BR Fernsehen - Gesundheit!


11

Corona-Virus Maskenpflicht: Was bringen und wie schützen Masken?

Bis vor kurzem wurden sie bei uns eher belächelt, in Asien sind sie schon lange ein Muss: Mund-Nasen-Masken! Jetzt gilt auch bei uns eine Maskenpflicht für´s Einkaufen, in Bus, Straßen- und U-Bahnen. Neben dem Abstandhalten sollen Masken helfen, Tröpfcheninfektion zu verhindern. Aber funktioniert das wirklich? Welche Masken schützen?

Von: Bernd Thomas

Stand: 28.04.2020

Mund-Nasen-Schutzmasken gibt es vom einfachen Hygieneschutz bis hin zu medizinisch zertifizierten FFP2 und -3 Atemschutzmasken. Diese helfen schon lange wirksam im Arbeitsschutz. Die FFP-Masken schützen den Träger vor möglichen Infektionen, das ist sicher. Aber sie sind Mangelware und sollen Pflegekräften, Ärzten und gefährdeten Personen vorbehalten bleiben. Was also bringen einfache Community-Masken, ein einfacher Hygieneschutz oder auch ein chirurgischer Mund-Nasen-Schutz, wie viele ihn jetzt benutzen?

Maskenpflicht: Sinnvoll im Kampf gegen Corona?

Was bringen einfache Community-Masken?

Manche Mediziner zweifeln, ob eine Maskenpflicht tatsächlich nutzt. Die Argumente: Masken zu tragen setze Übung und Selbstdisziplin voraus. Außerdem könnten einfache Schutzmasken ein trügerisches Gefühl von Sicherheit vermitteln. Hinzu komme, dass viele ihre Mund-Nasen-Masken im Alltag falsch benutzen.

Dr. Friedemann Gebhardt leitet die Stabstelle für Krankenhaushygiene des Klinikums rechts der Isar der TU München. Auch er kennt diese Zweifel. Noch gibt es keine großen Studien, aber deutliche Hinweise aus Asien. Die zeigen, selbst das Tragen eines einfachen Mundschutzes kann helfen, Corona-Infektionen zu verhindern. Auch Dr. Gebhardt ist davon überzeugt.

"Wer eine einfache Maske trägt, schützt in erster Linie andere. Und wenn möglichst viele Personen Masken tragen, um andere zu schützen, ist der Schutz des Einzelnen wesentlich leichter zu erreichen. Denn selbst diejenigen, die infiziert sind, werden, wenn sie konsequent Masken tragen und die Abstands- und Hygieneregeln einhalten, damit nicht mehr zur unmittelbaren Gefährdung für andere."

Dr. med. Friedemann Gebhardt, Stabsstelle Krankenhaushygiene, Klinikum rechts der Isar, TU München

Masken: Schutz vor Schmierinfektionen, Fremd- und Eigenschutz

Masken erfüllen drei wichtige Aufgaben:

  • Sie tragen bei zum Eigenschutz, indem sie den Träger vor Infektionen beim Einatmen schützen.
  • Masken schützen außerdem vor Schmierinfektionen durch die Hände. Rund 20 bis 30 Mal pro Stunde greifen wir uns ins Gesicht. Dass dabei zum Bespiel Viren in die Schleimhäute von Mund und Nase gelangen können ist sehr wahrscheinlich. Allerdings erfordert das Tragen einer Maske Training und eine aufmerksame Selbstwahrnehmung. Denn leicht fasst man sie von außen an. Das kann dann zu möglichen Übertragugen führen.
  • Zudem bieten viele Masken einen so genannten Fremdschutz. Sie können verhindern, dass andere sich durch Tröpfcheninfektionen anstecken, wenn der Maskenträger selbst erkrankt ist.

Mund-Nasen-Schutz: beeindruckende Wirkung

Ohne Mund-Nasen-Maske fliegen beim Husten Tröpfen rund eineinhalb Meter weit.

Am Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Universität der Bundeswehr in München haben Prof. Christian Kähler und Rainer Hain Atemschutzmasken und ihre Schutzwirkung untersucht und die Ergebnisse (unterer Link) veröffentlicht. Er versteht nicht, dass erst jetzt auf den Einsatz von Masken gesetzt wird. Ein Ergebnis seiner Untersuchungen:

"Selbst einfache Masken bieten auf jeden Fall einen Schutz. Der Schutzmechanismus ist der, dass sich die Strömung aufgrund des Strömungswiderstands nicht weit ausbreiten kann und das ist sehr, sehr wichtig."

