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Aufbau von Impfzentren Vorbereitungen für die Corona-Impfung

Die neuen Impfstoffe machen Hoffnung in der Corona-Pandemie. Deshalb soll es jetzt schnell viele Impfzentren geben. Eine große logistische Herausforderung, gerade unter Zeitdruck.

Von: Monika Hippold

Stand: 30.11.2020

Deutschland will bereit sein für die Impfung, sobald der erste Corona-Impfstoff in Europa zugelassen und verteilt ist. Deswegen hat die Bundesregierung die Länder beauftragt, bis zum 15. Dezember deutschlandweit Impfzentren aufzubauen. Der Hintergrund:

"Ich denke, wir könnten es den Deutschen schwer erklären, dass da ein Impfstoff ist, und wir die Infrastruktur noch nicht haben."

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

96 Impfzentren in Bayern

Für Bayern bedeutet das: In kürzester Zeit müssen alle Landkreise und kreisfreien Städte je ein Impfzentrum und eine mobile Impfstation einrichten. Und auf den täglichen Betrieb vorbereiten. Insgesamt sind das mindestens 96 Impfzentren.

Die Hoffnung dahinter: Wenn schnell genügend Menschen geimpft werden, könnten die verschärften Lockdown-Maßnahmen, Kontaktbeschränkungen und Ausgangsbeschränkungen wie aktuell in Passau demnächst der Vergangenheit angehören.

Unter Hochdruck suchen die Landkreise deswegen geeignete Standorte. Container auf dem Volksfest-Platz, Sport-, Messe-, Konzert- und Theaterhallen, Kliniken und sogar ein Flugplatz sollen zu Impfzentren umgebaut werden. Einige Kreise haben ihre Standorte schon gefunden, andere suchen noch.

Eishalle wird zum Impfzentrum

Im Landkreis Regen steht bereits fest: Das Impfzentrum kommt in die Eishalle. Die zentrale Lage am Rand der Kreisstadt, genügend Parkplätze, ein beheizbarer Innenraum – laut Landratsamt die besten Voraussetzungen für ein Impfzentrum.

Der Landkreis Regen ist in den vergangenen Tagen einer der bundesdeutschen Corona-Hotspots geworden. Laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Regen derzeit bei 391 (01.12., 12 Uhr). In den Aberlandkliniken in Regen ist das Personal deshalb aktuell am Rande der Belastungsgrenze, weil sie immer mehr Covid-19 Fälle haben. Zudem sind sie die Betreiber des Impfzentrums in der Eishalle.

Bis zu 250 Menschen am Tag sollen in der Eishalle die Corona-Impfung bekommen können. Doch bis dahin ist noch viel zu tun: Im Moment taut die Eisfläche ab, das dauert voraussichtlich noch bis zum 6. Dezember. Erst dann können die Organisatoren mit dem Aufbau der Einrichtung beginnen, erklärt Heiko Langer.

"Wenn abgetaut ist, müssen die Leitungen noch raus aus dem Boden. Die werden aufgerollt. Dann kann man den Boden hier vollkommen nutzen und kann mit den Aufbauarbeiten beginnen. Hinten in der Halle werden Container aufgebaut, in denen das Impf-Vorbereitungsgespräch stattfinden kann. Nach der ärztlichen Beratung wird geimpft. Und nach der Impfung können die Leute wieder rausgehen, und zwar kontaktlos in den Aufenthaltsraum."

Heiko Langer, Sprecher, Landratsamt Regen

Wichtig dabei ist auch die Planung der Wege, also des Ein- und Ausgangs. Denn: Im Impfzentrum sollen sich die Menschen möglichst wenig begegnen.

Probe-Impftag in der Messe Ulm  

Ortswechsel nach Baden-Württemberg. In Ulm steht schon seit zwei Wochen fest: Das Corona-Impfzentrum kommt in die Messe. Prof. Bernd Kühlmuß hat dafür das Konzept entworfen. Und: Er hat ein provisorisches Zentrum mit einem Team vom Roten Kreuz innerhalb von vier Tagen für einen Probebetrieb aufgebaut.

"Wir haben das auf einem Stück Papier gezeichnet und wir wollten natürlich testen, ob das, was wir uns theoretisch überlegt haben, in der Praxis auch funktioniert."

Prof. Dr. med. Bernd Kühlmuß, DRK Rettungsdienst Ulm

Eine Mammutaufgabe. In kürzester Zeit hat ein Team vom Deutschen Roten Kreuz das Muster-Impfzentrum mit Materialien wie Kreide und Absperrbändern aufgebaut. Und parallel dazu über 100 Helfer für den Probetag rekrutiert. Die viele Arbeit hat sich gelohnt. Denn der Testbetrieb hat dem Ulmer Team gezeigt, was noch verbessert werden muss:

"Kleine Dinge müssen nachgearbeitet werden. Ein Beispiel: Wer unterschreibt das Impfbuch? Wird das bei der Aufklärung oder bei der Impfung gemacht. Wer schiebt die Rollstühle der gehbehinderten Menschen? Das muss alles geklärt werden."

Prof. Dr. med. Bernd Kühlmuß, DRK Rettungsdienst Ulm

Personal fürs Impfzentrum

Klären müssen die Organisatoren auch: Wo halten sich die Menschen nach der Impfung auf? Denn da der Impfstoff so neu ist, soll jeder nach der Impfung mit einem m-RNA-Impfstoff zur Beobachtung noch 30 Minuten vor Ort bleiben.

