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Zahnarzt-Termin in Corona-Zeiten Risikomangement in Zahnarzt-Praxen

Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern? Tröpfchen vermeiden, da in ihnen das Coronavirus steckt? Für Zahnärzte sind diese Regeln schlicht und ergreifend nicht einzuhalten. Mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen und einigen Umstellungen laufen die Behandlungen in den bayerischen Zahnarztpraxen jetzt aber langsam wieder an.

Von: Julia Grantner

Stand: 04.05.2020

In den vergangenen zwei Monaten war das Wartezimmer von Dr. Harald von Knoerzer in Bad Reichenhall meist leer. Am Telefon waren wenn dann Patienten, die ihre Termine nach hinten verschoben oder ganz absagten. Für den Zahnarzt war schnell klar – er muss seine Arbeitsweise anpassen. Das fing schon bei der einfachen Zahnreinigung an, bei der es normal ordentlich spritzt.

"Wir haben normalerweise Ultraschallgeräte, wir haben Pulverstrahlgeräte, mit denen man die Oberflächen saubermacht und die Verfärbungen wegnimmt. Das ist im Moment ein No-Go."

Dr. med. dent. Harald von Knoerzer, Zahnarzt, Bad Reichenhall

Masken waren anfangs für Zahnärzte schwer zu bekommen

FFP2-Masken

Das größte Problem bei der zahnärztlichen Behandlung sind die sogenannten Aerosole, feine Sprühnebel. Über sie könnte sich der Erreger von einem Corona infizierten Patienten her ausbreiten und vom Behandlungsteam eingeatmet werden. Teils kann man sie vermeiden. Falls nicht, ist das Wichtigste die passende Schutzausrüstung. Doch Masken, die effektiv schützen wie FFP2- oder FFP 3-Masken waren zu Beginn der Pandemie kaum zu bekommen.

"Man hat alles angerufen, Lackierer, andere Handwerker, Spengler, wo man gesagt hat, die haben solche Masken. Da wurde man teilweise auch fündig, aber Neubestellungen – ganz schwierig!"

Dr. med. dent. Harald von Knoerzer, Zahnarzt, Bad Reichenhall

Und selbst der einfache Mund-Nasen-Schutz war teilweise ausverkauft. Doch ohne diesen dürfen Zahnärzte laut den Vorschriften des Robert-Koch-Institutes überhaupt nicht arbeiten.

300 Zahnarztpraxen mussten vorübergehend schließen

Leere Zahnarzt-Praxis

In Bayern gibt es rund 8.000 Zahnarztpraxen. Weil die nötige Schutzausrüstung fehlte, mussten laut Kassenzahnärztlicher Vereinigung knapp 300 vorübergehend den Betrieb einstellen.

Dr. Harald von Knoerzer hatte zwar geöffnet, aber nur für akute Schmerzfälle. Momentan arbeitet er circa 50 Prozent. Mit einem neuen Sicherheitskonzept wird der Betrieb jetzt wieder hochgefahren: Am Empfang die mittlerweile übliche Plexiglasscheibe, behandelt wird nur nach telefonischer Voranmeldung und Abfrage des Gesundheitszustands. Die größte Angst bleibt aber: dass ein noch symptomfreier, aber ansteckender Patient auf dem Behandlungsstuhl sitzt.

"Wir haben langsam laufende Geräte, wir können die Zahnreinigung auch mit der Hand machen. Das dauert natürlich ein wenig länger. Aber dass wir generell sagen müssen, wir können nicht behandeln, das ist nicht so. Wir müssen halt umstellen."

Dr. med. dent. Harald von Knoerzer, Zahnarzt, Bad Reichenhall

Zahnarzt-Praxis für Corona-Patienten

In der Corona-Schwerpunktpraxis in Altötting

Dass auf ihrem Behandlungsstuhl infizierte Personen sitzen, das wissen die Zahnärzte, die in der zahnmedizinischen Corona-Schwerpunktpraxis in Altötting Dienst tun. Vor einem Monat beschließt der Landkreis Altötting, dass es eine einheitliche Regelung für die zahnärztliche Versorgung von Corona-Patienten geben muss. Denn schließlich ist nicht jeder Zahnarzt dafür gut genug ausgerüstet.

Zehn Zahnärzte leisten hier abwechselnd Notdienst. Heute ist Dr. Guido Loibl an der Reihe, der sich gerade in einen blauen Schutzoverall hüllt, FFP2-Maske und Schutzschild aufsetzt und Einmalhandschuhe anzieht. So ausgerüstet geht es für ihn in den Behandlungsraum, um der Patientin zu helfen, ohne sich selbst zu gefährden.   

"Bis das mal gelaufen ist, war es echt ein großer Aufwand. Ich glaube, das ist eine optimale Lösung. Ich bin froh, aber auch alle Kollegen sind froh, weil sie in die eigene Praxis nicht die Corona-positiven Patienten bekommen. Auch damit die keinen Kontakt haben mit normalen Patienten. Und die Patienten sind auch froh, denn dann wissen sie, hier werden sie gut versorgt."

Dr. med. dent. Guido Loibl, Zahnarzt, Altötting  

Desinfektion nach jeder Behandlung

Behandelt werden hier nur akute Schmerzfälle. Infizierte Patienten mit leichten Beschwerden müssen warten bis sie wieder gesund sind. Doch mit schlimmen Zahnschmerzen werden selbstverständlich auch infizierte Patienten behandelt. Über ihren Zahnarzt werden Corona-positive Patienten hierher verwiesen, um unter den dafür nötigen Schutzmaßnahmen behandelt zu werden.

"Natürlich schwingt unterbewusst ein wenig Angst mit. Aber wir sind top geschützt, besser geht es nicht. Da machen wir uns nicht so viele Gedanken."

Dr. med. dent. Guido Loibl, Zahnarzt, Altötting  

Desinfektion nach jeder Behandlung

Nach der Behandlung kommt jedes Mal ein für 10.000 Euro vom Landkreis angeschafftes Gerät zum Einsatz. Es desinfiziert den gesamten Raum, so dass sicher ist, dass auch der nächste Einsatz hier ohne Gefahr für die Ärzte stattfinden kann.

Und auch in den anderen Zahnarztpraxen ist die Hygiene noch wichtiger geworden als sie es vor Corona schon war. In der Praxis von Dr. Harald von Knoerzer wird mittlerweile nach jedem Patienten mit Desinfektionsmittel gewischt. Der Boden wird desinfiziert, was sonst in einer Zahnarztpraxis nicht notwendig war. „Es wurde überall noch eins draufgesetzt“, betont Dr. von Knoerzer. Aber so können nun alle Patienten nach und nach wieder beruhigt zum Zahnarzt gehen und die Ärzte wieder für ihre Patienten da sein.


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