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Coronavirus SARS CoV-2 Reanimation und Erste Hilfe bei Covid-19

Zehntausende Menschen im Jahr erleiden in Deutschland einen Herzstillstand. Nur zehn Prozent der Betroffenen überleben den Vorfall. Es könnten mehr sein. Doch Angehörige oder Passanten trauen sich oft nicht, Erste Hilfe zu leisten. Mediziner befürchten, dass momentan noch weniger Menschen als sonst helfen könnten - aus Angst, sich bei der Wiederbelebung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 anzustecken.

Von: Susanne Kluge-Paustian

Stand: 13.07.2020

Bei einem Herzstillstand kann aber nur eine Herzdruckmassage die Überlebenschance erhöhen und bleibende Schäden am Gehirn verhindern.

Wenn das Herz stehen bleibt, sterben Gehirnzellen ab. Schon nach drei Minuten ohne Sauerstoff kann es zu bleibenden Schäden am Gehirn kommen. Bis ein Notarzt am Einsatzort eintrifft, dauert es im Durchschnitt rund acht Minuten. Deshalb ist es wichtig, die Herzdruckmassage sofort zu beginnen und so lange durchzuführen, bis der Notarzt kommt.

So funktioniert die Herzdruckmassage

Prüfen, rufen, drücken lautet die Erste-Hilfe-Regel bei einem Herzstillstand:

Prüfen: Reagiert die bewusstlos gewordene Person noch? Atmet sie? Um dabei kein unnötiges Infektionsrisiko einzugehen, beobachtet oder fühlt der Helfer, ob sich der Brustkorb des Betroffenen hebt und senkt. Ein Kontakt mit Mund und Nase des Betroffenen ist dabei nicht erforderlich.

Rufen: Wählen Sie den Notruf 112 oder bitten Sie jemanden, das zu tun.

Drücken: Legen Sie eine Hand auf die Mitte des Brustkorbs zwischen die Brustwarzen. Legen Sie die andere Hand darüber und verschränken Sie beide Hände. Dann fangen Sie an zu drücken - mindestens fünf Zentimeter tief, kräftig und mindestens 100 Mal pro Minute in einem gleichmäßigen Rhythmus, etwa im Takt des Disco-Songs "Stayin' Alive" von den Bee Gees.

Beatmung nicht empfohlen

Herzdruckmassage

Eine Beatmung ist bei der Wiederbelebung zweitrangig und wird während der Corona-Pandemie nicht empfohlen. Wichtig ist, dass der im Blut vorhandene Sauerstoff durch eine Herzdruckmassage ins Gehirn gelangt, um dieses bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Sauerstoff zu versorgen. Dabei ist keine Entstehung infektiöser Aerosole zu erwarten, die zu einer Ansteckungsgefahr führen könnten.

Wer sich optimal schützen möchte, kann während der Wiederbelebung seine Maske tragen und dem Bewusstlosen ein leichtes Tuch über den Mund legen.

Herzdruckmassage bis der Rettungsdienst kommt

Eine Herzdruckmassage gelingt auch Ungeübten: Wer zu fest drückt, kann dem Betroffenen zwar die Rippen brechen, doch die heilen wieder. Wichtig ist es, nicht aufzuhören, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wer unsicher ist, erhält direkt beim Notruf telefonische Unterstützung bei der Ersten Hilfe.

Erste-Hilfe-Kurs alle fünf Jahre

Bei den meisten Menschen liegt ein Erste-Hilfe-Kurs schon lange zurück. Empfohlen wird jedoch eine Auffrischung alle fünf Jahre. Zahlreiche Anbieter wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter, der Malteser Hilfsdienst und der Arbeiter-Samariter-Bund bieten Wiederholungskurse an. Ein Erste-Hilfe-Kurs dauert in der Regel einen Tag.

Ersthelfer: Per App alarmiert

In vielen deutschen Städten arbeiten die Rettungsdienste zusätzlich mit Apps, die Ersthelfer möglichst schnell zu Menschen in Not leiten sollen. Registrieren können sich Menschen mit medizinischer Ausbildung. Geht in der Leitstelle ein Notruf ein und handelt es sich vermutlich um einen Herzstillstand, werden registrierte Ersthelfer in der Nähe alarmiert. Diese sind im Idealfall vor dem Rettungswagen zur Stelle und können mit der Herzdruckmassage beginnen.

Das System befindet sich noch im Aufbau. Doch zum Beispiel in Lübeck waren schon in zehn Prozent aller Fälle mobile Ersthelfer vor den Rettungssanitätern vor Ort.


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