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Corona-Impfstoff Was unterscheidet AstraZeneca von anderen Vakzinen?

AstraZeneca wurde als dritter Corona-Impfstoff in der EU zugelassen, doch die Wirksamkeit wird in Studien niedriger angegeben als bei anderen Vakzinen. Was ist der Unterschied zwischen den Impfstoffen und können sich Impfkandidaten mit allen Präparaten geschützt fühlen?

Von: Caroline Hofmann

Stand: 09.02.2021

Augenscheinlich liegt AstraZeneca bei der Wirksamkeit hinter Biontech/Pfizer und Moderna. Die Hersteller der mRNA-Impfstoffe geben eine Wirksamkeit von 94% und 95 % nach der zweiten Impfdosis an. AstraZeneca weist dagegen eine Wirksamkeit von 60% - 70% aus. Die zugelassenen Vakzine unterscheidet zunächst ihr Funktionsweise.

Vektor- und mRNA-Impfstoffe

AstraZeneca ist ein Vektorimpfstoff und damit Teil einer erprobten Technik zum Beispiel gegen Ebola. Sie bestehen aus einem harmlosen Trägervirus - dem Vektor. In diesen werden Teile des Coronavirus eingebaut. Das Immunsystem reagiert auf die Erreger und entwickelt Antikörper, die das Virus bekämpfen.

Die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna, beruhen auf einer neuen Technologie. Sie enthalten Erbteile eines Virus, die sogenannte messenger RNA. Die Zellen des Geimpften nehmen diese Erbinformationen auf und produzieren dann selbst Virusproteine, also die Teile des Virus, gegen die unser Immunsystem wiederrum Antikörper entwickelt und das Virus so unschädlich macht.

Wirksamer Schutz vor tödlichen Verläufen

Das Wichtigste: egal, ob Vektor- oder mRNA-Impfstoff, alle drei zugelassenen Impfstoffe schützen zuverlässig vor einem schweren bzw. tödlichen Verlauf von Covid-19.

"Die Studiendaten dienen erstmal dazu, die Sicherheit und die Wirksamkeit des Impfstoffes zu gewährleisten und da sind sowohl die mRNA-Impfstoffe als auch die vektorbasierten Impfstoffe sicher, wirksam und sicher in der Anwendung."

Oberstarzt PD Dr. med. Roman Wölfel, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, München

Die unterschiedlichen Prozentzahlen zur Wirksamkeit beziehen sich vor allem auf die Fähigkeit der Impfstoffe, auch milde Covid-19-Verläufe verhindern zu können. Ähnliche Angaben zur Wirksamkeiten findet man darüber hinaus bei etablierten Impfungen, wie der Grippeimpfung.

"Bei der Grippeimpfung haben wir eine durchschnittliche Wirksamkeit, wenn es gut läuft von durchschnittlich 50-60 %. Aber manchmal, je nachdem welches Virus grade zirkulieret, auch nur noch von 20% oder 30 %. Und trotzdem werden wir es nicht hergehen und sagen es ist nicht lohnenswert mit einem Impfstoff zu impfen, der 60 % Wirksamkeit hat."

Prof. Dr. med. Christian Bogdan, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Mikrobiologisches Institut, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Wirksamkeit bei Mutationen

Die größte Sorge gilt nun der Verbreitung von Mutationen. Dass Viren ständig mutieren, ist lange bekannt - SARS-CoV-2 ist keine Ausnahme. Verglichen mit Grippeviren entwickeln SARS-CoV-2 Viren aber eher langsam überlebensfähige Varianten.

Die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna geben an, dass ihre Impfstoffe gegen die britische B.1.1.7 und südafrikanische B.1.351 Virusvariante wirken. Laut AstraZeneca soll ihr Impfstoff gegen die britische B.1.1.7 Variante eine gute Schutzwirkung bieten und auch gegen schwere Verläufe der südafrikanischen Variante B.1.351 wirken. Leichte Verläufe der südafrikanischen Mutation soll AstraZeneca jedoch weniger verhindern. Der Hersteller will nun eine neue Version seines Impfstoffs entwickeln, der auch gegen die Südafrika-Mutation hohen Schutz bietet.

"AstraZeneca-Impfstoff kam etwas später, auch hier sammelt man jetzt natürlich weitere Proben von Geimpften aus den Studien, aber auch aus der Anwendung. Und auch diese Proben werden dann gegen neue Mutationen getestet werden können. Wir müssen hier einfach noch ein bisschen länger warten."

Oberstarzt PD Dr. med. Roman Wölfel, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, München

Warum AstraZeneca nur unter 65?

Die STIKO empfiehlt AstraZeneca für Menschen von 18 bis 64 Jahren, die Wirksamkeit bei älteren Menschen sei zu wenig belegt. In den Zulassungsstudien für AstraZeneca waren nur wenige Patienten über 65 Jahre alt, deshalb sei die Wirksamkeit bei Älteren bisher nicht gut beurteilbar.

"Im Moment müssen wir es erst mal akzeptieren, dass die Wirksamkeit geringer ist. Aber im Hinblick auf die Epidemiologie auf die Pandemie können Sie diesen Impfstoff natürlich nach wie vor einsetzen zur Pandemie-Bekämpfung und natürlich zum Schützen von Menschen."

Prof. Dr. med. Christian Bogdan, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Mikrobiologisches Institut, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Mit dem dritten Impfstoff AstraZeneca für unter 65-Jährige wurde die Impfverordnung der Bundesregierung entsprechend angepasst. Personen, die jünger als 65 Jahre sind, sollen verstärkt mit dem Präparat von Astra-Zeneca immunisiert werden, damit für Ältere ausreichend Impfstoff von Biontech/Pfizer und Moderna zur Verfügung steht. Vor allem Patienten mit schweren Krankheiten unter 65 könnten dann mit AstraZeneca geimpft werden. 3,3 Mio. AstraZeneca-Impfdosen sollen im Februar nach Deutschland kommen - ab dem 08.02.2021 werden die ersten Lieferungen in Bayern erwartet.


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