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Corona, Urlaub, Bayern Berge und Seen: sicheres Freizeitvergnügen?

Bayern lockert sich – und drängt in die Ausflugsziele. Reporterin Veronika Keller schaut sich in den Wanderregionen, Berghütten und an den Badeorten im Freistaat um. Aber: Wieviel Lockerung tut uns gut ab wann wird es kritisch und wo lauern Infektionsrisiken?

Von: Veronika Keller, Florian Heinhold

Stand: 24.05.2020

Das warme Wetter lockt viele nach draußen – zum Beispiel an den Badesee. Aber: Was kann man während der Pandemie eigentlich in der Freizeit und in den Ferien machen? Und wie sieht es dann mit dem Infektionsschutz aus? Am Simssee im Landkreis Rosenheim war am verlängerten Feiertagswochenende schon eine Menge los. Alle drängte es nach dem Lockdown ins Freie, denn die Badesaison beginnt, zumindest für einige. Aber: Wie sicher ist eigentlich das Wasser selbst? Kann man sich beim Baden anstecken?

Im Labor am Klinikum rechts der Isar: Wenn Forscher die Wasserqualität von Badeseen testen, suchen sie erstmal nach sogenannten Indikatorkeimen. Die zeigen an, ob eine grundsätzliche Verunreinigung des Wassers vorliegt. Erst im Verdachtsfall wird auf spezielle Viren und Bakterien getestet.

"Das kann man sich vorstellen, dass Virus von einer infizierten Person ins Wasser gelangt. Man nimmt ja Wasser auf beim Schwimmen, das heißt, das Wasser kann durchaus mit Viren kontaminiert sein. Aber es ist dadurch, dass es ein behülltes Virus ist, im Vergleich zu Durchfallerregern, Noroviren, wesentlich weniger überlebensfähig."

Dr. med. Friedemann Gebhardt, Krankenhaushygieniker, Klinikum rechts der Isar, TU München

Wasser sauber, aber Abstand halten

Proben werden mit speziellem Equipment entnommen. Dazu muss das Wasser zunächst durch einen Spezialfilter laufen. Dann wird der Filter entnommen und unter perfekten Keimbedingungen in einen Brutschrank gelegt.  Das Ergebnis: Indikatorkeime sind durchaus vorhanden. Doch der Toleranzbereich beim Grenzwert ist hoch. Auch bei einwandfreiem Wasser dürfen Keime enthalten sein. Gefahr droht eher durch die Mitbadenden. Überhaupt glaubt Dr. Gebhardt, dass man sich eher vor den Mitbadenden als vor dem Wasser in Acht nehmen sollte.

"Wenn Sie zu nah an möglicherweise infizierten Personen sind, wenn Sie den Mindestabstand nicht einhalten können. Auf der Liegewiese, in der Kioskwarteschlange, das wären Situationen, wo eine mögliche Exposition stattfinden könnte."

Dr. med. Friedemann Gebhardt, Krankenhaushygieniker, Klinikum rechts der Isar, TU München

Deswegen sind auch die Freibäder in Bayern noch zu. Im Wasser hätte das Coronavirus bei all dem Chlor keine Chance. Aber drumherum eben schon.

Wasserwacht: Retten und Abstand halten?

Besonders schwierig ist das mit dem Abstand halten für die Retter. Das gilt auf dem Wasser genauso wie an Land. Die Wasserwacht Rosenheim bereitet sich auf einen schwierigen Sommer vor. Wenn Schwimmer und Wassersportler in Not geraten, müssen sie zur Stelle sein. Retten ohne Berührung ist ein Problem.

"Man versucht dann einfach möglichst kontaktlos zu retten, dass man eine Rettungsboje zuwirft oder andere schwimmenden Gegenstände."

Stephan Braun, Wasserwacht Rosenheim

Im Ernstfall muss aber mit direktem Körperkontakt gerettet werden. Deshalb ist auch die Wasserwacht auf die Vernunft der Menschen angewiesen.

"Der Appell an die Badegäste ist: Bitte haltet den Abstand ein. Wer sich nicht gut und gesund fühlt, sollte bitte daheimbleiben. Wir müssen schauen, dass keine zweite Welle kommt."

Stephan Braun, Wasserwacht Rosenheim:

Ausflugsziel Berghütten: Risiko durch Corona?

Aber nicht nur an die Badeseen, auch in die Berge zieht es die Menschen jetzt wieder. Wie steht es da um das Ansteckungsrisiko, gerade in den Hütten? Und bei schönem Wetter geht es da gerade ganz schön zu, wie zum Beispiel rund um den Spitzing-See. Lungenfacharzt Prof. Rainald Fischer ist selbst begeisterter Bergsportler. Sind die Berge ein Ort, an dem man vor Corona sicher ist, oder muss man auch da vorsichtig sein?

"Das Bergsteigen, das Bergwandern ist völlig unkritisch. Ich glaube, wir haben in der Regel alle so viel Abstand, der Wind bläst – also ich sehe keine Gefahr, dass wir uns beim Bergsteigen irgendwie anstecken können. Mehr Probleme sehe ich, wenn wir auf Hütten gehen. Die Parkplätze sind überall voll. Ich fürchte, dass das einem Wiederaufflammen schon Vorschub leisten kann."

Prof. Dr. med. Rainald Fischer, Pneumologe und Höhenmediziner, München

Auf den Hütten lauert also die Gefahr. Wie die gesamte Gastronomie hat auch die Albert-Link-Hütte deshalb strenge Vorkehrungen getroffen: Abstand wahren, Handhygiene einhalten, auf Umarmungen und Händeschütteln verzichten. Und natürlich Mundschutz tragen und Hände desinfizieren. Auf der Hüttenterrasse ist schon einiges los. Ist das auch sicher?

"Die Leute sitzen mit ausreichendem Abstand, Platz genug um sich herum. Und der Wind weht stark, also da sehe ich überhaupt keine Gefahr."

Prof. Dr. med. Rainald Fischer, Pneumologe und Höhenmediziner, München

Hier in der Albert-Link Hütte in der Nähe des Spitzingsees herrscht Kaiserschmarrn-Euphorie. Endlich wieder ein bisschen Hüttenfeeling. Auch Wirt Uwe Gruber ist froh, dass es weitergeht, auch wenn die Sorgen nicht weg sind.

"Es ist ein zweischneidiges Gefühl: Das eine Gefühl ist, dass man ein bisschen unsicher ist, wegen den Mitarbeitern, da soll niemand krank werden. Aber es ist natürlich eine große Freude, wieder etwas tun zu können."

Uwe Gruber, Hüttenwirt, Albert Link Hütte, Spitzing

Übernachtung auf der Hütte: Was ist möglich?

Besonders heikel: Das Thema Hüttenübernachtung. Zweibettzimmer für Paare sind auch unter Coronabedingungen unproblematisch. Schwieriger wird es bei den klassischen Berghütten-Schlaflagern.

"Hier würden jetzt sieben Leute schlafen, das geht natürlich nicht.   Das halt das Hüttenfeeling da ist, dass die Kinder ganz toll erzählen können, dass sie im Lager geschlafen haben, also diese Nähe, die es gab und was auch toll war und die Hütte ausmacht, das wird es in der Zukunft nicht mehr geben."

Uwe Gruber, Hüttenwirt, Albert Link Hütte, Spitzing

Fest steht, die Ferien und Wochenenden werden dieses Jahr auf jeden Fall anders als sonst. Aber es gibt immer noch viele schöne Sachen, die jeder machen kann. Dabei wünscht Gesundheit viel Spaß!  


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