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Corona, Schwangerschaft, Geburt Eine Geburt in der Corona-Pandemie

Es ist eine der großen noch ungeklärten Fragen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie: Welche Folgen hat das Virus in der Schwangerschaft? Schwangere, die an Covid-19 erkranken, sorgen sich, ob eine Übertragung auf den Embryo im Mutterleib möglich ist und ob eine Infektions-Gefahr für Neugeborene besteht. Weltweit wird unter Hochdruck geforscht und auch in Deutschland nimmt die Perinatalmedizin Corona-Geburten in Studien genau unter die Lupe.

Von: Veronika Keller, Florian Heinhold

Stand: 24.05.2020

"Das Allerschlimmste war, dass ich nicht wusste, wie es dem Kleinen geht. Es ist das erste Baby, man geht wöchentlich zu den Untersuchungen. Und dann ist man noch zusätzlich krank und hat auch noch ein Virus, von dem keiner genau weiß: Was macht das mit mir und was macht das mit dem Kleinen?"

Nahal Weber

"Das war natürlich ein Schock für mich, und noch schlimmer, wenn ich sie angesteckt haben sollte. Natürlich hat man da Schuldgefühle. Habe ich etwas falsch gemacht? Habe ich nicht richtig die Hände gewaschen?"

Roman Weber

Der Morgen vor der Geburt.  Die Webers sind inzwischen negativ auf das Virus getestet. Den Kreißsaal dürfen die beiden nur mit Mundschutz betreten, außerdem wird am Eingang Fieber gemessen – Routine in Coronazeiten. Die letzten Vorbereitungen für Nahals Kaiserschnitt, gleich wird es ernst.

Corona-Virus: Risiko für die Schwangerschaft?

Es ist eine der großen noch ungeklärten Fragen der Corona-Pandemie: Was macht das Virus in der Schwangerschaft und bei der Geburt? Können sich Babys im Mutterleib infizieren? Und kann das für den Embryo gefährlich werden? Prof. Bettina Kuschel wird den Kaiserschnitt durchführen.

"Sie war schon richtig krank, sie hat eine ordentliche fiebrige Infektionserkrankung durchgemacht. Hohes Fieber in der Schwangerschaft ist nie gut. Wir wissen eigentlich, dass andere Virenerkrankungen schwerere Probleme verursachen. Bei Covid-19 ist das im Moment bisher nicht so rausgekommen, was etwas verwundert. Bislang gibt es keinen Anhalt dafür, dass ein Kind dadurch zu Schaden kommt. Man muss sammeln, sammeln, sammeln und testen, testen, testen."

Prof. Dr. med. Bettina Kuschel, Leiterin der Geburtshilfe, Klinikum rechts der Isar, TU München

Coronatest im Kreißsaal

Auch Nahals Baby wird direkt im Kreißsaal getestet werden. Gleich geht es los, Nahal bekommt eine Regionalanästhesie, um bei der Geburt wach zu sein – sie wird ihr Kleines unmittelbar nach der Entbindung in den Arm nehmen können. Roman darf erst bei der Geburt selbst dazukommen.

Endlich geht es los. Prof. Kuschel ist schon im Kreißsaal. Jetzt darf auch Roman dazukommen und seiner Frau beistehen.  Bald darauf ist der kleine Darius auf der Welt. Gleich nach der Geburt wird ein Corona-Test gemacht.

Die Ärzte benötigen Nabelschnurblut, um auf Antikörper zu untersuchen. Außerdem werden Abstriche aus Rachen und After gemacht, um eine akute Infektion festzustellen. Die frisch gebackenen Eltern dürfen ihren Sohn im Kreißsaal kurz begrüßen, dann geht es zum Kinderarzt im Nebenraum.

"Wir haben eine Datenbank kreiert, wo wir alle Informationen zu Schwangerschaften, die so eine Covid-19-Infektion durchgemacht haben, sammeln. Und wir versuchen, möglichst viele Kliniken zu akquirieren."

Prof. Dr. med. Bettina Kuschel, Leiterin der Geburtshilfe, Klinikum rechts der Isar, TU München

Schwangerschaft und Corona: wichtige Daten werden gesammelt

Der kleine Darius wird so einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Coronavirus rund um die Geburt leisten. Die Proben des Neugeborenen landen im virologischen Labor des Klinikums rechts der Isar bei Prof. Ulrike Protzer.

"Wenn die Mutter die Infektion hatte, möchte man gerne ausschließen, dass das Kind sich im Mutterleib infiziert hat. Und da ist es dann wichtig, dass man auch das Kind untersucht. Was man jetzt noch nicht weiß: Was passiert, wenn so eine Infektion sehr früh in der Schwangerschaft kommt? Das wissen wir von vielen Viren, wenn man sich früh in der Schwangerschaft infiziert, dann wird die Frucht häufig so schwer geschädigt, dass sie auch abgehen kann. Je mehr Schwangere man jetzt beobachtet, desto mehr kann man sich sicher sein, wie es ist."

Prof. Dr. med. Ulrike Protzer, Virologin, Klinikum rechts der Isar, TU München

Deshalb ist die von Prof. Kuschel ins Leben gerufene Datenbank so wichtig. Im Nabelschnurblut des kleinen Darius werden die Antikörper der Mutter gefunden. Der Nestschutz scheint zu funktionieren. Die Abstriche werden auf aktive Viren getestet.

"Beim Neugeborenen haben wir dann auch geschaut, ob das Virus nachweisbar ist. Das war nicht der Fall, das hatte sich also nicht infiziert."

Prof. Dr. med. Ulrike Protzer, Virologin, Klinikum rechts der Isar, TU München

Am nächsten Tag haben sich Nahal und Darius auf der Wöchnerinnenstation schon aneinander gewöhnt. Die Mutter ist sehr erleichtert, dass ihr Baby das Virus nicht abbekommen hat.

"Es ist ein gutes Gefühl, es fühlt sich richtig toll an!"

Nahal Weber


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