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Verunsicherung bei Lungenkranken Coronavirus: Asthmatiker sollen Therapie nicht umstellen

Das neuartige Coronavirus verunsichert die Menschen. Auch Patienten mit einer Lungenvorschädigung wie Asthma oder COPD wissen nicht genau, wie sie sich richtig verhalten sollen. Ärzte sagen: Gut eingestellte Asthmatiker haben kein erhöhtes Risiko. Dennoch ist Vorsicht geboten.

Von: Veronika Scheidl

Stand: 24.03.2020

Rita Werner aus Erding steht am Fenster ihrer Wohnung im fünften Stock. Von hier aus beobachtet sie die wenigen Autos und Menschen, die vorbeikommen – aus sicherer Entfernung. Besuch lässt sie keinen mehr herein, selbst die Familie muss draußen bleiben. Denn die 68-Jährige hat COPD, eine schwere Lungenkrankheit. Sie ist Risikopatientin, Corona macht ihr Angst.

"Natürlich ist die Verunsicherung groß. Man weiß ein bisschen, wie man sich verhalten soll. Aber wie man sich richtig verhält, weiß man eben doch nicht. Wie Hände waschen, dass man sich unter Leuten nicht bewegen soll."

Rita Werner

Rita Werner lebt allein. Seit Wochen hat sie die Wohnung nicht mehr verlassen. Dabei sollte sie als COPD-Patientin regelmäßig Sport machen – am besten an der frischen Luft.

Menschenansammlungen meiden

Lungenfacharzt Dr. Frank Powitz aus München rät dazu, trotzdem ins Freie zu gehen.

"Die Infektionsgefahr im Freien ist sicherlich am geringsten, deswegen spricht nichts dagegen, raus zu gehen. Aber was nicht sinnvoll ist: In Läden zu gehen, wenn sie voll sind."

Dr. med Frank Powitz, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Elisenhof, München

Das heißt also gerade für Risikopatienten: Abstand halten, Menschenansammlungen vermeiden, stark auf Hygiene achten. Und am besten jemand Anderen zum Einkaufen schicken. So macht es auch Rita Werner: Ihre Tochter erledigt die Einkäufe für sie, stellt sie vor der Wohnungstür ab.

Asthma-Patienten sind verunsichert

In Frank Powitz' Praxis klingelt das Telefon ununterbrochen, täglich erreichen den Pneumologen unzählige E-Mails. Die Patienten sind wegen Corona verunsichert.

"Klassische Anfragen sind: Was mache ich jetzt mit meinem Asthma, soll ich die Therapie umstellen? Kann ich noch mein inhalatives Cortison-Spray nehmen, muss ich es absetzen?"

Dr. med Frank Powitz, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Elisenhof, München

Für Asthma-Patienten gelte wie für jeden anderen Menschen auch: Abstand halten, Menschenmengen meiden, regelmäßiges und langes Händewaschen. Powitz sieht für medikamentös gut eingestellte Asthmatiker kein erhöhtes Risiko wegen Corona. Der Lungenfacharzt rät dringend davon ab, an der Therapie etwas zu ändern. So sieht es auch Prof. Michael Pfeifer, Chefarzt der Pneumologie an der Klinik Donaustauf bei Regensburg.

"Grundsätzlich ist eine inhalative Cortison-Therapie bei Asthma-Patienten weiterhin die Basis jeder Behandlung. Sie sollte in keinem Fall, auch nicht in der jetzigen Phase, abgesetzt oder umgestellt werden."

Prof. Dr. med Michael Pfeifer, Chefarzt am Zentrum für Pneumologie, psychosomatische Medizin, Psychotherapie und zertifiziertes Weaningzentrum, Klinik Donaustauf bei Regensburg

Ansonsten könne das Risiko von schwerwiegenden Infektionen steigen, warnt Pfeifer. Der Verlauf einer möglichen aktuellen Corona-Infektion würde womöglich ungünstiger verlaufen.

Pneumokokken-Impfung sinnvoll

Das Gesundheitsministerium rät Menschen im Alten von mehr als 60 Jahren und Risikopatienten mit einer Vorerkrankung wegen des Coronavirus zu einer Pneumokokken-Impfung. Die Nachfrage nach der Impfung ist groß, der Impfstoff mittlerweile rar. Pneumokokken sind Bakterien, die eine Lungenentzündung verursachen.

Die Impfung hilft nicht gegen das Corona-Virus selbst, hat aber dennoch ihren Sinn in der aktuellen Krise, wie der Augsburger Allgemeinarzt Dr. Markus Beck erklärt.

"Wenn eine Viruserkrankung vorliegt, kann sich jederzeit eine bakterielle Lungenerkrankung auf die geschädigte Lunge, die geschädigten Atemwege draufsetzen."

Dr. med Markus Beck, Facharzt für Allgemeinmedizin, Augsburg

Das könne den Krankheitsverlauf wesentlich verschlechtern. Beck empfiehlt deswegen seinen Patienten eine Pneumokokken-Impfung. Er hat noch ein paar Vorräte übrig, aber auch diese werden bald aufgebraucht sein.


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