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Sicherheit beim Baden Tipps und Regeln für sicheres Badevergnügen

Schwimmen in natürlichen Gewässern macht besonderen Spaß, aber es ist auch gefährlich: Jedes Jahr ertrinken rund 500 Menschen in deutschen Seen und Flüssen. Gesundheit!-Reporter Fero Andersen begleitet einen Tag lang die ehrenamtlichen Lebensretter bei der Wasserwacht am Pilsensee.

Von: Annette Hammerschmidt

Stand: 15.07.2019

Sommerzeit ist Badezeit, doch in Seen und an Flüssen lauern auch Gefahren. In solchen Fällen sorgen die ehrenamtlichen Retter der Wasserwacht für Sicherheit an den bayerischen Badeseen. Reporter Fero Andersen holt sich von ihnen Tipps und Regeln für sicheres Badevergnügen.

"Baden in der Natur mag ich lieber als im Schwimmbad. Aber es ist auch nicht ungefährlich: Jedes Jahr ertrinken rund 500 Menschen in deutschen Seen und Flüssen. Besonders häufig trifft es ältere Personen ab 55 Jahren. Die Badregeln sind zwar lustig illustriert, haben aber durchaus einen ernsten Hintergrund. Ich will wissen, wie präsent sie hier bei den Badegästen sind."

Fero Andersen, Reporter

Baderegeln

"Nicht ins flache Wasser springen!"

Laura

Fast richtig: Nicht in unbekannte und trübe Gewässer springen.

"Also mir ist wichtig, dass die kleinen Kinder nicht ins Wasser gestoßen werden!"

Mareike

Das stimmt, denn dadurch entstehen viele Unfälle.

"Man sollte sich auch vorher abkühlen, beziehungsweise abduschen und langsam ins Wasser gehen."

Irene

Richtig, das verhindert einen Kälteschock.

Baby fast ertrunken

Einige der Badegäste haben auch schon brenzlige Situationen am Wasser erlebt.

"Ich war im Schwimmbad und da lag ein blau angelaufenes Baby im Wasser. Die Oma hat gedacht, der Opa hat es, der Opa hat gedacht die Oma hat es. Und irgendwie ist es ins Wasser geplumpst. Ich habe es rausgeholt und dann kam die Oma schon angelaufen. Soweit ich weiß, war dann alles ok. Aufmerksamkeit ist wichtig, man darf die Kinder nicht aus den Augen lassen!"

Mareike

Auf Patrouille mit der Wasserwacht

Mit der Wasserwacht Pilsensee fährt der Reporter jetzt auf Streife. Wichtig dabei: Die Rettungsweste, falls er ins Wasser fallen sollte. Bevor es losgeht, müssen außerdem Boot und Ausrüstung gecheckt werden. Alle sind hoch konzentriert. Zwei bis dreimal täglich und etwa 80 Mal pro Saison patrouilliert das Boot, die Seerose.

"Die Fahrten sind wichtig, weil man immer wieder irgendwas entdeckt. Seien es Gegenstände, die auf dem Wasser treiben oder manchmal kommen auch Leute auf uns zu, die Hilfe brauchen, die sich vielleicht ansonsten nicht getraut hätten, die 112 anzurufen oder vielleicht auch nicht die Möglichkeit gehabt hätten. Was sehr wichtig für uns ist, dass die Leute sehen: Aha die Wasserwacht ist da!"

Ludwig, Bootsführer

Wasserwacht arbeitet ehrenamtlich

Die Arbeit bei der Wasserwacht ist ehrenamtlich, was vielen Badegästen nicht bewusst ist.

"Die Leute, die wissen, dass wir hier ehrenamtlich arbeiten, bedanken sich schon. Aber die meisten gehen davon aus, dass wir das professionell machen."

Ludwig, Bootsführer

Suchaktion wegen Bade-Einhorn

Jetzt meldet Ludwig der Leitstelle die Sichtung eines Bade-Einhorns. Die wichtigste Frage: Wo ist das Kind dazu - an Land oder in Gefahr? Wie reagieren die Wasserwachtler in dieser Situation richtig?

