BR Fernsehen - Gesundheit!


23

Baldrian, Hopfen & Co Was bringen pflanzliche Schlafmittel?

Rund ein Drittel der Deutschen leidet an Schlafstörungen. Viele greifen zu chemischen Schlaftabletten, die schnell abhängig machen. Doch es gibt auch pflanzliche Einschlafhilfen wie Baldrian, Hopfen oder Melisse. Was bringen diese Mittel?

Von: Herbert Hackl

Stand: 22.10.2018

Was bringen pflanzliche Schlafmittel? | Bild: BR

Oft ist es ein Teufelskreis: Der Stress im Beruf, die Sorgen aus dem Alltag werden mit ins Bett genommen So fällt das Einschlafen schwer. Oder die Betroffenen wachen nach dem Einschlafen früh auf und können nicht mehr einschlafen, weil die Gedanken wieder im Kopf umherschwirren. Hinzu kommt die Angst, nicht genug zu schlafen und am nächsten Tag im Beruf nicht leistungsfähig zu sein. Das verstärkt die Schlafstörungen.

Um diesem Teufelskreis zu entrinnen, scheint oft nur der Griff zu chemischen Schlafmitteln möglich. Doch die können zur Abhängigkeit führen oder unangenehme Nebenwirkungen haben. Eine echte Alternative kann hier die Pflanzenapotheke liefern.

Baldrian, Lavendel & Co

Fünf verschiedene Pflanzen werden nach heutigem Wissensstand als beruhigende und schlaffördernde Therapeutika eingesetzt.

Baldrian

Seit Ende des 18. Jahrhunderts ist den Medizinern die Wirkung des Baldrians bekannt. Seine Heilkraft steckt in den Wurzeln, in denen sich ätherische Öle befinden. Deren Inhaltsstoffe hemmen bestimmte Botenstoffe im Zentralnervensystem und wirken dadurch beruhigend.

Lavendel

Die ätherischen Öle im Lavendel stecken in seinen Blüten. Auch sie wirken sich positiv auf Schlaf und Psyche aus. Lavendel hat einen angstlösenden Effekt.

Hopfen

Substanzen aus der Hopfenblüte können an verschiedenen Stellen im Körper angreifen, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuern. Beim Hopfen wird deshalb eine ähnliche Wirkung vermutet, wie sie das körpereigene Schlafhormon Melatonin hat.

Melisse und Passionsblume

Bei Melisse und Passionsblume werden ebenfalls angstlösende und beruhigende Wirkungen beschrieben und beobachtet.

Pflanzliche Schlafmittel: Zusammenspiel der Inhaltsstoffe

Die Wirksamkeit von pflanzlichen Arzneien beruht fast immer auf dem Zusammenspiel vieler verschiedener Inhaltsstoffe. Mediziner sprechen hier von Vielstoffgemischen. Welche Substanzen im Detail für die jeweilige Wirkung verantwortlich sind, ist kaum herauszufinden.

Wissenschaftliche Studien gibt es vor allem für Baldrian und Lavendel. Die Studienlage beim Baldrian ist zwar sehr unterschiedlich – manchmal wurde eindeutig eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung nachgewiesen, manchmal zeigte sich dieser Zusammenhang nicht so eindeutig – aber dennoch wird seine Wirksamkeit in der Ärzteschaft nicht bestritten. Die empirischen Belege sprechen eindeutig für ihn.

Beim Lavendel gibt es dagegen anerkannte Studien, die seine Wirksamkeit gegenüber Placebo eindeutig belegen. Studien beweisen zudem, dass seine Wirkung vergleichbar ist mit einem schwachen chemischen Schlafmittel, sogenannten Benzodiazepinen.

Pflanzliche Schlafmittel: Pharmakologische Standards

Auch die beruhigende und schlaffördernde Wirkung der anderen Pflanzen ist empirisch gesichert. Eine spezielle Kommission – die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte – berät ihre Behörde aufgrund von wissenschaftlichen und erfahrungsheilkundlichen Berichten bezüglich der Zulassung pflanzlicher Arzneimittel. Für Lavendel und Co gelten damit auch pharmakologische Standards. Schließlich müssen mit der Abgabe des Arzneimittels auch verlässliche Dosisangaben bestehen, die sich wiederum auf die Konzentration der wirksamen Inhaltsstoffe in einer Arznei beziehen.

Speziell bei Baldrian kann sich sowohl bei einer Unter- als auch bei einer Überdosierung genau das Gegenteil einstellen: Unruhe!

Pflanzliche Schlafmittel: Zusammen sind sie stark

Da jedes pflanzliche Beruhigungsmittel an einer anderen Stelle im Körper angreift, werden sie oft in Kombination angewendet - Baldrian zum Beispiel zusammen mit Hopfen und Melisse. Die Mediziner sprechen bei so einer Kombinationsmöglichkeit auch von Stufentherapie. Die Wirkung der Präparate lässt sich auf diese Weise addieren oder sogar potenzieren. Allerdings ist bei diesen Mitteln eine kurmäßige Anwendung erforderlich. Sie müssen also regelmäßig über einen bestimmten Zeitraum (meistens zehn Tage bis zwei Wochen) eingenommen werden, bevor sich eine Wirkung zeigt. Das erfordert Geduld beim Patienten. Bei chemischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln ist das nicht der Fall. Allerdings können die leicht abhängig machen oder unangenehme Nebenwirkungen haben. Bei den pflanzlichen Beruhigungsmitteln gibt es keinerlei Hinweise auf Abhängigkeiten.


23