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Gesund und hilfreich Sport und Diabetes

Zuckerkrankheit bedeutet keinen Verzicht auf Sport. Im Gegenteil. Sport ist sogar gesund für Diabetiker.

Von: Tom Fleckenstein

Stand: 19.03.2018

Fitness: Walkinggruppe läuft übers Feld | Bild: BR/Sylvia Bentele

Sogar Leistungssport ist möglich. So wurde zum Beispiel der Hockeyspieler Carsten Fischer trotz Diabetes 1992 in Barcelona Olympiasieger. Und auch der Bundesliga-Torwart Dimo Wache aus Mainz beweist, dass sportliche Höchstleistungen und Zuckerkrankheit in Einklang zu bringen sind.

Sport bietet viele Vorteile, auf die kein Diabetiker verzichten sollte:

  • erhöht die allgemeine Leistungsfähigkeit
  • schult Koordination und Beweglichkeit
  • hilft Stress abzubauen
  • erhöht die Lebensfreude
  • wirkt Osteoporose und Gelenkschmerzen entgegen

Vor allem Diabetiker vom Typ 2 können durch Sport eine Insulinresistenz behandeln. Denn während und nach dem Sport kann der Körper mit der gleichen Menge Insulin mehr Zucker in die Zellen schleusen. Der arbeitende Muskel verbraucht mehr Glukose. Daher sinkt der Blutzuckerspiegel. Außerdem hilft Sport, dem Übergewicht entgegenzuwirken, Bluthochdruck und Fettwechselstörungen werden positiv beeinflusst. Möglichen Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wird vorgebeugt. Regelmäßige Bewegung reduziert auch die Dosis von Medikamenten. Eine halbe Stunde an fünf Tagen in der Woche reicht aus. Als Grundsatz gilt: Lieber extensiv und länger als intensiv und kurz belasten.

Bei Menschen mit gestörter Glukosetoleranz kann das Risiko, Diabetes mellitus zu entwickeln, um bis zu 70 Prozent verringert werden.

Diabetes und Sport: Gefahr der Unterzuckerung

Vor und nach dem Sport muss der Blutzucker kontrolliert werden, bei längeren Belastungen auch durchaus während des Sports. Der Ausgangswert sollte bei 130 – 180 mg/dl liegen. Durch den erhöhten Energiebedarf des Muskels sinkt nach dem Sport der Spiegel ab. Deshalb startet man mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel, um einer Unterzuckerung entgegenzuwirken.

Diese Gefahr ist für einen Diabetiker höher als für einen gesunden Nicht-Diabetiker. Denn bei einem gesunden Menschen sinkt bei körperlicher Belastung der Insulinspiegel automatisch ab. Nicht dagegen bei einem Diabetiker. Denn nur bei einem niedrigen Insulinspiegel ist die Leber in der Lage, Glukose herzustellen. Und bei Sport benötigt der Körper mehr Glukose als normal. Normal verbraucht das Gehirn 6 Gramm Glukose in der Stunde. Die Leber produziert 10 Gramm pro Stunde. Der Überschuss von 4 Gramm steht also dem Körper zur Verfügung, bei Sport  wird jedoch mehr verbraucht. Normalerweise pegelt der Körper den Blutzuckerspiegel bei 50 bis 150 mg/dl ein. Sinkt der Wert unter 50, kann das Gehirn nicht mehr normal arbeiten.

Daher müssen Diabetiker die Insulindosis an die körperliche Aktivität anpassen, das heißt meistens senken, und zusätzlich nach dem Training Kohlenhydrate zuführen. Dabei lassen Cola oder Traubenzucker den Blutzucker schnell, Vollkornprodukte den Blutzucker langsamer ansteigen. Jeder sollte für sich selbst die optimale Vorgehensweise herausfinden bzw. mit seinem Arzt abklären.

Diabetes und Sport: Art der Belastung

Ausdauersport führt eher zu einer Reduzierung, intensive Belastungen zu einem Ansteigen des Blutzuckers. Achtung! In der Phase der maximalen Insulinwirkung, also 30 bis 60 Minuten nach der Injektion bei kurz wirksamen Insulin und 120 bis 150 Minuten bei Normalinsulin sollte kein Sport betrieben werden. Grundsätzlich haben jedoch gut trainierte Diabetiker bessere Reserven.

Die wichtigsten Vorsichtsmassnahmen

  • Regelmäßig messen
  • Kohlenhydratreicher Imbiss vor dem Training
  • Verzicht auf Sport bei Blutzucker-Werten über 300 mg/dl, sofort Senkung einleiten
  • Reduzierte Insulindosis vor und eventuell auch nach dem Sport, um den natürlichen Abfall des Insulinspiegels zu imitieren
  • Notfall-Traubenzucker in Reichweite
  • Auf Alkohol verzichten, denn Alkohol verhindert die Bildung von Glukose in der Leber
  • Teamkollegen informieren, damit die im Notfall richtig reagieren
  • Ärztlicher Gesundheits-Check vor dem Sport
  • Gute Schuhe kaufen, um offene Wunden zu vermeiden

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