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Gesunde Ernährung Chlorophyll – Superfood oder Hype?

Chlorophyll ist als gesunder Pflanzenstoff gerade voll im Trend – und Grünkohl ist eine regelrechte Chlorophyll-Bombe. "Gesundheit!" geht dem grünen Fitmacher auf den Grund: auf dem Feld und im Labor.

Von: Florian Heinhold, Veronika Keller

Stand: 08.02.2021

Smoothies liegen seit einigen Jahren im Trend, besonders grüne Smoothies sollen gesund sein. Dafür braucht man jede Menge Obst, Flüssigkeit, und ganz wichtig: möglichst viel Blattgrün. Denn da ist Chlorophyll drin. Das kennen manche vielleicht noch aus dem Biologie-Unterricht: der grüne Farbstoff der Pflanzen, der für die Fotosynthese wichtig ist, also für die Herstellung von Sauerstoff.

Chlorophyll - enthalten in Grünkohl, Petersilie, Spinat und Brokkoli

Manche Internetforen und Websites preisen Chlorophyll als das reinste Zaubermittel an. Es soll sogar vor Krebs und Demenz schützen und den Körpergeruch verbessern. Den höchsten Chlorophyll-Gehalt, 230 mg pro 100g, hat Grünkohl. Der passt als Wintergemüse bestens in die Jahreszeit. Nur blöd: Er ist hier in Bayern ganz schön schwer zu kriegen. Wer ohne Grünkohl an Chlorophyll kommen will, der kann es versuchen mit Petersilie, die 212 mg enthält, Spinat mit 115 mg und Broccoli mit 32 mg auf einhundert Gramm.

Chlorophyll-Bombe Grünkohl

Landwirt Gerhard Herboldsheimer baut Grünkohl, der sonst eher in Norddeutschland zu finden ist, im Knoblauchsland bei Nürnberg an.

"Also mit der Ernte fangen wir traditionell nach dem ersten Frost an. Er wird jetzt in den Wintermonaten ein bisschen süßer. Dann hat er einfach in den Blättern einen höheren Zuckergehalt."

Gerhard Herboldsheimer, Landwirt

Sternekoch Andree Köthe ist ein guter Kunde von Gerhard Herboldsheimer. Er holt sich die Ware frisch vom Feld. Andree Köthe betreibt zwar ein Restaurant in Nürnberg, ist aber in Nordhessen aufgewachsen – mit viel Grünkohl.

"Ich finde es ein spannendes Gemüse, weil es eine ganz andere Textur hat und geschmacklich unglaublich intensiv ist. Das kann sehr gut Fleisch ersetzen."

Andree Köthe, Sternekoch

Positive Wirkung bei der Darmkrebsprävention

Um den Einfluss von verschiedenen Stoffen auf den Darm zu testen, wird am Universitätsklinikum Erlangen mit echtem Darmgewebe experimentiert.

"Fakt ist, dass Chlorophyll, wie so viele andere Pflanzenstoffe, wichtig für uns sein kann, einen gesundheitlichen Vorteil bringen kann. Pflanzenstoffe können nachweislich die Entzündungsreaktion im Körper senken, Radikale abfangen. Aber es ist auch so, dass wahrscheinlich eher der Zusammenschluss von verschiedensten Faktoren den besten Effekt hat."

Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, Ernährungsmedizinerin, Universitätsklinikum Erlangen

Die Wirkung von Chlorophyll komplett isoliert zu beurteilen, ist schwierig. Es ist einer von mehreren wichtigen sekundären Pflanzenstoffen. Und als solcher hilft es dem Körper bei der Aufnahme von Eisen und wirkt antioxidativ - eine wichtige Eigenschaft des grünen Pflanzenstoffs, die auch bei der Krebsprävention eine Rolle spielt.

"Das ist definitiv nachgewiesen, vor allem beim Darmkrebs gibt es ganz klare Anzeichen und Empfehlungen, dass eine Anreicherung von Gemüse uns schützt, ein Darmkarzinom zu bekommen."

Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, Ernährungsmedizinerin, Universitätsklinikum Erlangen

Was den angeblich positiven Effekt auf den Körpergeruch angeht, gibt es leider keine seriösen Studien. Überhaupt warnt die Expertin vor allzu übertriebenen Erwartungen – vor allem an Chlorophyll-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel: "Es ist mit Sicherheit nicht zu empfehlen, Chlorophyll als Tablette oder Pulver einzunehmen oder andere Supplemente. Wenn man sich gesund erhalten will, soll man sich gesund ernähren."


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