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Pneumologie So rüstet sich eine Lungenklinik gegen das Coronavirus

Ist die Lunge betroffen, verläuft eine Corona-Infektion ernst. Westlich von München bereiten sich die Spezialisten einer Lungenklinik auf mögliche Patienten vor. Zwei Verdachtsfälle gab es schon.

Von: Veronika Keller

Stand: 09.03.2020

Frühbesprechung auf der Intensivstation. Die Klinik für Pneumologie in Gauting ist spezialisiert auf Lungenerkrankungen und wäre als Pandemiezentrum eine der großen Anlaufstellen für Covid-19-Patienten in Bayern. Bestimmte Betten werden gerade für mögliche Corona-infizierte Patienten freigehalten.

"Viele sind ja jung und gesund, selbst wenn sie diesen Virus haben. Es ist so, dass hier nur Patienten ankämen, die invasiv beatmet werden müssen oder extrem respiratorisch insuffizient sind, dass sie eine intensive Überwachung bräuchten."

Michael Schäfer, Betreuung Intensivstation, Asklepios Klinik Gauting

Michael Schäfer testet das Beatmungsgerät, denn das wäre bei einer schweren Lungenentzündung, wie sie das Coronavirus auslösen kann, die wichtigste Maßnahme. Dass die Maschine einsatzbereit ist, zeigt das Pumpen der so genannten Prüflunge an. Man könne sofort mit der Beatmung starten, invasiv, nicht invasiv, mit Maske, mit Tubus, mit allem, bestätigt Schäfer.

China: Vor allem Menschen über 65 auf Intensivstationen

Neu veröffentlichte Zahlen aus China zeigen: Auf die Intensivstation kommen wegen des Coronavirus vor allem Menschen über 65 Jahre, besonders wenn sie andere Lungen-, Nieren oder Herzerkrankungen haben. Dann kann das Virus schlimmstenfalls ein Multiorganversagen nach sich ziehen und sogar zum Tod führen.

Die meisten Lungenentzündungen werden von Bakterien ausgelöst. Mit viralen Varianten hat Chefarzt Dr. Nowak aber auch zu tun, zum Beispiel als Folge einer Influenza – und zukünftig wohl auch durch das Coronavirus.

"Das ist bei der Corona- oder SARS Cov2-Infektion so, dass diese Viren vor allem im Nasenrachenraum entstehen und sich vermehren, deswegen ja auch der Halsschmerz als eines der Symptome. Und bei Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist durch andere Erkrankungen, kann diese Infektion dann über die Atemwege die Lunge erreichen und zur Lungenentzündung führen."

Dr. med. Lorenz Nowak, Chefarzt Intensiv-, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Asklepios Klinik Gauting

Sind die Viren einmal über den Rachen in die Lunge gelangt, füllen sich dort die Hohlräume zwischen den Lungenbläschen und dem Gewebe mit Eiter und Wasser. Dadurch stehen sie für den Austausch der Atemgase nicht mehr zur Verfügung – die Lunge wird schwächer.

"Das ist eine Entzündung wie eine Entzündung an der Haut mit Rötung, mit Eiter. Das ist das, was Sie dann als Sekret auch abhusten, was dann gelblich aussehen kann, und auch eine Vorwarnung für den Patienten sein kann, dass es, wenn er so ein Sekret abhustet, sich um eine Pneumonie handeln kann."

Dr. med. Lorenz Nowak, Chefarzt Intensiv-, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Asklepios Klinik Gauting

Nachweisen lässt sich eine Lungenentzündung erst anhand eines Röntgenbilds oder einer Computertomographie. An weißen Infiltrationen ist sie erkennbar.

Ein Medikament zur Behandlung von Covid-19 hat das Klinikpersonal bisher nicht zur Verfügung. Sie können das Organ nur mit Beatmung unterstützen – abgesehen davon muss die Krankheit alleine ausheilen. Die allermeisten Coronainfizierten werden davon nicht betroffen sein. Bei jungen, gesunden Menschen verläuft die Erkrankung eher mild.

Schutzkleidung und Sicherheitsschleuse

Wer eine Behandlung braucht, aber nicht intensivpflichtig ist, käme in Gauting auf die Infektionsstation. Dr. Heiß-Neumann und ihr Team sind den Umgang mit ansteckenden Patienten gewöhnt. Trotzdem treffen sie Vorsichtsmaßnahmen. Für Coronapatienten hat das Team einen speziellen Bereich definiert, dort würden diese exklusiv behandelt. Pro Schicht solle ein Mitarbeiter abgestellt werden, der diese Patienten versorge, so Dr. Heiß-Neumann.

Die vorgeschriebene Schutzkleidung fürs Personal ist die gleiche wie bei Influenza-Patienten. Das Robert Koch Institut empfiehlt Krankenhäusern, Covid-19-Patienten möglichst in Isolierzimmern wie diesem unterzubringen. Zwei Verdachtsfälle lagen hier bereits – waren dann aber negativ. Das besondere an dem Zimmer ist, dass es eine Schleuse hat. Die Schutzkleidung wird vor dem Verlassen des Zimmers entsorgt – und die Viren bleiben drin. Dr. Heiß-Neumann blickt wachsam, aber zuversichtlich in die nächsten Wochen.

"Das Gute ist, dass für die allermeisten von uns die Infektion kein großes Risiko, kein großes Problem darstellen wird. Bestimmt 80 Prozent der Fälle, so sagen die letzten Daten, sind milde bis asymptomatische Verläufe."

Dr.med. Marion Heiß-Neumann, Infektiologie Asklepios Klinik Gauting

Sollte eine große Corona-Welle ihre Station rasch füllen, gibt es Ausweichmöglichkeiten: Wegen eines Umbaus steht in Gauting gerade eine leere Station zur Verfügung, die ausschließlich mit Corona-Infizierten belegt werden könnte.


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