Prof Dr. rer. nat. Christian Kähler, Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik, Universität der Bundeswehr München

Ein Versuch macht das eindrucksvoll deutlich: In einem mit Laser und Vernebelungstechnik ausgestatteten Raum lässt sich durch Aufnahmen exakt bestimmen, wie weit eine Tröpfchenwolke sich ausdehnen kann, wenn die Versuchsperson hustet. Dabei verteilt sie solange mögliche Viren, bis die kleinen Tröpfchen verdunstet sind. Das ist von mehreren Faktoren abhängig wie zum Beispiel der Luftfeuchte und Raumtemperatur.

Beeindruckende Wirkung: Auch einfache Masken verhindern, dass Tröpfchenwolken sich ausbreiten.

Beim konkreten Versuch legten die Tröpfchen fast eineinhalb Meter Strecke zurück, bei Reizhusten kamen sie fast doppelt so weit. Schon ein einfacher Mund-Nasen-Schutz kann das ändern, denn der Strömungswiderstand verhindert, dass die Tröpfchen weit fliegen können.

"Selbst wenn Sie keine medizinische Maske haben, empfiehlt es sich auf jeden Fall, eine einfache Maske aufzusetzen, um die Umgebung zu schützen. Und wenn alle Personen im Umkreis diese Masken tragen, dann haben wir auch einen sehr hohen Schutz."

Prof Dr. rer. nat. Christian Kähler, Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik, Universität der Bundeswehr München

Welche Masken schützen die Träger?

FFP 2 und FFP 3 Masken schützen den Träger vor möglichen Infektionen. Sie filtern auch die Luft, die eingeatmet wird.

Einfache Mund-Nasen-Bedeckungen schützen also andere, indem sie mögliche Viren-Tröpfchen bei der Verbreitung im Raum hindern. Aber bieten sie auch Eigenschutz, das bedeutet, schützen sie den Masken-Träger selbst vor möglichen Infektionen? Mund-Nasen-Masken mit den Standards FFP 2 und -3, die es immer wieder in Apotheken und Baumärkten zu kaufen gibt, müssen das leisten. Sie filtern auch beim Einatmen kleinste Partikel oder Virentröpfchen aus der Atemluft. Das Strömungsexperiment zeigt das eindrucksvoll. Sie erfüllen damit alle drei Aufgaben einer Maske, wenn sie gut sitzt und nicht über ein Auslassventil verfügen.

FFP-Masken mit Ventil: eingeschränkter Fremdschutz

Eine FFP 2 Maske mit Ventil: Die Luft entweicht beim Ausatmen ungefiltert.

Denn durch das Auslassventil von FFP2 und -3 Masken entweicht die Luft ungefiltert, meist nach unten. Das bedeutet: Ein Infizierter, der eine Maske mit Ventil trägt, schützt zwar sich selbst, aber nicht mehr sicher seine Umgebung, da Tröpfchen mit Viren in der Atemluft entweichen! Der Fremdschutz ist zumindest deutlich eingeschränkt.

Einfache Mund-Nase-Masken: Fremdschutz ja, Eigenschutz nein

Welches Matrialien filtern am sichersten?

Grundsätzlich ist die Filterwirkung abhängig von der Porendichte eines Materials. Allerdings kann das leicht täuschen. Denn auch scheinbar dichte Mund-Nasen-Schutze, mehrlagige selbst genähte Masken oder auch Baumwoll-Community-Masken aus der Apotheke bieten zwar Fremdschutz, aber keinen Eigenschutz.

"Es wird oft gesagt, wenn man durch das Material nicht durchschauen kann, oder wenn es sehr dicht ist, sodass man nur schwer atmen kann, dann müsste es doch auch einen Eigenschutz bieten. Das ist aber nicht der Fall. Wenn man sich schützen will, dann braucht man einen Stoff oder ein Material, das genau zu diesem Zweck hergestellt wurde, ansonsten ist es schwierig."

Prof Dr. rer. nat. Christian Kähler, Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik, Universität der Bundeswehr München

Ein einfacher Mund-Nasen-Schutz filtert die Einatemluft nicht. Mögliche Virentröpfchen kommen ungehindert durch.

