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Coronavirus Mit Riechtraining Geruchssinn wieder verbessern

Wer an Covid-19 erkrankt, hat besonders oft mit einem Verlust des Geruchssinns zu kämpfen. Ein einfaches Riechtraining kann helfen.

Von: Tina Roth

Stand: 11.01.2021

Riechstörungen betreffen rund 80 Prozent der Covid-19-Patienten. Sie treten auch bei einem sonst mildem Verlauf der Erkrankung auf. Denn bei einer Corona-Infektion können die Viren in der Nasenschleimhaut Riechzellen zerstören. Meist regenerieren diese sich schnell wieder. Doch einige Patienten leiden an einer längeren oder sogar dauerhaften Störung des Geruchssinns.

Studie über Riechstörungen und weitere Langzeitfolgen

Etwa zehn Prozent des Riechvermögens können durch Covid-19 verloren gehen, davon gehen Experten aus. Um mehr über Riechstörungen und weitere Langzeitfolgen von Covid-19 herauszufinden, haben Kieler Forscher eine groß angelegte Studie gestartet. Daran können alle Menschen aus Schleswig-Holstein teilnehmen, die bisher bereits an Covid-19 erkrankt waren.

Die Forscher wollen andere Ursachen für eine Riechstörung ausschließen, wie zum Beispiel Polypen, Vernarbungen oder Entzündungen. Deswegen untersuchen sie per Nasenspiegelung zunächst die Nasenschleimhaut. Mit unterschiedlichen Tests stufen sie dann die Schwere der Riechstörung ein.

Coronavirus kann Riechzellen zerstören

Jeder Duft setzt sich aus unterschiedlichen Duftmolekülen zusammen. Und jedes Duftmolekül muss seinen speziellen Rezeptor finden, damit sich ein sinnvoller Duft ergibt.

Hat das Coronavirus nun aber Riechzellen zerstört, finden einige Duftmoleküle keinen passenden Rezeptor mehr. So gelangt nur ein unvollständiger Dufteindruck ins Gehirn. Das kann zu einer Riechverwirrung führen. Betroffene können dann zum Beispiel Kaffee-Duft nicht mehr richtig erkennen.

Viren dringen auch ins Gehirn vor

Häufig kommt es bei Covid-19 zu auch zu Fehlgerüchen während der Regeneration. Die Ursache dafür liegt womöglich nicht nur bei den von den Viren angegriffenen Riechzellen der Nasenschleimhaut. Sondern auch im Gehirn selbst: Tierversuche haben gezeigt, dass die Viren über die Riechzellen und die weiterleitenden Nerven ins Gehirn vordringen. Dort stören sie die neurologische Verarbeitung der Riechimpulse.

Gerüche wahrnehmen durch Riechtraining

Ein einfaches Riechtraining kann die Geruchswahrnehmung deutlich verbessern. Dabei riechen die Patienten regelmäßig an vier intensiven Duftstiften, wie zum Beispiel Zitrone, Rose, Nelke oder Eukalyptus. Morgens und abends halten sie sich die Duftstifte etwa zehn bis 15 Sekunden unter die Nase und versuchen, den Geruch wahrzunehmen.

Betroffene können sich die Duftproben auch selbst aus ätherischen Ölen oder intensiven Gewürzen zusammenstellen. Auf den genauen Duft kommt es nicht an.

Anders als zum Beispiel bei einer Weinprobe, bei der man möglichst den Geruch erkennen und zuordnen soll, geht es beim Riechtraining um das reine Wahrnehmen. Wer bestimmte Duftstoffe nicht wahrnimmt, sollte dies immer weiter trainieren. Das Ziel der Behandlung ist es, neue Verschaltungen im Gehirn zu bilden, die im Alltag die Funktion der geschädigten Bahnen übernehmen.


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