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Coronavirus in Bayern Wie sich der Freistaat wappnet

Das Coronavirus hält Europa in Atem, und auch in Bayern steigt die Zahl der Infizierten. Das Ziel von Medizinern und Behörden ist nun, die Ausbreitung einzudämmen und Erkrankte gut zu versorgen. Die Arbeit daran läuft auf Hochtouren.

Von: Veronika Keller

Stand: 02.03.2020 12:02 Uhr

Am Uniklinikum Regensburg scheint es noch ruhig, doch die Task Force Pandemie rechnet damit, dass Corona das bald ändern könnte. Für diesen Fall will das Klinikpersonal gut vorbereitet sein.

"Das Wichtigste ist tatsächlich, dass wir dafür sorgen, dass, wenn ein Organ ausfällt, zum Beispiel die Lunge, dass wir das dann vernünftig überbrücken können."

Prof. Dr. med. Bernd Salzberger, Infektiologe, Universitätsklinikum Regensburg

Klinik wappnet sich für viele Fälle

Um das zu gewährleisten, würde das Krankenhaus im Fall der Fälle Platz schaffen, eventuell für viele Menschen, die isoliert werden müssen. Denn eine Isolierstation gibt es dort nicht.

"Wir würden dann vermutlich eine Station schließen. Wir würden diese Station dann auch mit einer Schleuse versehen. Das kann man baulich relativ einfach machen, das geht schnell. Und dann würden wir die Patienten dort versorgen."

Prof. Dr. med. Bernd Salzberger, Infektiologe, Universitätsklinikum Regensburg

Neuer Virus-Test

Bisheriger Test auf das Coronavirus: der Nasenabstrich

Auch die Abteilung Virologie am Uniklinikum Regensburg bereitet sich auf große Corona-Fallzahlen vor. Noch hat Prof. Jürgen Wenzel Zeit, verschiedene Formen des Virus-Tests persönlich auszuprobieren. Bisher wurde meist mit einem Nasenabstrich getestet, doch jetzt hat die Klinik etwas Neues: ein Röhrchen mit Flüssigkeit, mit der Patienten gurgeln.

"Nach dem Gurgeln gibt man die Flüssigkeit zurück ins Röhrchen, und wenn der Patient infiziert ist, können wir das Virus daraus nachweisen. Für den Patienten ist das die angenehmere Variante als der Abstrich."

Prof. Dr.med. Jürgen Wenzel, Virologe, Universitätsklinikum Regensburg

Auch für das Klinikpersonal wäre das Gurgeln die sicherere Methode, denn sie könnte in einem abgeschlossenen Raum ohne Pfleger oder Ärzte stattfinden. Patienten würden lediglich das wieder verschlossene Röhrchen abgeben.

"Wenn diese Infektion häufiger auftritt, dann werden wir, glaube ich, häufiger zu dieser Methode greifen."

Prof. Dr. med. Bernd Salzberger, Infektiologe, Universitätsklinikum Regensburg

Bis zu 60 Tests pro Tag möglich

Im Labor wird aus diesem Spülwasser oder dem Nasenabstrich die DNA isoliert, mit Hilfe derer sich dann die Corona-Viren nachweisen lassen. Bei hohem Aufkommen könnte das Laborteam von Prof. Wenzel bis zu 60 Tests am Tag bewältigen.

Zu wenig Pflegepersonal

Auch Prof. Ulrike Protzer von der TU München stellt sich auf mehr Corona-Tests in der nächsten Zeit ein. Mit einer Ausbreitung des Virus sieht die Virologin vor allem auf das Klinikpersonal eine große Herausforderung zukommen.

"Wir können auch jetzt schon nicht alle internistischen Betten, die ja für die Versorgung von Infektionspatienten zuständig wären, überhaupt in Betrieb nehmen, weil wir einfach nicht genügend Pflegepersonal haben. Das trifft uns jedes Jahr in der Influenza-Saison, und die läuft ja gerade. Wir hoffen, dass jetzt nicht beide Probleme gleichzeitig auf uns zukommen."

Prof. Dr. med. Ulrike Protzer, Virologin, Technische Universität München

Abstand halten, Hände gründlich waschen

Um in dieser Phase gesund zu bleiben, gelten simple Umgangsregeln für den Alltag. Auch wenn man sie schon oft gehört hat: wirkungsvollen Schutz vor einer Infektion bieten tatsächlich die einfachen Maßnahmen:

"Zwei Meter Abstand schützen einen schon sehr zuverlässig, ein Meter Abstand ist so das Mindeste, was man halten sollte. Regelmäßiges Händewaschen ist auch wichtig. Das Virus ist empfindlich gegen Seife, insofern ist das eine Maßnahme, die sehr viel nutzt."

Prof. Dr. med. Ulrike Protzer, Virologin, Technische Universität München

Hausarztpraxen bereiten sich vor

Auch Hausärzte sind besonders wachsam. In der Bereitschaftspraxis München Süd müssen sich Patienten am Eingang die Hände desinfizieren und bekommen Fieber gemessen. Anhand von Fragen werden sie in Gruppen unterteilt. Abgefragt werden zum Beispiel Erkältungssymptome und Reisen in Risikogebiete in den letzten 14 Tagen. Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, werden die Patienten isoliert oder nicht.

Um gewappnet zu sein, haben Allgemeinmediziner Dr. Robert Janson-Müller und seine Kollegen einen Raum freigemacht und zum Isolierzimmer erklärt. Hier würde das Team dringende Verdachtspatienten auf Corona testen. Das müsste das Personal in besonderer Schutzkleidung tun.

"Wir haben speziell abgepackte Sets mit Kitteln, Desinfektionsmitteln und Schutzmasken, allerdings sind die im Augenblick sehr rar. Wir haben nachbestellt, aber es gibt große Lieferengpässe."

Dr.med. Robert Janson-Müller, Allgemeinmediziner, München

Mangel an Schutzkleidung

Auch beim Bayerischen Roten Kreuz ist zu spüren, dass der Markt leergekauft ist. Momentan reicht der Vorrat an Mundschutz-Masken aber noch, um die Rettungswagen zu bestücken.

"Was nicht passieren darf, ist, dass die Bevölkerung auf diese Schutzkleidung jetzt vermehrt zugreift und so genannte Hamsterkäufe ausführt, weil die dann den Profis nicht mehr zu Verfügung stehen."

Dennis Behrendt, Leiter Rettungsdienst, BRK Dachau

Den Umgang mit infektiösen Patienten sind die Retter gewöhnt. Um sich und andere bei Corona-Verdachtsfällen richtig zu schützen haben sie genaue Vorschriften bekommen. Damit fühlen sie sich gut gewappnet.


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