Die Ergebnisse der Versuche im Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an einfachen Masken und mit dichteren Materialien sind eindeutig: Mögliche Viren-Tröpfchen durchdringen das Gewebe beim Einatmen problemlos. Selbst bei dickeren Materialien, wie Filz oder Vliesen ist das so.

Alternative mit Gesundheitsrisiken: Vliesstoffe aus Staubsaugerbeuteln

Für Virentröpfchen nicht passierbar, aber gesundheitlich bedenklich: Staubsaugerbeutel als mögliches Maskenmaterial

Als einziges Filtermaterial, das ein Eindringen möglicher Tröpfchen effektiv verhindert und damit auch als Maskenmaterial für den Eigenschutz geeignet wäre, sind nach Ergebnissen von Prof. Christian Kähler und Rainer Hain Vliesstoffe aus feinstaubdichten Staubsaugerbeuteln. Aber Vorsicht bei Versuchen, denn die Hersteller "dm" und "Swirl" warnen bereits davor, deren Staubsaugerbeutel zur Herstellung von Masken zu benutzen. Es könnten dabei verbaute gesundheitsschädliche Stoffe in den Körper gelangen.

Feuchte Masken: wirksam, aber unhygienisch

Feuchte Mund-Nasen-Masken verlieren nach den Untersuchungen der Strömungswissenschaftler übrigens nicht ihre Filterwirkung. Aber da die Feuchtigkeit viele Poren verschließt, fällt das Atmen in durchfeuchteten Masken schwerer als in trockenen. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich in feuchten Masken Erreger sammeln oder vermehren können. Deshalb werden beim professionellen Einsatz Atemschutzmasken ausgetauscht, wenn sie durchfeuchtet sind. Auch einfache Mund-Nasen-Schutze sollten aus hygienischen Gründen nicht zu lange getragen werden.

Gewusst wie und wann: Masken im Alltagseinsatz

Richtig getragen schützt ein einfacher Mund-Nasen-Schutz andere vor Tröpfcheninfektionen und den Träger selbst vor möglichen Schmierinfektionen.

Trotz mancher Einschränkungen: Einfache Mund-Nasen-Bedeckungen können neben dem Fremdschutz auch vor Schmierinfektionen schützen. Voraussetzung dafür ist, sie werden richtig auf- und abgesetzt und auch getragen. Vera Beneke ist eine von mehreren Fachkrankenschwestern für Krankenhaushygiene im Klinikum rechts der Isar der TU München. Sie und ihre Kolleginnen achten darauf, dass Pflegekräften und Ärzten im stressigen Klinikalltag in Sachen Hygiene keine Fehler unterlaufen. Wichtigste Regel für Mund-Nasen-Schutze: Sie müssen richtig sitzen und sollten auf keinen Fall von außen angefasst werden. Gerade Laien machen diesen Fehler oft. Aber das ist nicht der einzige.

"Wir sehen verschiedene Moden beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Eine ist, den einfach unters Kinn zu schieben oder auch nur halb aufzusetzen, so dass die Nase frei bleibt. Das ist Quatsch. Entweder ich trage den Schutz, dann trage ich ihn richtig oder ich lass es bleiben."

Vera Beneke, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, Klinikum rechts der Isar, TU München

Werden Mund-Nasen-Schutze abgesetzt, sollten sie nur an den Haltebändern oder -gummis angefasst werden. Um sie zwischenzeitlich sicher zu verwahren, empfiehlt Vera Beneke zum Beispiel eine Plastibox. Für den Alltag rät sie:

"Ich würde empfehlen, das sich jeder sieben bis acht Mund-Nasen-Schutze zulegt, damit man ihn täglich wechseln kann. Zu Hause sollte es ein festgelegter Ort sein, wo man den Mund-Nasen-Schutz ablegt, im Eingangsbereich oder im Flurbereich. Und man sollte diese Flächen regelmäßig mit Spülmittel oder einer geeigneten Lösung saubermachen."

Vera Beneke, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, Klinikum rechts der Isar, TU München

Reinigung: Waschen ist optimal

Mundschutze sollten bei 60 Grad plus gewaschen und anschließend gebügelt werden. Für Vera Beneke die sicherste Methode, die Hygiene zu gewährleisten.

