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Corona-Pandemie Wie sieht der neue Alltag aus?

Alle sehnen sich nach Normalität. Doch unser Alltag sieht ganz anders aus, als noch vor drei Monaten. Wie kommen die Menschen in Bayern damit zurecht? "Gesundheit!"-Reporter Fero Andersen fragt nach: Haben sich die Konsumgewohnheiten geändert? Ernähren sich die Menschen ungesünder als vor der Krise? Wie wirkt sich die mangelnde Bewegung aus? Werden wir allmählich nachlässig in puncto Sicherheitsabstand?

Von: Florian Heinhold

Stand: 04.05.2020

"Die Menschen atmen ein Stück weit auf. Sie gehen einkaufen und sogar die Friseure haben wieder geöffnet. Gleichzeitig müssen wir uns Gedanken machen: Wie weit dürfen wir gehen, um nicht die Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Vor allem dann, wenn es um unsere Kinder geht."

Fero Andersen, Reporter

Wie gefährlich ist das Coronavirus für Kinder?

Kind vor einem abgesperrten Spielplatz

Familien mit Kindern sind ganz besonders vom Lockdown betroffen: : geschlossenen Kitas und Schulen, kaum Angebote für die Kleinen, Distanz zu Oma und Opa weil sie zur Risikogruppe gehören. Jetzt sind also Spielplätze offen und die Kinderbetreuung wird langsam hochgefahren. Doch bis zu diesen Lockerungen lagen vielen Eltern die Nerven blank.

Doch ist das Coronavirus wirklich ungefährlich für Kinder? Eine Nachricht, die gerade für Schlagzeilen sorgt: Kinder sind wohl genauso infektiös wie Erwachsene. Sie können das Virus möglicherweise genauso übertragen. Darauf deuten neue Studien hin.

Herz-OP lange verschoben

Auf den Kinderstationen des Klinikums Großhadern trifft man aber auch Eltern, die sich um ihre Kleinen selbst Sorgen machen. Wie Familie Kawalek. Die Söhne sind schon erwachsen, die Tochter hat einen angeborenen Herzfehler.

"Wir haben unseren Söhnen gesagt: Wenn sie das Haus verlassen, dann müssen sie draußen bleiben. Weil wir wirklich Angst hatten, dass sich unsere Tochter ansteckt. Und man weiß ja nicht, was dann alles passiert."

Petra und Klaus Kawalek

Gerade hat ihre Tochter Kerstin eine neue Herzklappe bekommen. Wegen des Coronavirus musste die OP - wie viele andere - zunächst verschoben worden. Eine Belastung.

"Weil sie daheim so erschöpft war. Ständig war ihr schlecht oder schwindelig, sie hatte Kopfschmerzen. Ihr Zustand ist immer schlechter geworden."

Petra Kawalek

"Auf der einen Seite wollten wir die Patientin schützen. Weil sie eine Hochrisikopatientin für eine Covid-19 Erkrankung ist. Auf der anderen Seite stand die Frage: Wie lange kann ich denn hier noch warten?"

Dr. med. André Jakob, Kinderkardiologe, Klinikum Großhadern

Jetzt geht es Kerstin schon viel besser, die ganze Familie ist optimistisch.

Das Kawasaki-Syndrom

Aktuell bereiten Meldungen aus den USA Sorge:Das seltene Kawasaki-Syndrom könnte bei Corona-positiven Kindern gehäuft auftreten. In New York gibt es rund 80 Fälle, drei Kinder sind dort gestorben. Dr. Andre Jakob ist einer der wenigen Spezialisten für die Entzündungskrankheit, die oft die Herzkranzgefäße betrifft.

"Bei diesen Kindern können die Gefäße aufgehen wie ein Hefekuchen. Sie kriegen sogenannte Aneurysmen dieser Herzkranzgefäße, was im schlimmsten Falle einen Verschluss dieser Gefäße bedeuten kann. Und dann haben diese Kinder auch schon im frühen Alter einen schweren Herzinfarkt. Kawaski-Fälle gab es immer, die wird es auch immer geben. Aber plötzlich haben wir ein Cluster, das heißt mehrere Fälle auf engem Raum. Da wird man hellhörig."

Dr. med. André Jakob, Kinderkardiologe, Klinikum Großhadern

Es braucht noch viel Forschung, um einen Zusammenhang sicher auszuschließen oder zu bestätigen. Das Kawasaki-Syndrom betrifft aber nur sehr wenige Kinder.

