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Trendsport Bouldern Training für Muskeln und Kopf

Beim Bouldern klettern die Sportlerinnen und Sportler ohne Absicherung - dafür nicht so hoch. Dass trotzdem viel Technik und Mut erforderlich sind, erlebt Reporterin Veronika Keller bei ihrem ersten Tag in der Boulderhalle.

Von: Annette Hammerschmidt, Kathrin Wiewe

Stand: 08.10.2019

Wer nicht ganz schwindelfrei ist und wem die großen Kletterwände zu hoch sind, der kann das Bouldern für sich entdecken. Denn da die Routen kürzer sind und nicht ganz so hoch hinaufgehen, ist Bouldern auch für Kletteranfänger gut geeignet. Geklettert wird in Absprunghöhe - bis circa vier Meter - ohne Seil. Reporterin Veronika Keller probiert die Sportart zum ersten Mal - unterstützt wird sie dabei von Florian Reitze. Er ist Trainer für Sportklettern und seit 25 Jahren in der Wand unterwegs.

Die Ausrüstung

Beim Bouldern ist bequeme Kleidung wichtig, die nicht zu eng sitzen sollte, damit sie die Bewegungsfreiheit nicht einschränkt. Beim Hochklettern wird es sehr warm, sobald man wieder unten ist, friert man leicht. Deswegen: Pulli oder Jacke zum Drüberziehen mitnehmen. Die passenden Schuhe können Anfänger in den meisten Boulderhallen ausleihen. Die Schuhe sind anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, sie müssen sehr eng sitzen, damit man beim Klettern einen guten Halt auf den Tritten hat. Magnesia hilft, die Hände trocken zu halten. Gurte, Seile und Karabiner brauchen Boulderer nicht.

Aufwärmen

Aufwärmen ist notwendig, um den Körper zu durchbluten und Verletzungen vorzubeugen - entweder mit kleinen Gymnastikübungen oder einem kurzen Warmlaufen. Dann sind die Finger dran, sie haben kaum Muskeln, müssen aber beweglich gemacht werden, genauso wie Schultern und Rumpf, die beim Bouldern ebenfalls stark beansprucht werden. Zum Schluss üben Florian und Veronika, wie man sich abrollt, um beim Absprung die Gelenke zu schonen. Dann beginnt die erste Route, bei der Veronika alle Griffe benutzen darf, um sich ans Bouldern zu gewöhnen.

Training für Körper und Geist

Wichtig ist es, sein Gewicht zu verlagern und mit dem Schwerpunkt nah an der Wand zu bleiben. Bouldern erfordert mehr Denkarbeit als pure Kraft: Man muss die richtige Griff-Tritt Abfolge finden. Das Fokussieren auf die Bewegungen ist der Grund, warum Bouldern auch als Therapieform z.B. in der Behandlung von Burnout-Patienten eingesetzt wird, sowie als Mentaltraining. Die Muskeln bekommt man dann automatisch an der Wand.

"Es ist halt viel Kopfsache, je nachdem wie man an den Boulder herangeht, schafft man ihn oder eben nicht. Also: Wie setze ich den Fuß? Wie halte ich den Griff? Wie verschiebe ich meinen Schwerpunkt? Man muss wirklich nachdenken und mit dem Kopf arbeiten."

Timo, Boulderer

"Wenn man viel sitzt, zum Beispiel in der Arbeit, dann ist es ein super Ausgleichssport, weil’s ein bisschen den Nacken auflockert. Man kann sich an der Wand schön bewegen und es macht natürlich etwas für den Rücken."

Verena, Bouldererin

Der Wettkampf

Im Wettkampf muss der vorgegebene Boulder (so wird die Route genannt) von den markierten Startgriffen und -tritten bis zum letzten, ebenfalls markierten Topgriff durchstiegen und dann mit den Händen drei Sekunden gehalten werden.

Jetzt beginnt Veronikas erster kleiner Boulder-Wettkampf: Die Männer in ihrer Gruppe schaffen die Route problemlos. Als nächstes starten Verena und Veronika. Sie müssen wie im richtigen Wettkampf den Boulder in möglichst wenigen Versuchen durchsteigen. Gewertet werden nur komplette Durchstiege, oder das Erreichen der mittleren Zone, die hier gelb ist. Auch Verena kommt ohne Schwierigkeiten oben an. Veronikas Arme sind vom Training schon etwas schwer geworden, sie hat Angst abzurutschen. Um den Topgriff mit beiden Händen zu fassen, reicht ihre Kraft nicht mehr aus. Trotzdem hat sie den Boulder geschafft.

Damit die Schulter- und Bizeps-Muskeln nicht verkürzen sind ein paar Dehnübungen am Ende der Bouldersession wichtig.

"Also meine Unterarme sind Wackelpudding, mit meinen Fingern geht heute auch nicht mehr so viel, aber es hat richtig Spaß gemacht. Ich hab das Gefühl, Bouldern ist richtig gut zum Abschalten!"

Veronika Keller, Reporterin


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