"Waschmaschinen gibt es in jedem Haushalt. Waschen mit der Maschine ist ein Verfahren mit festen Abläufen und industriellen Standards. Mikrowelle und Backofen, das sind unsichere Verfahren, die kann ich in dem Fall nicht empfehlen, ich würde waschen."

Vera Beneke, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, Klinikum rechts der Isar, TU München

Die meisten Experten empfehlen übrigens, Masken nur in Innenräumen, wie bei Einkäufen, dem öffentlichen Personennahverkehr oder im Zug zu tragen, wenn der nötige Abstand von eineinhalb bis zwei Metern nicht eingehalten werden kann. Um mögliche Hygienefehler zu vermeiden, rät Vera Beneke beim Einkauf zum Beispiel so vorzugehen:

"Die Maske vor dem Einkaufen aufziehen, dann einkaufen und die Maske erst nach dem Einkauf zu Hause wieder ablegen. Und wer sich zusätzlich schützen will, sollte beim Einkauf oder in der U- Bahn neben dem Mund-Nasen-Schutz zum Beispiel Baumwollhandschuhe anziehen."

Vera Beneke, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, Klinikum rechts der Isar, TU München

Mund-Nasen-Schutz: Jeder kann´s

Jeder kann sich übrigens leicht selbst Masken machen, um andere zu schützen. Auch wenn er nicht nähen kann. Einfach und wirksam ist eine Variante aus Küchenrolle, Taschentuch, einem Stück Draht und Gummi, hergestellt mit Klebeband und Locher. Virologe Christian Drosten hat die Anleitung aus Asien auf Twitter empfohlen. Die Maske richtig tragen und nutzen will geübt sein. Aber schließlich hat jeder in seinem Leben schon ganz andere Herausforderungen gemeistert.

Aus Küchenpapier, Papiertaschentuch, Klebstreifen, einem Stück Draht und Haushaltgummis lassen sich einfache Mund-Nasen-Schutze hertsellen.

Und zusätzliche Motivation können statistische Vergleiche vermitteln, die Prof Christian Kähler in seiner Untersuchung zitiert: So liegt das Risiko, an Corona möglicherweise zu versterben, bei rund einem Prozent, nach bisherigen, eher niedrigen Schätzungen. Das ist aber schon ein statistisch 77.000 mal höheres Risiko, als bei einem Flugzeugabsturz zu sterben. Oder: Läge es nur ein halbes Prozent höher, was im Moment noch keiner richtig sagen kann, entspricht das dem Risiko eines Astronauten, beim Flug mit einem Spaceshuttle ins All ums Leben zu kommen, oder dem Risiko eines alliierten Soldaten im Irakkrieg von 2003 im Einsatz zu sterben.

Zudem bestätigen Intensivmediziner auch im Klinikum rechts der Isar in München, dass schwere Krankheitsverläufe eben nicht nur bei Menschen mit Vorerkrankungen zu erwarten sind. Auf der dortigen Intensivstation liegen Patienten, die einem Querschnitt der Bevölkerung abbilden, auch junge und vorher gesunde Menschen. Masken tragen und die Regeln dafür zu lernen, ist dagegen ziemlich einfach und harmlos. Bleibt noch die Frage, ob Masken vielleicht doch nur eine trügerische Sicherheit vermitteln? Dr. Friedemann Gebhardt sieht das anders:

"Der positive Effekt durch das Zurückhalten von Tröpfen, vor allem bei infizierten Personen, der überwiegt sicherlich mögliche negative Aspekte deutlich. Und entscheidend ist das Zusammenspiel aller Schutzmaßnahmen."

Dr. med. Friedemann Gebhardt, Stabsstelle Krankenhaushygiene, Klinikum rechts der Isar, TU München

Und auch Prof Christian Kähler ist überzeugt vom Einsatz der Masken.

"Sie sind billig herzustellen, einfach zu tragen und einfach zu nutzen. Wir brauchen unser tägliches Leben nicht einzuschränken, können uns frei bewegen und das sind sehr gute Argumente auf Masken zu setzen."

Prof Dr. rer. nat. Christian Kähler, Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik, Universität der Bundeswehr München

Fazit: Es klingt ganz einfach, aber wenn alle konsequent Masken tragen, Abstände einhalten und ausreichend oft die Hände waschen, kann das wirksam helfen, die Ausbreitung des Virus weiter hinauszuzögern.


11