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Corona und Haustiere Haustiere als Helfer in der Pandemie

Haustiere sind in der Corona-Pandemie für viele ein Trost. Und: Sie halten uns fit. Gesundheit! Reporterin Veronika Keller schaut sich unter Bayerns Vierbeinern und ihren Besitzern um.

Von: Florian Heinhold

Stand: 01.06.2021

Haustiere sind im Trend, denn viele Bayern haben in der Pandemie ihr Herz für Tiere entdeckt. In der Hundeschule Freude am Hund, beim Agility-Training, kommen Hund und Herrchen ganz schön ins Schwitzen. Aber nach über einem Jahr Corona ist das gar keine schlechte Idee, da kam der Sport ja oft zu kurz. Elena Riess ist Hundetrainerin. Wegen der Pandemie ist sie jetzt so gefragt wie nie zuvor.

"Wir haben auf jeden Fall viel mehr Hunde und auch viele verzweifelte Hundebesitzer, die gerade mit Welpen maßlos überfordert sind. Weil Welpen haben einfach einen ganz bestimmten Anspruch, die müssen ja alles noch lernen."

Elena Riess, Hundetrainerin, München

Elena zeigt Veronika Keller, wie man so einen Agility-Parcours meistert. Bei ihr sieht es leicht aus, aber es ist schwieriger, als man denkt.

"Es ist so ein bisschen wie Tanzen. Du führst ihn da drüber, nimmst die linke Hand, führst ihn in die Situation rein, nimmst den Slalom."

Elena Riess, Hundetrainerin, München

Corona Pandemie: Hunde sind gefragt

Nächste Station für Veronika Keller ist Familie Adrian in Dachau. Die haben gleich zwei Hunde, die seit Januar bei ihnen im Münchener Norden wohnen. Und die beiden bringen so richtig Trubel ins Haus.

"Manchmal wollen die nicht aufs Wort gehorchen ...
Wenn jetzt Hunde vorbeilaufen, dann knurren und bellen die schon richtig laut. Wenn Yara und ich in der Schule sind und die Mama in der Arbeit ist, dann zerkaut der braune Hund die ganzen Schuhe ...
Wir flicken die dann mit Kabelbindern. Da haben wir uns dann relativ schnell Hilfe geholt, weil wir keine Erfahrung mit Hunden hatten. Man muss halt den Hunden zeigen, wer der Boss ist."

Familie Adrian

Die Adrians haben sich Verstärkung geholt: Hundetrainer Ben Scheppan darf jetzt nach dem Lockdown endlich wieder Hausbesuche machen. Die Nachfrage ist riesig.

"Die Hundebesitzer haben sich verdreifacht. Und ich kriege mittlerweile zwei bis dreimal so viele Anfragen, wie ich normalerweise habe. Im Endeffekt ist ja Hundetraining gar nicht so sehr Training mit dem Hund, sondern hat mehr mit den Menschen zu tun. Geduld ist das Wichtigste. Und: Jeder kann es hinkriegen."

Ben Scheppan, Hundetrainer

Vor dem Gartenzaun laufen mehrere Spaziergänger vorbei. Die beiden Hunde drehen auf, was sich für Außenstehende schon wild anhört. Trainer Ben Scheppan zeigt der Familie Adrian Übungen, um die Aufmerksamkeit der Hunde zu trainieren und ihnen gleichzeitig die Hierarchie klarzumachen, die im Haus gilt. Auf jeden Fall halten die zwei Hunde die Familie fit. Sogar aufs Trampolin gehen die Hunde gern. Und auch der Seele tun sie gut – gerade in der Pandemie.

"Wunderschön ist, dass man einfach nicht allein zu Hause ist, dass Gesellschaft da ist. Ein Hund ist ein enorm soziales Wesen und ein Hund gibt einem einfach bedingungslose, grenzenlose Liebe. Und das ist natürlich schon was Schönes."