Im Moment setzt ein Messebauer die geplanten Module für die Räume um. Fehlt nur noch das Personal. Die Ulmer suchen 150 Mitarbeiter, wie Schreib- und Verwaltungskräfte, Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Eine unlösbare Aufgabe? Keinesfalls:

"Wir haben einen Aufruf bei Facebook gestartet mit sehr großer Resonanz. Über den Weg haben wir schon über 50 Bewerbungen erhalten. Jetzt schauen wir gerade, ob wir noch weitere Wege gehen, wie zum Beispiel klassische Stellenannoncen in der Zeitung."

David Richter, Geschäftsführer, DRK Rettungsdienst Heidenheim-Ulm

Ehrenamtliche im Einsatz

Mithelfen im Impfzentrum möchte auch Steffi Ludwar. Sie war in der Coronakrise bisher schon 250 Mal an Teststellen im Einsatz – alles ehrenamtlich.

"Ich habe während der Pandemie jetzt circa 40.000 Abstriche gemacht. Das erfüllt mich mit Stolz, wenn ich weiß, ich kann Menschen in dieser Zeit unterstützen und helfen. Im Impfzentrum möchte ich mitarbeiten, um das Ganze schnell in den Griff zu kriegen. Nur gemeinsam schaffen wir das! Ich selbst werde mich auf jeden Fall impfen lassen. Aber natürlich erst, wenn alle Risikopatienten geimpft sind."

Steffi Ludwar, Kreisbereitschaftsleiterin, DRK Kreisverband Ulm

Klinik betreibt Impfzentrum

Zurück im Landkreis Regen. Hier steht fest, dass die Arberlandkliniken das Impfzentrum betreiben werden. Auf Klinikvorstand Christian Schmitz und sein Team kommt damit viel zusätzliche Arbeit zu.

"Der Betrieb des Impfzentrums bündelt bei uns bei vielen Mitarbeitern sehr viel Kraft und sehr viel Zeit, die natürlich für andere Dinge fehlt. Einen Normalbetrieb haben wir momentan nicht. Es ist absoluter Krisenbetrieb."

Christian Schmitz, Vorstand Arberlandkliniken, Zwiesel und Viechtach

Der Klinikalltag läuft gleichzeitig weiter. Spritzen, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel bewahrt die Klinik im Moment im Zentrallager auf. Für das Impfzentrum werden diese aber zentral beschafft. Doch das hat Auswirkungen:

"Was wir schon gemerkt haben, dass diese Beschaffung auf zentralem Weg im Freistaat Bayern und auch vom Bundesgesundheitsministerium, gerade was das Thema Kanülen anging, dazu geführt hat, dass der Markt leergeräumt war. Und wir abwarten müssen, wie die Firmen, die in diesem Bereich produzieren, tatsächlich auch nachliefern können."

Christian Schmitz, Vorstand Arberlandkliniken, Zwiesel und Viechtach

Kühlung des Impfstoffs

Sollte der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zuerst kommen, gilt es eines zusätzlich zu beachten: die Kühlung. Denn der Impfstoff muss in Spezialkühlschränken bei minus 70 Grad gelagert werden.

"So wie uns das mittlerweile bekannt ist, sind für diesen Impfstoff acht Verteilzentren in Bayern geplant, die tatsächlich diese minus 70 Grad Kühlung gewährleisten können. Wenn man den Impfstoff aus diesen Kühlschränken rausnimmt, ist er zwischen zwei und acht Grad lagerbar. Er ist dann aber innerhalb von vier Tagen zu verbrauchen. Das bedeutet, wir werden in unserem Impfzentrum ganz normale Arzneimittel-Kühlschränke haben."

Christian Schmitz, Vorstand Arberlandkliniken, Zwiesel und Viechtach

Mobile Impfstationen

Einen normalen Kühlschrank benötigen deswegen auch die mobilen Impfstationen. Menschen in Alten- und Pflegeheimen sind zum Beispiel auf solche Stationen angewiesen. Günther Aulinger vom Roten Kreuz in Regen hat dafür eine mobile Sanitätsstation zur Impfstation umgewandelt.

"Wir können damit Senioren- oder Behinderteneinrichtungen besuchen. Wo es gewünscht ist, können wir sowohl das Personal als auch die Bewohner entsprechend mit diesen mobilen Impfteams erreichen. Aber auch Hausbesuche sind möglich. Viele Menschen werden auch über ambulante Pflegedienste versorgt. Sie haben oft nicht die Möglichkeiten, selbst zu einem Impfzentrum zu kommen."

Günther Aulinger, Geschäftsführer, BRK Kreisverband Regen

Das Gute: Die mobile Impfstation ist quasi einsatzbereit.

"Wenn wir einen Impfstoff hätten, könnten wir wahrscheinlich sogar morgen schon loslegen."

Günther Aulinger, Geschäftsführer, BRK Kreisverband Regen

Ärzte im Ruhestand helfen mit

Und auch viel Personal steht schon bereit, wie Dr. Erich Festner, Allgemeinarzt im Ruhestand. Mit seinem Engagement will er die noch aktiven Ärzte und das Pflegepersonal entlasten. Und:

"Vielleicht kann man dazu beitragen, der Bevölkerung die Angst vor diesem Impfstoff zu nehmen. Viele sagen ja, jetzt sollen sich erst einmal die anderen impfen lassen und ich schaue, was passiert. Aber das verzögert nur alles. Die Impfung ist eine einmalige Chance - und die ist toll."

Dr. med. Erich Festner, Betriebsarzt, Allgemeinarzt im Ruhestand, Viechtach

Als letzte große Herausforderung sehen Ärzte und Organisatoren also: Möglichst schnell viele Menschen von der neuen Corona-Impfung zu überzeugen.


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