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Unangenehme Beschwerden Blasenentzündung – Was hilft wirklich?

Ständiger Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen, Unterleibskrämpfe: typische Symptome einer Blasenentzündung. Vor allem Frauen sind betroffen, bei vielen kommt es immer wieder zu Infektionen. Gesundheit! zeigt, was man tun kann, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Von: Julia Richter

Stand: 16.09.2019

Ständig Müssen müssen...

Beim ersten Ziehen wusste Gunilla – jetzt geht es wieder los. Die nächste Blasenentzündung stand an. Bis zu sechs Infektionen hatte sie im Jahr.

"Wenn ich eine Blasenentzündung hatte, war das ein wahnsinniges Stechen im Unterleib. Man hatte den Eindruck, man muss permanent auf die Toilette. Man weiß auch gar nicht, was man gegen den Schmerz machen soll, weil das einfach unerträglich ist. Jemand, der das noch nie hatte, kann sich gar nicht vorstellen, wie wahnsinnig weh das tut."

Gunilla, München

Hat sie es akut, hilft nicht nur Wärme und hinlegen, meist bekommt sie ein Antibiotikum. Nicht selten fährt sie deswegen am Wochenende in die Notaufnahme, weil sie die Schmerzen nicht aushält.

So wie ihr geht es vielen Frauen – fast jede zweite hat einmal im Leben mit einer Blasenentzündung zu kämpfen. Viele trauen sich dann kaum noch aus dem Haus, weil sie nicht mehr von der Toilette kommen. Manche haben sogar Blut im Urin. Auch trüber, streng riechender Urin deutet auf eine sogenannte Zystitis hin.

Ursachen einer Blasenentzündung

Ausgelöst wird sie oft durch Erreger aus dem Darm z.B. E. Coli Bakterien. Diese gelangen in die Harnröhre und wandern in die Blase. An der Schleimhaut heften sie sich fest und lösen eine Entzündung aus. Weil Frauen eine viel kürzere Harnröhre haben als Männer und Darmausgang und Harnröhre näher beieinanderliegen, sind Frauen sehr viel häufiger betroffen. Daneben gibt es aber noch andere Faktoren, die eine Infektion begünstigen:

"Einmal liegt es natürlich an der Anatomie - der sehr viel kürzeren Harnröhre. Aber viel wichtiger ist die individuelle Abwehr, also die vaginale lokale Abwehrsituation, die bestimmt wird durch die Scheidenflora und durch die Darmflora. Wenn man z.B. ein Antibiotikum genommen hat, kann es zu einer Fehlbesiedelung kommen. Die Keime haben dann wieder ein leichteres Spiel. Hormone haben einen wichtigen Einfluss z.B. in der Schwangerschaft oder auch in der Menopause – und dann genetische Faktoren."

Prof. Dr. med. habil. Ricarda M. Bauer, Fachärztin für Urologie München

Auch falsche Intimpflege, Unterkühlung und Geschlechtsverkehr können eine Infektion auslösen.

Die richtige Diagnose

Gerade bei wiederkehrenden Infekten sollte man die Gründe beim Urologen abklären lassen. Zum Beispiel, ob sich Restharn bildet. Wird die Blase nicht vollständig entleert, bleibt immer etwas Urin drin, Bakterien setzten sich leichter an der Blaseninnenwand fest und können Infektionen hervorrufen. Ein Ultraschall kann deswegen sinnvoll sein.

Ein erster Streifentest gibt Aufschluss darüber, ob Bakterien im Urin sind. Dabei wird unter anderem auch der Wert der weißen Blutkörperchen ermittelt. Ist dieser erhöht, deutet das auf eine akute Entzündung hin. Auch Nitrat ist ein Anzeichen für einen Bakterienbefall. Diese Streifentests kann man in der Apotheke selbst kaufen, um schnell Klarheit zu haben.

Auch eine Blasenspiegelung kann im Zweifel sinnvoll sein, um ernstere Erkrankungen und Fehlbildungen auszuschließen. Gerade bei wiederkehrenden Infektionen und bei Symptomen wie Fieber und Blut im Urin oder Schmerzen in der Nierengegend sollte man genau gucken, welche Bakterien die Entzündung auslösen. Dazu wird der Urin untersucht und eine Kultur angelegt. So kann im Zweifel ein passgenaues Antibiotikum verschrieben werden. In den neusten Leitlinien wird empfohlen, es zunächst ohne Antibiotikum zu versuchen. Das gelingt aber nicht immer.

"Wenn die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht verschwinden, wenn man Fieber bekommt, Flankenschmerzen oder zu einer Risikogruppe gehört wie z.B. eine Schwangere, dann muss man zum Arzt gehen und dann braucht man auch häufiger ein Antibiotikum."

Prof. Dr. med. habil. Ricarda M. Bauer, Fachärztin für Urologie München

Was hilft sonst noch gegen Blasenentzündung?