Julia Adrian

Tierbegleitete Therapie: Hunde als Co-Therapeuten?

Diesen Effekt nutzen professionelle Therapeuten. Praxishund Beppi ist für die Patienten von Marianne Rappenglück nicht wegzudenken. Die bekannte Schauspielerin ist auch Heilpraktikerin für Psychotherapie.

"Der Clou der Sache liegt darin, dass die Beppi riecht, wenn jemand traurig ist, wenn jemand aggressiv ist. Die Beppi ist eine ziemlich gute Diagnostikerin. Sie legt dann den Kopf auf den Schoß und lässt sich streicheln und den Menschen, den das nicht beruhig, den gibt es nicht. Der Puls geht runter und dem Menschen ist wohler."

Marianne Rappenglück, Heilpraktikerin

Tierbegleitete Therapie nennt sich das und kommt bei ihren Patienten gut an. Die Therapeutin hat auch eine Erklärung dafür, warum sich viele jetzt in der Krise ein Haustier angeschafft haben.

"Menschen entwicklen da eine Sehnsucht. Wir sind einsam in dieser Zeit. Wenn ich mich nicht mehr so einsam fühle, weil ich das Viecherl um mich rum hab, dann ist mein Leben besser in der Qualität. Und ebenfalls wichtig: Der Hund schafft Struktur."

Marianne Rappenglück, Heilpraktikerin

Hunde, Katzen und Co

Aber Hunde sind nicht die einzigen Tiere, die in der Pandemie im Trend liegen. Ins Café Katzentempel in München kommen viele Kunden um mit den sieben hauseigenen Kätzchen zu kuscheln – nur während des Lockdowns war das nicht möglich.

"Es ist frustrierend. Gerade wenn man die menschlichen Kontakte so viel reduzieren muss, wie es nur irgendwie geht, dann wäre es natürlich für unsere Gäste schöner, sich wenigstens mit Tieren beschäftigen zu können. Tiere geben einem auch viel zurück. Man hat die Wärme, einen Gesprächspartner. Am liebsten laufen die Katzen wirklich von Gast zu Gast, streicheln sich bei allen mal durch, zeigen wie schön sie sind."

Laura, Mitarbeiterin im Café Katzentempel

Die fehlenden Streicheleinheiten haben sich die Miezen dann bei uns abgeholt. Aber nicht nur Kleintiere sind im Trend. Im Pferdegut Kastenseeon trifft Gesundheit! Reporterin Veronika Keller Paula, Enia und Romy.

"Es ist eigentlich eine Leidenschaft. Ich weiß gar nicht, was ich ohne Pferde machen würde. Mit denen kann man halt kuscheln, mit denen kann man alles machen."

Paula

In der Reithalle ist auch bei schlechtem Wetter genug Platz für Trab, Schritt und Galopp. Und eigentlich ist der Abstand zwischen Trainerin Conny Kratzer und ihren Schülerinnen immer gegeben. Die sitzen ja schließlich hoch zu Ross. Aber trotzdem war der Unterricht im Lockdown verboten.

"Jetzt sind wir froh, dass es wieder ein bisschen aufwärts geht, dass wir wieder ein bisschen was machen können. Diese Zeit war schon schlimm. Es war wirklich auch für viele Kinder sehr schlimm. Viele Rückmeldungen von Eltern, die sagen: Die Kinder sind so traurig, dass sie nicht zu den Ponys können. Und ich muss denen dann sagen: Ich kann nichts machen, ihr könnt nicht herkommen."

Conny Kratzer, Reitlehrerin

Reiten ist anspruchsvoller, als sich das viele vorstellen. Es hält fit und der Kontakt zum Pferd tut der Seele gut. Und: Reiten ist richtig Sport, mehr als nur Draufsitzen. Fest steht: Tiere können uns gut tun. Sie halten uns fit und helfen uns, auch seelisch im Gleichgweicht zu bleiben.


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