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Coronavirus in Bayern Leben nach dem Lockdown

Bayern nach den Lockerungen: Wie gehen die Menschen damit um? Wann wird aus Lockerheit Leichtsinn? Und welche Besuchsregeln gelten in den Kliniken?

Von: Florian Heinhold

Stand: 19.05.2020

Bayerns Biergärten sind wieder geöffnet. Doch wie klappt es mit der Disziplin beim Abstandhalten? Reporterin Veronika Keller schaut sich um. In der Wirtschaft Emmeramsmühle ist schon am Morgen viel los. Nach harten Lockdown-Wochen wollen alle die erste Halbe im Freien genießen. Aber ganz so wie früher ist die Lage nicht. Über allem schwebt die Sorge vor neuen Infektionen

Weniger Tische wegen Mindestabstand

Für die Wiedereröffnung seines Lokals muss Wirt Karl-Heinz Zacher umdenken: Um den Mindestabstand einzuhalten, muss er viele Tische entfernen.

"Es wird sehr, sehr luftig in den Biergärten. Vielleicht findet wieder der eine oder andere Bierbauch den Weg zu uns, den müssen wir natürlich auch einkalkulieren. Das heißt, wir brauchen nicht nur 1,50m sondern 1,80m. Oder wenn zwei Bierbäuche dasitzen, wahrscheinlich sogar noch mehr."

Karl-Heinz Zacher, Wirt

Halten sich die Leute an die Regeln?

Demonstration in München

Der Biergarten macht den Anfang, drinnen wird erst nächste Woche aufgemacht. Angesichts der Demonstrationen in den vergangenen Tagen herrscht Bangen, ob sich die Gäste an alle Regeln halten.

"Was uns natürlich die größte Sorge macht, ist, dass es so eine Art Widerstand gibt. Das raubt uns dann auch die Energie. Da hat man schon ein bisschen Bammel."

Karl-Heinz Zacher, Wirt

Hinweisschilder gibt es überall. Und auch Handhygiene ist mittlerweile selbstverständlich. Doch eine Regel sorgt für Diskussionen: Namen und Adressen der Gäste müssen aufgenommen werden, damit mögliche Infektionen nachverfolgt werden können.

Wie geht es Bayerns Familien mit den Lockerungen?

Familie Dorfner hat der Lockdown in den letzten Wochen hart getroffen: vier Schulkinder, vier Mal Homeschooling. Das hieß: Stress und jede Menge Trubel daheim, ohne Kinderbetreuung und ohne Hilfe von Freunden oder Verwandten.

Bei Familie Dorfner gibt es zwei Omas. Für eine ist Corona wegen Vorerkrankungen ein besonderes Risiko. Deshalb wird sie nicht besucht, sondern nur angerufen. Trotz der Lockerungen. Carlotta hat bald Geburtstag und hofft, dass es zumindest dann ein Wiedersehen gibt.

Die andere Oma ist etwas jünger und weniger gefährdet. Deswegen gibt es jetzt ein Wiedersehen. Die Begrüßung ist noch gewöhnungsbedürftig. Denn trotz allem halten sich die Dorfners an die Abstands-Regeln. Hauptsache: Wiedersehen.  

Wie sieht es im Krankenhaus aus?

Doch nicht jeder kann jetzt seine Liebsten sehen – so wie einige Patienten in Bayerns Krankenhäusern. Wie groß ist dort die Sorge vor der zweiten Coronavirus-Welle?

Internist und Kardiologe Prof. Stefan Kääb nimmt Reporterin Veronika Keller mit auf die Station. Auf dem Weg sieht man: Auch im Klinikum Großhadern herrscht wieder mehr Besuchertreiben. Die Läden sind geöffnet, das strenge Besuchsverbot ist gelockert. Zumindest auf den Normalstationen.

Dort trifft Veronika Keller auf Maria. Sie hatte Covid-19 und blickt auf bange Wochen zurück: wochenlang Koma, Beatmung, ihr Leben auf Messers Schneide.

"Es ging dann sehr schnell von der Notaufnahme auf die Intensivstation, weil sie direkt beatmet werden musste."

Prof. Dr. med. Stefan Kääb, Kardiologe, Klinikum Großhadern

Für Maria eine Zeit der Angst. Jetzt geht es ihr besser. Gerade durfte zum ersten Mal ihr Mann zu Besuch kommen.

"Es ist alles gut, ich bin wieder da, er ist da. Ich bin sehr glücklich. Sehr glücklich, hier zu sein."

Maria, Covid-19-Patientin

Weiter Besuchsverbot auf der Covid-19-Station

Aber nicht überall in der Klinik dürfen Angehörige zu Besuch kommen. Auf der Corona-Station herrscht noch striktes Besuchsverbot.

Ein Patient aus Rosenheim hing am Beatmungsgerät. Jetzt ist er zurück im Leben, trägt aber noch immer das Virus in sich. Auch sein Vater ist erkrankt. Er liegt auf der Intensivstation.

Während der Patient hofft, bald wieder gesund zu sein, vermisst er seine Frau sehr.

"Für sie ist es ja auch eine schlimme Zeit. Meine Frau ist meine Frau. Und wenn ich nochmal geboren würde, und sie wäre auch auf der Welt, dann würde ich sie nochmal heiraten."

Covid-19-Patient

Kontakt per Tablet

Die Ärzte und Pfleger hier haben ihm ein Tablet besorgt. So kann er seine Frau wenigstens per Videotelefonie sehen. Ein Hoffnungsschimmer nach einer langen Leidensgeschichte.

"Das ist herrlich. Lieber so. Bevor sich dann nochmal jemand ansteckt oder jemandem wegen mir was zustößt. Das würde ich nie mir verzeihen."

Patient

Ärzte: Sorge vor erneutem Ausbruch

Bei aller Freude über die Lockerungen im Alltag: Die Ärzte auf der Covid-19-Station werfen auch bange Blicke auf die neue Normalität im Land.

"Die Sorge ist, dass es unkalkuliert wieder mehr wird. Und deshalb sollen auch alle Leute diese Regeln weiter einhalten. Ich hoffe, dass das so möglich ist, dass es nicht zu einer weiteren Welle kommt."

Prof. Dr. med. Stefan Kääb, Kardiologe, Klinikum Großhadern

Lockerungen für Eltern und Jugendliche

Wie ist es den Kindern von Familie Dorfner so lange Zeit ohne Freunde ergangen? Carlotta vermisst ihre Clique. Im Lockdown konnte sie zwar mit ihrer Schwester spielen, aber Madita hat bereits ganz andere Interessen. Freunde sehen, das ging wochenlang nur übers Internet. Für Linus hieß das: Online-Computerspiele mit mehreren Spielern.

Auch die Mädchen haben über soziale Medien Kontakt gehalten und zum Beispiel gemeinsam mit Freundinnen Tanzchoreographien eingeübt. Jetzt darf man wieder eine Freundin oder einen Freund treffen. Es gibt also wieder erste vorsichtige gemeinsame Ausflüge. Und für die Jüngeren geht's auf den Spielplatz.


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