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Covid-19-Infektionen steigen Die Lage auf den Intensivstationen in Bayern

Tag für Tag klettert die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen nach oben. Die Krankenhäuser sehen sich gut vorbereitet auf die zweite Welle. Es fehlt nur an einem: Pflegepersonal.

Von: Nora Zacharias

Stand: 26.10.2020

Grün, gelb oder rot? Seit April 2020 sind alle intensivbettenführenden Krankenhausstandorte gesetzlich verpflichtet, jeden Tag ihre aktuellen Kapazitäten dem DIVI-Intensivregister zu melden. Dieses wurde vom RKI gemeinsam mit der Deutschen Interdiszipläneren Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) eingerichtet, um Engpässe in der intensivmedizinischen Versorgung zu erkennen.

Es erlaubt den Blick auf alle rund 30.000 Intensivbetten in Deutschland und zeigt Betten-Reserven, die darüber hinaus innerhalb von 24 Stunden mobilisiert werden können. In Bayern sehen die Intensivbettkapazitäten gut aus, so Dr. Florian Hoffmann, Mitglied des DIVI-Präsidiums.

"Wir stehen in Bayern auf jeden Fall sehr gut da. Wir haben pro hunderttausend Einwohner eine sehr gute Anzahl an Intensivbetten. Und wir liegen in der Auslastung im Grunde im Bundesschnitt. So, dass man sagen kann: Die Anzahl der Betten ist gut."

PD Dr. Florian Hoffmann, Mitglied des DIVI- Präsidiums , Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin

Intensivbetten: Unterscheidung in Low-, Highcare und ECMO

Die Wissenschaftler und Mediziner haben im DIVI-Intensivregister drei für die Behandlung von Covid-19 wichtige Kategorien definiert: low care, high care und ECMO. 

„Low care" bedeutet, dass über eine dicht anliegende Gesichtsmaske die normale Atmung mit Sauerstoff aktiv mit Hilfe einer Beatmungsmaschine unterstützt wird.

Bei einem „High care“-Bett ist der Patient im Koma, wird intubiert und die komplette Beatmung von einer Maschine übernommen.  

ECMO steht für extrakorporale Membranoxygenierung. Es ist die aufwendigste Behandlung für Patienten, deren Lungen bereits stark geschädigt sind. Hier wird zusätzlich zum Beatmungsgerät das Blut und das im Körper anfallende Kohlendioxid außerhalb des Körpers in einer Maschine – dem Oxygenator - mit Sauerstoff aufbereitet.

Intensivbettenkapazitäten in Bayern

Momentan zeigen in Bayern noch viele Krankenhäuser verfügbare Kapazitäten an. Das Klinikum Großhadern in München zeigt jedoch am 26.Oktober in allen Bereichen - Low-, Highcare und ECMO - gelb an, demnach eine begrenzte Bettenzahl. Prof. Bernhard Zwißler, der ärztliche Direktor der Anästhesie auf der Intensivstation im Klinikum Großhadern, erläutert die momentane Lage: 

"Wenn wir jetzt in der Sekunde gucken würden: Zum Beispiel haben wir aktuell keines der Betten frei. Wir hätten die Ressource ein Bett zu schaffen, wenn das notwendig wäre vielleicht auch zwei. Aber jetzt nicht zehn."

 Prof. Dr. med. Bernhard Zwißler, Direktior der Klinik Anästesiologie der LMU, Klinikum Großhadern

Ein Krankenhaus wie das Klinikum Großhadern ist fast immer voll belegt. Denn in einem Krankenhaus der Maximalversorgung, gibt es jeden Tag sehr viele Patienten, die zwingend auf einer Intensivstation behandelt werden müssen.

Das Klinikum ist jedoch auf die zweite Welle vorbereitet, hat Notfallbetten, Beatmungsmaschinen und kann bei Bedarf Stationen zu reinen Covid-Bereichen machen. Jedoch hat das LMU Klinikum - ähnlich wie die meisten anderen Krankenhäuser in Deutschland - ein Problem: Für stark zunehmende Patientenzahlen gibt es nicht ausreichend Pflegepersonal.

Fehlendes Pflegepersonal könnte zum Problem werden

Das Pflegepersonal konnte jedoch im Sommer nicht so schnell aufgestockt werden, denn einen Intensivpfleger auszubilden dauert lange und der Beruf erscheint bisher vielen als zu unattraktiv.

Dr. Florian Hoffmann vom DIVI- Präsidium sieht dieses zukünftige Problem nicht nur im Klinikum Großhadern, sondern auf sehr vielen Intensivstationen in ganz Deutschland.

"Wir haben faktisch nicht genug intensiverfahrenes Pflegepersonal und ob man ein Bett betreiben kann oder eben nicht, hängt vor allem davon ab, ob ich Pflegepersonal habe, welches diese schwerkranken Patienten eben auch versorgen kann."

PD Dr. Florian Hoffmann, Mitglied des DIVI- Präsidiums , Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin

Wenn die Infektionszahlen weiter ansteigen, dann sieht Dr. Florian Hoffmann unser starkes Gesundheitssystem an seine personellen Grenzen kommen. Denn man schätzt, dass sechs Prozent der Covid-19 Patienten wahrscheinlich im Krankenhaus behandelt werden müssen. Ein Drittel von denen wiederum intensiv.


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