Gesund essen in der Coronakrise

Familie Römer

Schulöffnungen könnten für die Verbreitung des Virus dagegen einen großen Effekt haben. Bei Familie Römer finden alle Malzeiten jetzt zu Hause statt – statt wie früher in der Arbeit, Schule oder Kita. Darum heißt es beim Einkauf: Lieber klotzen statt kleckern. Die Familie kauft ihre Lebensmittel am liebsten frisch und regional – auf dem Wochenmarkt.

Aber ist nur frisch auch wirklich gesund? Was, wenn man etwas Haltbares für die Vorratskammer möchte? Sind Konserven immer gleich schlecht? Ernährungsexpertin Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern nimmt uns mit in den Supermarkt.

Gesunde Konserven?

"Die Tomatendose ist ein tolles Beispiel. Da liefert die Dose sogar mehr Inhaltsstoffe, als frische Tomaten. Lykopin gilt als krebsvorbeugend. Es ist verstärkt in diesen verarbeiteten Produkten drin."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Auch Fisch aus der Konserve kann guten Seiten haben.

"Ich habe hier wahnsinnig viele Omega-3-Fettsäuren. Und ich habe ein nachhaltiges Produkt, weil der Hering nicht überfischt ist."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Tiefkühlgemüse hat oft besonders viele Vitamine. Manches Einweckglas wird dagegen zur Zuckerfalle, wie zum Beispiel Rotkohl mit über 50 Gramm Zucker pro Glas, das entspricht 20 Stücken Würfelzucker.

Abnehmen in der Coronakrise

In der Krise steigt auch der Umsatz von Alkohol – und von Dickmachern wie Süßigkeiten und Chips. Doch wie kann man auch im Lockdown die Figur schonen? Für viele Menschen sind einige Kilos zu viel ein unangenehmer Nebeneffekt der Pandemie. Auch für Martin Kandlbinder aus Ponholz bei Regensburg.

Vor zwei Jahren wollte er mit ärztlicher Betreuung abnehmen, unter 100 Kilo war das Ziel. Heute ist er bei über 130 Kilo.

"Abnehmen war vorher schon schwierig. Jetzt ist es noch viel schwieriger, weil die Nerven dazu kommen. Diese Ungewissheit: Kann man das alles finanziell stemmen? Was kommt danach? Und wenn man nervlich angespannt ist, dann geht das Abnehmen auch nicht so einfach."

Martin Kandlbinder, Gastronom

Was Martin Sorgen bereitet: Seine Wirtschaft ist seit Wochen geschlossen. Zwar kann er sich mit „Essen to go“ ein bisschen über Wasser halten, aber der Großteil des Geschäfts ist wegen des Coronavirus über Nacht weggebrochen. In solch einer Situation verfällt man leicht in schlechte Essgewohnheiten. Ab nächster Woche darf die „Einkehr zur alten Post“ wieder aufmachen – zunächst nur draußen. Hoffnung, die Verluste wieder reinzuholen hat er aber kaum.

"Nachholen können wir das nicht, wir haben kein Nachholgeschäft. Es kommt ja kein Gast und sagt: Ich esse jetzt fünf Rinderfiletsteaks, weil ich jetzt fünf Wochen nicht da war."

Martin Kandelbinder

Halten sich die Menschen an die Abstandsregeln?

Doch wie sieht es eigentlich mit den Abstandsregeln im Alltag aus? Reporter Fero Andersen sieht sich in den Warteschlangen um und stellt fest: Es ist viel los, doch die meisten Menschen sind diszipliniert und geben sich Mühe mit den Regeln.

Am Wochenende sah es in München aber leider ganz anders aus: Es gab eine Demo bei der sämtliche Infektionsschutzmaßnahmen missachtet wurden. In Zukunft soll so etwas unterbunden werden. In den vergangenen Wochen war die Polizei nur mit wenigen krassen Verstößen konfrontiert  – sie soll jetzt ja die Regeln durchsetzen.

"Tatsächlich ist unsere Erfahrung eine gute. Die Bevölkerung hat sich mittlerweile darauf eingestellt. Wo keine Einsicht ist oder wo wir einen Wiederholungsfall vorliegen haben oder das Vergehen besonders krass ist, müssen wir aber den Verwarnungsblock zücken und eine Anzeige schreiben."

Damian Kania, Pressesprecher, Polizeipräsidium München

Corona und der Alltag in Bayern - Fero Andersens Fazit:

"Es gibt viele Menschen, die haben Probleme und machen sich große Sorgen. Aber es gibt auch viele andere, die blicken positiv in die Zukunft und haben gelernt, mit der neuen Normalität umzugehen. Und diese Masken, die werden wir auch noch irgendwann wieder los."

Fero Andersen, Reporter


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