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Reise Check Urlaubsplanung in Corona-Zeiten

Die Bayerischen Sommerferien stehen vor der Tür und viele Familie planen jetzt ihren Urlaub. Doch so einfach ist die Planung auch in diesem Corona-Jahr nicht. Gesundheit! macht den Reisecheck.

Von: Caroline Hofmann

Stand: 13.07.2021

Der Time Out Market, die Pink Street, die älteste Buchhandlung der Welt - auf all das hatte sich Familie Kühnel in Lissabon gefreut. Eine Woche Portugals Hauptstadt und eine Woche Strandurlaub an der Algarve waren geplant. Als Portugal zum Virusvariantengebiet erklärt wurde, haben sie den Urlaub schweren Herzens storniert.

"Vierzehn Tage Quarantäne kamen für uns nicht in Frage und wahrscheinlich machen die Restaurants dort früh zu. Die ganzen Attraktionen auch oder vielleicht muss man am Strand auch Maske tragen, oder man kommt gar nicht zum Strand. Ob der Urlaub dann noch so schön wird, ist fraglich."

Julia Kühnel

Die Familie will ihren Urlaub nun neu planen. Drei Experten erklären, worauf es bei dabei ankommt.

1. Das Reiseziel

Für welche Länder Reisewarnungen gelten, das kann auf der Homepage oder in der App „Sicher Reisen“ des Auswärtigem Amtes nachgesehen werden. Derzeit unterscheidet das Robert Koch-Institut drei Arten von Corona-Risikogebieten: einfache Risikogebiete, Hochinzidenzgebiete und Virusvariantengebiete und stuft alle Länder danach ein. Das macht die Urlaubsplanung in den Sommer hinein schwierig, denn wo die Inzidenzen steigen, lässt sich schwer voraussagen.

Doch es gibt Wissenschaftler, die an solchen Prognosen arbeiten. Prof. Dr. Christof Schütte ist Präsident des Berliner Zuse-Instituts und berechnet als Mathematiker unter welchen Bedingungen sich das Virus in Europa ausbreiten kann.

"Länder wie Spanien beziehungsweise Mallorca könnten als Nächstes betroffen sein. Und das sind sicherlich Gebiete, wo man jetzt genauer hingucken muss. Wenn man einen ungestörten und völlig ungezwungen Urlaub haben will, dann sollte man in Gebiete fahren, wo die Inzidenzzahlen niedrig und die entsprechenden Varianten noch nicht sehr verbreitet sind."

Prof. Dr. Christof Schütte, Präsident des Zuse Instituts Berlin (ZIB)

2. Der Impfstatus

Mittlerweile spielt auch die Impfung eine Rolle beim Planen des Urlaubs und erleichtert das Reisen. Julia Kühnel und ihr Mann sind bereits geimpft, ihre drei Kinder nicht. So ist es bei vielen Familien. Die wissen nun nicht, ob sie sicher reisen können. Wenn sich die Erwachsenen vor dem Urlaub impfen lassen, sollte das kein Problem sein, meint die Virologin Dr. med. Ulrike Protzer.

"Kinder werden in der Regel nur leicht krank und stecken auch geimpfte Erwachsene eher nicht an. Das heißt, man kann keine Infektionskette bilden. Insofern glaube ich, kann man guten Gewissens mit umgeimpften Kindern reisen. Wenn jetzt aber natürlich die ganze Familie nicht geimpft ist, dann besteht schon ein Risiko, dass einer der Familie sich ansteckt und dann entsprechend die Infektion an die anderen weiter gibt."

Prof. Dr. med. Ulrike Protzer, Virologin TU München, Helmholtz Zentrum

3. Die Vorbereitung

Die unberechenbare Situation macht eine achtsame Planung besonders wichtig. Vorsicht gilt beispielsweise bei Buchungen über Reiseportale. Während der Corona-Pandemie flexibel und ohne finanzielles Risiko reisen, mit solchen Corona-Tarifen werben einige Anbieter.  Hier gilt es, die Bedingungen in den AGBs genau zu prüfen.

"Kann ich dann zurücktreten, wenn mein Urlaubsort Virusvariantengebiet ist? Kann ich zurücktreten, wenn ich erkranke? Hier müssen Sie das Kleingedruckte lesen und vor allem auch etwas Puffer einplanen. Sollte ich in Quarantäne müssen nach dem Urlaub? Wichtig ist, dass ich dann auch kein Problem mit dem Arbeitgeber bekomme und selbst weniger Stress habe."

Julia Zeller, Juristin Verbraucherrecht, Verbraucherzentrale Bayern

4. Der Notfall

Trotz aller Vorsicht, in Corona-Zeiten ist nichts ausgeschlossen. Was passiert, wenn der Reiseort doch zum Virusvariantengebiet erklärt wird, während man gerade dort ist. Das könnte 14 Tage Quarantäne bedeuten, egal ob geimpft oder nicht. Julia Zeller rät in diesem Fall: Erstmal Ruhe bewahren.

"Ich würde empfehlen, mich mit Behörden in Verbindung zu setzen, mit der Botschaft und dem auswärtigen Amt und dann auch sofort mit der Fluggesellschaft und dem Reiseveranstalter, je nachdem, was ich gebucht habe. Und dann versuchen, alle möglichen Varianten abzuklären. Denn es ist nicht garantiert, dass ich sofort einen Flug bekomme."

Julia Zeller, Juristin Verbraucherrecht, Verbraucherzentrale Bayern

Familie Kühnel plant das nächste Reiseziel nun kurzfristiger. Vielleicht wird es Italien, vielleicht bleiben sie dieses Jahr auch in Deutschland. Portugal hat die Familie weiter im Hinterkopf. Ihr Motto: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. 


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