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Corona und Diabetes Typ 1 bei Kindern Diabetes-Studie: Daten für Corona-Forschung

Diabetes Typ 1 tritt oft schon bei Kindern auf. Kinderärzte empfehlen deshalb einen Bluttest zur Früherkennung. Forscher untersuchen die Proben jetzt auch auf Antikörper gegen das Coronavirus.

Von: Veronika Keller

Stand: 08.06.2020

Eigentlich hat das Forschungsgebiet von Prof. Annette Ziegler und ihrem Team mit der aktuellen Pandemie nicht viel zu tun. Bei ihrer „Fr1da-Studie“ geht es um die Früherkennung von Diabetes Typ 1 bei Kindern. Doch jetzt zeigt sich: Die Daten, die sie sammelt, könnten auch extrem wertvoll für die Corona-Forschung sein.

"Die Familien können jetzt gleichzeitig an der Diabetes-Früherkennung teilnehmen und Infos darüber bekommen, ob das Kind eine Infektion mit Covid 19 durchgemacht hat."

Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München

Diabetes Typ 1: Insulin ein Leben lang zuführen

Unter der Stoffwechselerkrankung Diabetes Typ 1 leiden in Deutschland etwa 0,4 Prozent der Bevölkerung. Bei Patientin Ina Vollrath machte sich die Krankheit um die Zeit ihrer Konfirmation bemerkbar. Sie erinnert sich noch gut an die ersten Symptome.

"Man ist kaputt, man hat keine Kraft. Und man hat einfach nur Durst. Man trinkt und trinkt und geht auf die Toilette und dann kommt man wieder und denkt: Ich habe schon wieder Durst."

Ina Vollrath

Im Krankenhaus kam damals die unerwartete Diagnose: Diabetes Typ 1. Bei dieser Autoimmunerkrankung fehlt dem Körper Insulin. Das braucht er, um aus Kohlenhydraten Energie zu gewinnen. Fehlt es, drohen schwere Komplikationen. Um das zu vermeiden, müssen sich Betroffene ihr Leben lang Insulin zuführen. Das geht mit Spritzen oder, wie bei Ina Vollrath, mit einer automatischen Pumpe. Inzwischen hat sie sich an das Leben mit der Krankheit gewöhnt.

Diabetes Typ1: Immer mehr Menschen betroffen

Die meisten Diabetiker leiden an Typ 2 der Krankheit. Typ 1 haben nur fünf bis zehn Prozent. Im Gegensatz zu Typ 2 tritt Typ 1 oft schon bei sehr jungen Menschen auf. Deswegen wurde die Fr1da-Studie ins Leben gerufen. Sie setzt darauf, Diabetes Typ 1 bei Kindern zu erkennen, bevor er Symptome macht. Die Krankheit hat zwar eine erbliche Komponente, kann aber jeden treffen. Wodurch Typ 1 genau ausgelöst wird, ist unklar.

"Diabetes nimmt zu. Es gibt fast eine Verdoppelung der Erkrankungsrate alle zehn bis 15 Jahre. Man weiß nicht ganz genau, was die Ursachen dafür sind. Die Hygiene verändert sich, die Viren, es verändern sich die Impfungen und viele Immunstimula, sodass es sein kann, dass einfach ungünstigere Bedingungen vorhanden sind."

Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München

Diabetes Typ 1: Früherkennung bei Kindern

Die Früherkennung kann jedes Kind beim Kinderarzt machen. Dr. Wolfgang Landendörfer rät zum Diabetes-Test. Denn wer Bescheid weiß, kann sich vor bedrohlichen Situationen schützen, die ein unerkannter Diabetes mit sich bringt.

"Der gesamte Stoffwechsel kommt durcheinander. Die Mineralstoffe im Blut passen nicht mehr. Letztlich kann diese Überzuckerung sogar bis zur Bewusstlosigkeit führen und kann bleibende Schäden am Gehirn hinterlassen. Das wollen wir verhindern."

Dr. med. Wolfgang Landendörfer, Kinder- und Jugendmediziner, Nürnberg

Um zu bestimmen, ob ein Kind eines Tages an Diabetes Typ 1 erkranken wird, reicht eine kleine Menge Blut. Im Labor des Instituts für Diabetesforschung wird die Probe auf so genannte Inselautoantikörper untersucht. Sind mindestens zwei solcher Antikörper vorhanden, ist mit Diabetes zu rechnen.

Therapieversuch für Kinder

Seit mehr als fünf Jahren läuft die Fr1da-Studie schon. Inzwischen ist „Fr1da-plus“ dazu gekommen: ein Therapieversuch für die Kinder, deren Frühtest positiv ist.

"Was wir machen wollen, ist ähnlich wie eine Desensibilisierung bei einer Allergie. Wir wollen das Immunsystem trainieren, dass es Insulin wieder als körpereigen erkennt. Deswegen versuchen wir, dieses Insulin als Pulver zum Essen zu geben und versuchen so, das Immunsystem zu sensibilisieren, also zu überlisten."

Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München

Die Vollraths machen mit bei Fr1da plus. Denn die Früherkennung hat gezeigt: Ina Vollraths Kinder Klara und Jakob sind positiv. Oral hat Insulin keine direkte Wirkung – aber es könnte ihr Immunsystem beeinflussen.

Blutproben: Testung auf Antikörper gegen das Coronavirus

Jetzt hilft die Familie mit der Teilnahme an der Studie auch der Corona-Forschung. Denn die Wissenschaftler testen die Blutproben, die regelmäßig genommen werden, nun auch auf Antikörper gegen das neue Virus. Prof. Ziegler und ihr Team können nicht nur die Proben testen, die neu eingehen, sondern auch die alten, gesammelten.

"So können wir auch rückwirkend Aussagen machen, sodass wir sagen können, wann die ersten Fälle überhaupt aufgetreten sind. Wir wollen in der Testung zurückgehen bis August 2019."

Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München

Damit werden neue Erkenntnisse über die Ausbreitung von Covid 19 möglich. Auch regionale Hotspots könnten identifiziert werden. Bis zum Herbst will ihr Team mit den alten Proben durch sein. Sie sind gespannt auf die Ergebnisse.


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