"Die erste Sache ist, dass wir die Stelle irgendwie markieren müssen. Ich muss sagen: Da ist es gewesen, um überhaupt einen Anhaltspunkt zu haben. Dann gebe ich Rückmeldung bei meinem Wachleiter und dann fahren wir erstmal zum Strand und fragen, ob jemand sein Kind vermisst. Wenn nein, ist alles gut. Dann holen wir unsere Boje und fahren wieder heim."

Ludwig, Bootsführer

Im letzten Jahr löste ein Plastik-Einhorn eine große Suchaktion aus, bei der sogar ein Helikopter zum Einsatz kam. Heute haben die Retter das Ganze aber nur inszeniert, um zu zeigen: So etwas passiert. Die Wasserwacht Pilsensee ist eine von 256 Einsatzgruppen des BRK, die pro Jahr bayernweit 10.000 Patienten sichern und versorgen.

Rettung eines Ertrinkenden

Um zu sehen, wie eine Rettung mit der mobilen Schnelleinsatzgruppe abläuft, stellt sich Reporter Fero Andersen als Ertrinkender zur Verfügung. Ein Schlauchboot kommt immer dann zum Einsatz, wenn keine permanente Station am See vorhanden ist. Aus dem Wasser geborgen haben ihn die Retter schnell, dann packen sie ihn warm ein und legen ihn hin. Das soll verhindern, dass er einen Kreislaufkollaps erleidet.

Wichtige Infos zur Rettung von in Not geratenen Personen bekommt Fero Andersen vom Arzt der Wasserwacht, Jürgen Kneisel.

"Das Erste und Wichtigste ist der Wärmeerhalt, dass sie nicht auskühlen. Ansonsten, je nachdem wie es den Menschen geht, werden sie zur Station gebracht und dem Rettungsdienst übergeben."

Jürgen Kneisel, Arzt der Wasserwacht

Erste Hilfe beim Baden: So geht's richtig

Wie sollten sich Badegäste verhalten, wenn sie denken, dass jemand in Gefahr ist? Selbst ins Wasser springen und Erste Hilfe leisten oder besser der Wasserwacht Bescheid geben?

"Wenn man reinspringt, kann man sich durchaus selbst in Gefahr bringen. Zum einen kann es sein, dass das Wasser einen durch einen Kälteschock in Schwierigkeiten bringt. Es besteht aber auch die Gefahr, dass die Person einen unter Wasser ziehen kann. Im Endeffekt ist das Wichtigste, sich zu merken, an welcher Stelle ist die Person. Dann den Notruf absetzen mit der 112 und versuchen, von der Distanz etwas anzureichen, sofern die Person etwas greifen kann."

Jürgen Kneisel, Arzt der Wasserwacht

Hunger? Mehrere kleine Portionen essen

Nach der Rettungsaktion hat Fero Andersen Hunger. Was sollte man beim Baden am besten essen? Am Pilsensee gibt’s viele gesunde Snacks, wie zum Beispiel Wraps, gefüllt mit Avocado, Humus und Salaten wie Urkornsalat, Alge, Glasnudel oder Quinoa.

Jürgen Kneisel empfiehlt, lieber mehrere kleine Portionen zu essen. Denn mit vollem Magen schwimmt es sich schlechter, ein voller Magen macht träge.

"Wichtiger als das Essen ist eigentlich das Trinken. Dass man einfach den Wasserverlust, auch den Elektrolytverlust, ausgleichen kann. Da ist es wichtig, das nicht mit irgendwelchen Limonaden zu machen, sondern lieber mit Schorlen und Tees."

Jürgen Kneisel, Arzt der Wasserwacht

Und auch auf Bier sollte man möglichst verzichten. Denn: Viele Unfälle passieren aufgrund von Alkoholisierung und Selbstüberschätzung.


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