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Schmerzen, Bauch, Darm Was tun bei Divertikulitis?

Heftige Bauchschmerzen, Fieber und häufige Verdauungsprobleme: Das sind alles Symptome bei einer Divertikelerkrankung. Aber was steckt dahinter und was können Betroffene tun?

Von: Christina Schmitt

Stand: 03.02.2019

Stefanie Steinleitner ist zuhause, als sie im letzten Sommer immer heftigere Bauchschmerzen bekommt. Als sie es nicht mehr aushält, fährt sie nach Straubing in die Notaufnahme. Es ist ernster, als sie angenommen hat. Das stellte auch ihr behandelnder Arzt Prof. Dr. Norbert Weigert damals bei seiner Untersuchung fest.

"Beim Abtasten des Bauches ist aufgefallen, dass sie im linken Unterbauch eine sogenannte Abwehrspannung hatte. Das hat ihr sichtlich wehgetan und beim genaueren Betasten hat man dann auch feststellen können, dass da eine verdickte Darmschlinge vorhanden ist."

Prof. Dr. Norbert Weigert, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe

Die Diagnose: Divertikulitis. Eine Entzündung am Dickdarm, die im schlimmsten Fall zum Darmdurchbruch führen kann.

Volkskrankheit Divertikulitis?

So entstehen Divertikel

Das Problem kommt meist mit dem Alter. Ungesunde Ernährung, Rauchen, wenig Bewegung und Übergewicht gelten auch als Auslöser. Denn all das sorgt für erhöhten Druck im Dickdarm. Dadurch kann auf Dauer die Darmwand ausleiern. An natürlichen Schwachstellen bilden sich dann sackförmige Ausstülpungen in der Schleimhaut, so genannte Divertikel.

Viele Menschen haben Divertikel – aber ein Leben lang keine Beschwerden. Sie treten erst auf, wenn sich Darminhalt in Divertikeln festsetzt. Die Folge: Eine Entzündung, Bauchschmerzen und Fieber. Jährlich werden deshalb über 125.000 Patienten stationär behandelt. Das Risiko an Divertikulitis zu erkranken steigt ab dem 50. Lebensjahr.

Akute Divertikulitis: Behandlung mit Antibiotika

Auch jüngere Patienten wie Stefanie Steinleitner sind betroffen. Bei ihr ist damals ein Darmdivertikel akut entzündet. Sie muss sechs Tage im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt werden, darf anfangs nichts essen.

Divertikel sind kleine Ausstülpungen der Darmwand.

Patienten, die unter einem akuten Entzündungsschub leiden, dürfen erst nach und nach wieder normale Nahrung zu sich nehmen. Am Anfang sollen sie vor allem ballaststoffarm essen – bis die Entzündung vollständig abgeklungen ist. Danach wird oft eine Ernährungsumstellung empfohlen, hin zu einer ballaststoffreichen Kost: viel Vollkorn, Hülsenfrüchte und Gemüse. Das soll den Stuhl weicher machen und den Darm entlasten. Ebenfalls wichtig ist Bewegung und ausreichend zu trinken.

Entzünden sich die Divertikel, besteht die Gefahr eines Darmdurchbruchs.

In Studien wurde bislang festgestellt, dass Vegetarier seltener unter Divertikeln leiden als Fleischesser. Auch deshalb hat Stefanie Steinleitner sich dazu entschieden, sich nicht nur ballaststoffreicher zu ernähren, sondern auch öfters auf Fleisch zu verzichten, mit Erfolg bisher.

"Bis jetzt ist alles gut. Zwar, ist die Entzündung erst ein halbes Jahr her. Aber ich habe jetzt nichts mehr gemerkt – Gott sei Dank."

Stefanie Steinleitner, Patientin

Chronische Divertikulitis: Oft ist OP nötig

Bei chronischer Divertikulitis ist oft eine OP notwendig.

Treten die Beschwerden trotzdem und über Jahre hinweg immer wieder auf, so kann es sich um eine chronische Divertikulitis handeln. So wie bei Günter Tissberger, der schon seit 15 Jahren immer wieder unter entzündeten Divertikeln leidet. Dann ist oft eine OP nötig. Doch vor der hat sich Günter Tissberger lange gedrückt.

"Irgendwann ignoriert man solche Sachen bis zum gewissen Grad. Ich habe schon gespürt, dass da wieder etwas ist. Aber ich habe das nicht so ernst genommen."

Günter Tissberger, Patient

Dieses Mal aber hat er die Schmerzen nicht mehr ignorieren können. Denn die Entzündung war vom Darm auf die Blase übergegangen. Ein deutliches Warnsignal – weshalb Günter Tissberger sich für eine OP im Klinikum rechts der Isar entschieden hat. Chirurg Dr. Dirk Wilhelm führt regelmäßig OPs in diesem Bereich durch.

"Wir müssen dafür sorgen, dass die Operation, auch langfristig den Patienten heilt. Das heißt, es wird das Stück entfernt, das ursächlich ist für die chronische Entzündung und Vernarbung."

PD Dr. med. Dirk Wilhelm, Klinikum r.d.Isar, TU München

Der Eingriff wird nach Möglichkeit endoskopisch durchgeführt. Fünf Tage nach der OP zieht Günther Tissberger sein Resümee.

"Ich steh morgens auf, 10 Minuten, viertel Stunde geh ich ganz normal auf die Toilette und hab den ganzen Tag meine Ruhe. Ich habe keine einzige Minute Probleme gehabt bisher."

Günter Tissberger, Patient

Jetzt hofft er darauf, dass er auch in Zukunft beschwerdefrei bleibt. 


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