Grundsätzlich gilt: viel trinken. Drei Liter sollten es bei einer akuten Infektion sein, um die Blase durchzuspülen. Am besten sind Wasser oder ein Nieren- und Blasentee. Auch Bärentraubenblätter oder Schachtelhalmtees sind geeignet.

Vielen tut Wärme gut – am besten eine Wärmflasche oder einen Schal nehmen. Auch Ibuprofen ist geeignet, es lindert die Schmerzen und wirkt entzündungshemmend. Im Idealfall heilt eine Blasenentzündung nach ein paar Tagen von alleine aus.

Gegen Blasenentzündung gibt es viele pflanzliche Mittel, die Besserung versprechen. Viele Patientinnen – wie auch Gunilla – probieren es mit Cranberry-Produkten. Die roten Beeren enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte PAC: Sie sollen das Anhaften von Bakterien in der Blase verhindern und Infektionen vorbeugen. Ob Saft, Tabletten, Pulver oder als Beere – das Angebot ist riesig.

"Die Studienlage für Cranberry-Produkte ist leider nicht so überzeugend. Auch, weil die Studien zum Teil nicht wirklich gut gemacht worden sind. Was wir heute wissen: Cranberry-Produkte muss man zwei Mal am Tag nehmen, weil sie ungefähr nur 12 Stunden wirken. Und die Tagedosis muss mindestens einen PAC-Gehalt von 72 mg enthalten."

Prof. Dr. med. habil. Ricarda M. Bauer, Fachärztin für Urologie München

Besser belegt ist die Wirkung von Meerrettich und Kapuzinerkresse: Beides wirkt entzündungshemmend und kann die Rückfallquote senken. Die Wirkstoffe gibt es als Tabletten. Helfen kann auch D-Mannose. Das ist ein spezieller Zucker, der Bakterien bindet und verhindert, dass sie sich an der Blasenwand festsetzen. Die Erreger werden quasi mit dem Urin ausgeschieden. Es gibt ihn als Pulver oder als Tabletten – in der Apotheke oder günstiger in der Drogerie.

"Die D-Mannose kann man sowohl im akuten Stadium als auch zur Prophylaxe verwenden, allerdings nur bei E. Coli Infekten. Die Leitlinie empfiehlt es – sowohl akut als auch in der Prophylaxe und es wird wirklich gut vertragen."

Prof. Dr. med. habil. Ricarda M. Bauer, Fachärztin für Urologie München

Vorbeugen kann sinnvoll sein

Damit es gar nicht zu einer Infektion kommt, hat Gunilla noch einen Tipp:

"Also, ich achte darauf, dass ich immer warme Füße habe, dass ich nicht auf kaltem Stein-Fußboden laufe. Wenn ich mit den Kindern baden gehe, habe ich mindestens immer zwei Wechselbadeanzüge dabei und auf keinen Fall liege ich mit nassem Badeanzug länger irgendwo."

Gunilla, München

Um die Scheidenflora aufzubauen - gerade nach den Wechseljahren - können Östrogencremes oder Zäpfchen helfen. Vorbeugend wirken auch Probiotika - als Vaginalkapsel oder Pulver zum Einnehmen. Auch die richtige Hygiene ist wichtig:

"Auf der Toilette von vorne nach hinten wischen, wenn man empfindlich ist, nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette gehen und die Blase entleeren, die Slipeinlage regelmäßig wechseln und die Unterwäsche regelmäßig wechseln."

Prof. Dr. med. habil. Ricarda M. Bauer, Fachärztin für Urologie München

Und trotzdem kommt es bei manchen Patienten immer wieder zu einer Harnwegsinfektion. Dann kann es sinnvoll sein, über eine Impfung nachzudenken. Sie lohnt sich besonders für diejenigen, die mehrmals im Jahr erkranken. Es gibt zwei Anbieter - eine Impfung ist zum Spritzen - eine zum Schlucken. Die Grundimmunisierung kostet etwa 100 Euro.

"Die orale Impfung besteht aus deaktivierten Escherichia Coli Stämmen und die Spritzenimpfung besteht aus fünf verschiedenen Bakterien-Stämmen. Individuell muss man entscheiden, was braucht die einzelne Patientin. Beide Impfungen haben sich sehr bewährt, leider müssen die Kosten von den Patientinnen selbst getragen werden, die Krankenkassen übernehmen das nicht."

Prof. Dr. med. habil. Ricarda M. Bauer, Fachärztin für Urologie München

Auch Gunilla hat sich vor längerer Zeit impfen lassen. Mit Erfolg. Heute geht es ihr gut. Das dreimonatige Einnehmen der Tabletten war etwas lästig, doch sie ist froh, es gemacht zu haben.

"Das ist natürlich eine ganz neue Lebensqualität, wenn man weiß, man kriegt keine Blasenentzündung mehr und das ständige Kranksein und Antibiotika-Einnehmen fühlt sich natürlich auch nicht gut an und ist nicht gut für den Körper. Insofern bin ich wahnsinnig froh, dass ich das gemacht habe."

Gunilla, München


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