Gott sei Dank! Kimberley darf heim!"

Prof. Dr. med. Christian Mardin, leitender Oberarzt, Augenklinik Erlangen

Kimberly und ihre Mutter sind glücklich. Und Gesundheit geht bald wieder mit den Docs auf Schicht.


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