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Bergboom in der Pandemie Sicher am Berg

Seit Beginn der Corona Pandemie gibt es einen regelrechten Ansturm auf die regionalen Berge. Immer wieder geraten Wanderer in Not und müssen von der Bergwacht gerettet werden. Manche Einsätze wären durch die richtigen Sicherheitsvorkehrungen vermeidbar gewesen.

Von: Nora Zacharias

Stand: 14.09.2021

Diese Saison: Erneut hohe Einsatzzahlen der Bergwacht Bayern

Den Berg-Boom der letzten Jahre spürt auch die Bergwacht Bayern an ihren Einsatzzahlen. Waren es im Sommer 2017 noch 2836 Einsätze, steigen die Einsätze 2019 bereits auf 3417. Im letzten Corona-Jahr waren es 3482. Die Sommer-Saison ist noch nicht zu Ende, die offiziellen Zahlen noch nicht veröffentlicht. Aber laut Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern, sind auch dieses Jahr die Zahlen wieder hoch. Stürze und internistische Notfälle sind die häufigsten Ursachen für die Einsätze. Letzten Sommer sind in den Bergen 63 Menschen gestorben, davon 36 aus internistischen Gründen.

"Es sind eigentlich erst einmal Sport und Unfallverletzungen, die genauso wie im Tal einfach am Berg stattfinden. Nur in einem anderen Szenario und deswegen natürlich auch mehr Aufwand sind für einen Rettungseinsatz."

- Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern

Der Bergwacht fällt auf: Die Zahl der Unverletzten ist gestiegen. Denn viele Menschen unterschätzen ihre Reserven, haben die falsche Ausrüstung dabei und müssen in Situationen, in denen sie nicht mehr weiterkönnen gerettet werden.

Die richtige Ausrüstung: Ranger klären im Schliersee-Gebiet auf

Einer der Gründe, warum der Ranger Horst Jenicek zwischen Taubenstein und Rotwand im Schlierseegebiet unterwegs ist. Da besonders diese Region seit Corona so überlaufen ist, hat der Tourismusverband hier vermehrt Ranger im Einsatz. Die sollen die Besucher über Naturschutz aufklären, aber auch über Sicherheit am Berg.
Ein Fokus von Horst Jenicek:

"Die richtige Ausrüstung bedeutet, dass man immer ein vernünftiges Schuhwerk dabei hat. Dass man einen Wetterschutz dabei hat und genügend zu trinken. Dass die Leute wissen, wohin sie gehen. Dass sie idealerweise eine Karte dabeihaben."

- Horst Jenicek, Ranger, Alpenregion Tegernsee/Schliersee 

Bei den Schuhe sollte man darauf achten , dass sie das richtige Profil haben und am besten knöchelhoch sind. Mann sollte sich immer bewusst sein, dass das Wetter umschlagen kann und die richtige Routenplanung und Selbsteinschätzung sind wichtig. Denn ihm fällt auf, dass viele ihre Kondition überschätzen oder mit Grunderkrankungen starten.

Besonders wichtig im Hochgebirge: Selbsteinschätzung und die richtige Routenplanung

Dass die Leute sich, besonders im Hochgebirge, immer wieder falsch einschätzen, fällt auch Alpinist Philipp Reiter auf. Er gehört zu den Top-Trailrunnern in Deutschland, ist Skibergsteiger und sehr viel im Hochgebirge unterwegs.

"Diese Selbsteinschätzung, die gesunde Selbstwahrnehmung ist oft sehr verzerrt. Und es liegt einfach auch an den sozialen Medien. Ich schaue mir das an und sage: Okay, wenn der das schafft und der kann das auch, dann muss ich das ja eigentlich auch können. Aber da ist vielleicht ein ganz anderer Hintergrund, vielleicht hat er auf der Hütte übernachtet und ist erst dann zum Gipfel gegangen. Vielleicht hat er mehr trainiert. Ich kann das nicht eins zu eins übernehmen."

- Philipp Reiter, Alpinist, Bad Reichenhall

Er hat immer genug Proviant und Wasser dabei. Wechselkleidung im Rucksack, weil man oft unterschätzt, wie schnell man nach einem anstrengenden Aufstieg auskühlt. Seine Route auf seiner Sportuhr und eine Exit-Strategie eingeplant. Das heißt: Wo und wann kann ich umdrehen? Welche Möglichkeiten gibt es für mich, wenn es länger wird als gedacht? Wo komme ich dann runter?

"Ich habe immer das Handy dabei und man ist verleitet sich darauf zu verlassen. Dabei haben wir nicht komplette Netzabdeckung in den Alpen. Und ich treffe immer wieder Leute, die sagen: wenn irgendetwas ist, dann rufe ich einfach die Bergwacht. Ja, wenn kein Handynetz ist, dann wird das nicht funktionieren."

- Philipp Reiter, Alpinist, Bad Reichenhall

Rat von der Bergwacht: Immer früh genug die Rettung rufen

Auch wenn es viele Unverletzte in den letzten Jahren in den Bergen gab und einige Fälle nur passiert sind, da die Leute am Limit waren, rät Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern immer: Lieber zu früh, als zu spät die Rettung alarmieren.

"Gerade wenn man am eigenen Limit ist, wenn es tageszeitlich nicht mehr funktioniert oder man unsicher ist, sollte man unbedingt den Notruf betätigen. Und am besten ist es wenn man nicht an seine Reserven geht und man gar nicht in so eine Situation kommt."

- Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern


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