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Pech auf der Piste Skiunfälle: Einen Tag in der Unfallklinik

Wenn die Not am größten ist, sind sie zur Stelle: Retter, Pfleger, Ärzte. Aber wie sieht der Alltag in Bayerns Kliniken aus? "Gesundheit!" geht regelmäßig mit den Docs auf Schicht – heute begleiten wir die Ärzte der Unfallchirurgie des Klinikums Garmisch-Partenkirchen.

Von: Florian Heinhold

Stand: 18.03.2019

7:00 Uhr Früh. Morgenvisite für das Team der Unfallchirurgie. Jede Menge zu tun für Dr. Andreas Tannheimer und Dr. Christian von Rüden. Vor allem jetzt, solange die Skisaison noch läuft, häufen sich die Verletzungen. In der Nacht ist auch Mathias aus Dänemark auf die Station gekommen - mit einer klaffenden Wunde am Knie, die er sich bei einem Pistenunfall durch die Skikante zugezogen hat.

Frühvisite in der Skisaison

"Man sieht eine große Weichteilverletzung, was bei den Skikantenunfällen gar nicht so selten ist, da diese Kanten heute sehr scharf geschliffen werden."

Dr. med. Andreas Tannheimer, Unfallchirurg, Chefarzt, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Wir begleiten die Ärzte und den jungen Patienten in den OP. In der Nacht wurde die Wunde schon provisorisch geschlossen. Jetzt öffnen die Ärzte sie wieder und überprüfen, wie schwer die Verletzung durch die Skikante ist.

Die entscheidende Frage: Wie sieht die Patellarsehne unterhalb der Kniescheibe aus? Dr. von Rüden erkennt schnell, dass sie komplett gerissen ist. Der "worst case" – die Ärzte müssen zunächst die gerissene Sehne wieder zusammennähen. Dann wird gebohrt. Durch Löcher in Oberschenkel und Schienbein wird eine Eisenschlaufe gelegt, die das Areal stabilisiert, so dass die Sehne ohne Krafteinwirkung heilen kann.

"Ich bin jetzt sehr zufrieden. Die Chance ist gut, dass das gut verheilt und sich auch nicht entzündet."

PD Dr. med. Christian von Rüden, Unfallchirurg, Oberarzt, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Hochbetrieb in der Notaufnahme

Zeitgleich kommen auch in der Notaufnahme immer mehr Patienten an. Das Wetter ist gut, die Skipisten voll. Dr. Christian Holwein hat einen anstrengenden Tag vor sich. Auf dem Gang wartet schon eine Patientin in Skiausrüstung. Dr. Holwein muss sie erst einmal vom Skischuh befreien. Das Knie ist stark geschwollen und bereitet bei der Untersuchung heftige Schmerzen.

"Es kann etwas am Meniskus oder am Kreuzband sein. Und um sicherzugehen, dass nichts gebrochen ist, machen wir jetzt erstmal eine Röntgenaufnahme."

Dr. med. Christian Holwein, Notaufnahme, Assistenzarzt, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Das Röntgenbild bringt die Gewissheit: Das Schienbein ist gebrochen, die Patientin wird auf Station aufgenommen.

Physiotherapie

Und auch mit Physiotherapeutin Sarah Brich darf „Gesundheit!“ auf Schicht gehen – sie ist auf dem Weg zu einem besonderen Fall: Ein Patient, der beim Schneeschuhwandern abgestürzt ist und dabei seinen Schneeschuh verloren hat. Barfuß musste er mehrere Stunden ohne Handynetz den Rückweg antreten. Die Folge: schwerste Erfrierungen. Ob der Fuß gerettet werden kann steht noch nicht fest.

"Uns geht es jetzt darum, ihn zu mobilisieren, damit er wieder auf die Füße kommt, damit er richtig lernt, in dieser Übergangsphase mit den Unterarmstützen zu gehen."

Sarah Brich, Physiotherapeutin, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Jeder Schritt eine Anstrengung – doch Physiotherapeutin Sarah Brich ist zuversichtlich, dass der Patient wieder auf die Beine kommt.

Am Abend verabschiedet sich Gesundheit! vom Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Bald gehen wir wieder mit den Docs auf Schicht.


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