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Radfahren oder ins Fitnessstudio? Sport in Corona-Zeiten

Bewegung drinnen oder draußen? Wo ist das Infektionsrisiko am geringsten? Diese Fragen stellen sich Sportler in Corona-Zeiten. Doch es gibt auch Gesundheitschecks, die vor einem Neustart mit dem Training immer nötig sind.

Von: Florian Heinhold

Stand: 09.06.2020

Die Fahrradwege sind voll, vor den Radgeschäften bilden sich Schlangen. Viele Menschen sehen das Fahrrad als ideales Fortbewegungsmittel in Pandemiezeiten an. Bewegung im Freien nach der Lockdown-Lethargie: Die Radl-Saison ist voll im Gange. Und einige planen bereits ihren Sommerurlaub um: Mit dem Rad an den Bodensee und zurück – anstatt mit dem Auto nach Italien.

Neuer Radl-Trend?

Fahrradfahren ist gesund, das war schon vor der Coronakrise klar. Aber gibt es jetzt einen neuen Radl-Trend?

Peregrin Zunke von einem Radladen in Starnberg bestätigt: Um das Fahrrad ist regelreicht ein Hype entstanden. Viele Modelle sind bei ihm im Geschäft bereits ausverkauft. Besonders beliebt: Lasten-E-Bikes.

"Das ersetzt einen Zweitwagen. Ich hoffe, dass sich da eine neue Art der Mobilität entwickelt."

Peregrin Zunke, Starnberg

Fahrrad richtig einstellen

Wer auf die reine Muskelkraft als Antrieb setzt, merkt schnell: Radeln geht in die Beine. Radfahren gilt zwar allgemein als gelenkschonender Sport. Doch nur, wenn das Rad richtig eingestellt ist. Wer zum Beispiel zu tief sitzt, strapaziert damit seine Knie unnötig. Ist das Bein weniger gebeugt, entlastet dies die Gelenke.

Damit Radfahren langfristig gesund ist, sollte das Rad also richtig eingestellt sein. Fehlhaltungen können sonst gesundheitliche Folgen haben.

Um Fehlhaltungen zu vermeiden, vermisst Sportwissenschaftlerin Uli Plaumann Fahrrad und Besitzer genau und überprüft damit die Einstellungen. Mit einem Laser erfasst sie alle für die Körperhaltung wichtigen Punkte. Der Computer errechnet mit diesen Daten dann die perfekte Position auf dem Fahrrad.   

"Man kann beim Rad total viel einstellen, zum Beispiel die Sitzhöhe oder die Sattelposition. Und auch am Lenker kann man viel ändern - mit Griffen oder dem Vorbau."

Uli Plaumann, Sportwissenschaftlerin, Radlabor, München

Sport drinnen?

Seit Montag haben die Fitnessstudios in Bayern wieder geöffnet. Doch die Skepsis ist bei vielen noch groß. Wie groß ist die Gefahr, sich beim Indoor-Sport mit dem Coronavirus zu infizieren?

Nach neuesten Erkenntnissen ist die Ansteckungsgefahr über Flächen und Kontakte wohl eher gering. Kleinste Mikrotröpfchen im Atem, die sogenannten Aerosole, scheinen dagegen ein echtes Problem zu sein. Vor allem drinnen, sagt Virologin Ulrike Protzer.

"Es gibt mehr und mehr Daten, dass wirklich die Aerosole einen erheblichen Anteil tragen. Und die schweben in einer Art Wolke um uns herum. Da ist dieses SARS-CoV-2 relativ lange haltbar. Im Fitnessstudio, im geschlossenen Raum, ist sicherlich Vorsicht geboten. Weil ich durch dieses heftige Atmen, wenn ich Sport mache und mich anstrenge, schon vermehrt Aerosole produzieren kann."

Prof. Dr. med. Ulrike Protzer, Virologin, Klinikum rechts der Isar, Helmholtz Zentrum, München

Auflagen im Fitnessstudio

Um die Sporttreibenden möglichst gut zu schützen, haben Fitness-Studios viele Auflagen. So bleiben zum Beispiel weiterhin die Umkleidekabinen geschlossen. Im Leo‘s Sports Club in München war am Samstag vor der Wiedereröffnung noch viel zu tun. Am Check-in mussten zum Beispiel Abstandsmarkierungen angebracht werden.

Und auch an den Geräten gibt es einige Änderungen. Direkte Hilfe bei den Übungen ist nicht mehr erlaubt. Denn: In einer markierten Fläche darf sich pro Gerät nur eine Person aufhalten. Bei Kardio-Geräten - wie Laufbändern oder Cross-Trainern - ist jedes zweite aus Abstandsgründen gesperrt. Und: Überall gibt es Desinfektionsmittel. Nach jeder Übung müssen die Sportler die Geräte säubern. Während der Übungen dürfen sie dafür ihre Masken abnehmen.

Wegen der Aerosol-Belastung sind vor allem Kurse weiterhin umstritten. Ob reines Abstandhalten bei einem schweißtreibenden Power-Workout reicht? Hier setzt das Studio auf gute Lüftung.

Herz-Check beim Arzt

Wer wieder neu mit dem Sport beginnt, sollte vorab einen Gesundheitscheck beim Arzt durchführen. Denn egal ob Laufen, Fahrradfahren oder Fitnessstudio: Auf ein gesundes Herz sollte man bei jeder Sportart achten.

Kardiologe und Sportmediziner Dr. Alexander Pressler betont: Wer Sport treibt, sollte sich ab circa 35 Jahren das Herz von einem Spezialisten anschauen lassen.

"Herzerkrankungen sind nach wie vor die Todesursache Nummer 1. Ich denke, dass das noch mehr ins Bewusstsein der Menschen hineingehört. Es gibt durchaus Erkrankungen und Veränderungen, die man auch in jüngeren Jahren haben kann."

PD Dr. med. Axel Preßler, Kardiologe und Sportmediziner, München

Wichtig dafür: Das Belastungs-EKG. Dabei werden auch Atmung und Lunge überprüft. Beobachtet der Arzt dabei Unregelmäßigkeiten, kann ein Ultraschall zusätzlich nötig werden. Ein Check-Up, den Sportmediziner empfehlen, um die Leistungsfähigkeit des Herzens zu überprüfen.

Nach so einem Test lässt es sich mit gutem Gefühl sporteln. Und im Freien muss man sich auch um die Ansteckungsgefahr weniger Sorgen machen.


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