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Abenteuer Baby (9) Erste Schritte – Tipps fürs Laufenlernen

Zum letzten Mal begleiten wir unsere beiden Familien – dann ist unsere Serie "Abenteuer Baby" zu Ende: Emilia aus München hat ihren ersten Geburtstag gefeiert. Clara aus Augsburg ist inzwischen 15 Monate alt. Beide sind schon fleißig zu Fuß unterwegs. In dieser Folge geht es deshalb um das Thema Laufen. Wir zeigen, wie man die Mobilität der Kinder fördern kann, was Eltern auf keinen Fall beim Laufen lernen tun sollten und geben Tipps für die ersten Schühchen. Und natürlich blicken wir auf das "Abenteuer Baby" zurück.

Von: Julia Richter

Stand: 14.08.2017

Baby lernt das Laufen | Bild: BR

Die ersten freien Schritte - kleine Tapser und winzige Trippelschritte - vergessen Eltern wohl nie. Schließlich gehört das Laufen zu den wichtigsten Meilensteinen im Leben des Kindes. Denn damit macht es in der Tat einen großen Schritt in Richtung Selbständigkeit – vom Baby zum Kleinkind.

Hochziehen und frei stehen

Bevor es mit dem Laufen los geht, ziehen sich die Babys zunächst an Gegenständen hoch, dann stehen sie frei und schließlich wagen sie die ersten Schritte. Wann genau es beginnt, hängt vom Kind ab – bei der motorischen Entwicklung gibt es große Unterschiede. Eltern sollten sich nicht verunsichern lassen, wenn ihr Kind noch nicht läuft und es das eigentlich schon tun "sollte".

"Der Laufstart ist sicher ganz individuell und genetisch festgelegt. Es gibt zwei Meilensteine, der eine ist so mit etwa 12 Monaten, da fangen die Kinder an, sich hochzuziehen und an Gegenständen entlang zu laufen. Und mit 15 Monaten laufen sie in aller Regel frei. Es gibt aber auch Kinder, die deutlich früher oder später dran sind. Wenn sie mit etwa einem Jahr noch nicht laufen, ist das erst mal kein Grund zur Besorgnis, das kommt dann schon noch."

Kinderärztin Dr. Michaela Krieger, Germering

8 oder 19 Monate – alles ok!

Frühe Läufer machen mit acht Monaten ihre Umgebung unsicher – eher gemütliche Kinder erst mit 19 Monaten.

Generell gilt:

Etwa acht Wochen nach den anfänglichen Gehversuchen können die meisten Kinder schon richtig gut gehen. Mit 16 Monaten können etwa 90 Prozent aller Kleinkinder laufen.

Laufen lernen – das ist ein langer Prozess.

Allerdings sind die Kinder in den ersten vier Jahren ständig damit beschäftigt, nicht zu fallen und das Gehen, Rennen und Hüpfen zu perfektionieren. Auch wenn man das Laufalter nicht beeinflussen kann und sein Kind nicht pushen sollte, kann man einiges tun, um die Mobilität der Kinder von Anfang an zu fördern.

Tipps fürs Laufen lernen

Spielen

So oft es geht mit dem Baby runter auf den Boden und spielen – das fördert den natürlichen Bewegungsdrang des Kindes. Wippen, Schalen und Stühle so selten wie möglich benutzen. Ob Bälle, Nachziehspielzeug oder Luftballons – fast alles eignet sich, um das Kind zu animieren. Spielerisch lernt es sowieso am besten.

Anlocken ...

Wenn sich das Kind an einem Möbelstück hochzieht und festhält, kann man ihm etwas Spannendes hinhalten. Dann wird es vermutlich danach greifen und hält sich nur mit einer Hand fest, das trainiert den Gleichgewichtssinn. Nach und nach wird der Nachwuchs immer sicherer und nimmt beide Hände ans Spielzeug – vielleicht ein Ansporn für den ersten Schritt.

Neues wagen!

Gut ist, immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren. Warum das Kind nicht auf dem Spielplatz mal auf die Wippe stellen und vorsichtig an den Händen festhalten oder barfuß durchs Gras gehen lassen, ein anderer Untergrund, eine andere Bewegung – all das trainiert die Sinne des Kindes.

Barfuß ist am besten

Das beste Laufgefühl bekommen Babys übrigens barfuß. Ohne Schuhe zu gehen, fördert Balance und Koordination. Egal, ob auf Gras, Sand oder zu Hause – Kinderärzte raten, die Kinder am besten so lange wie möglich ohne Schuhe gehen zu lassen. Denn Kinderfüße bestehen aus relativ weichem Gewebe. Sie sollen so wenig wie möglich eingeschränkt werden.

Wenn barfuß nicht geht ...

Ist der Boden zu kalt oder glatt, sind rutschfeste Stoppsocken am besten. Für draußen eignen sich Lederpantoffeln, das sind ganz weiche Lederschühchen ohne feste Sohle. Mit dickem Strumpf sind die auch bei kühleren Temperaturen eine gute Alternative zum festen Schuh.

Helfende Hände

Fängt das Kind an zu laufen und will an der Hand üben, sollten Eltern sich übrigens immer vor das Kind stellen und es sachte führen und nicht (wie man es ja immer wieder sieht) die Arme nach oben reißen, das ist nicht gut für die Gelenke.

Schiebend unterwegs

Läuft das Kind, sollte man ihm Schiebemöglichkeiten zum Üben anbieten, das muss kein teures Lauflernwägelchen sein, eine stabile Kiste, ein Spielebogen, ein Kinderstuhl – all das eignet sich, solange die Sachen kipp- und damit sturzsicher sind.

Rettende Inseln

Rettungsinseln aus Kissen zum Beispiel in der Nähe des Sofas können hilfreich sein, um kleine Plumpser abzufedern. Spätestens jetzt sollten Eltern natürlich auch die Wohnung noch mal auf Kindersicherheit überprüfen – sind alle Ecken gesichert, Möbel kippsicher, die Treppen unzugänglich?

Achtung: Lauflernhilfen sind gefährlich!

Vorsicht bei Lauflernhilfen!

Bei manchen Eltern sind sie immer noch beliebt – die sogenannten Lauflernhilfen. Das sind zum einem die Gehfrei-Modelle, in denen die Babys sitzen und bei denen sie die Beine bewegen können, zum anderen gibt es die Türhopser, bei denen Babys in einer Art Sack im Türrahmen hüpfen.

Viele dieser Systeme werden als Lauflernhilfe verkauft, suggerieren also tatsächlich, das Laufen lernen zu fördern. Das Gegenteil ist jedoch nach Auffassung der Kinderärzte der Fall:

"Wir lehnen es total ab, die Kinder dort vermeintlich zum Laufen zu bringen. Diese Systeme sind sehr sehr unfallträchtig. Der Schwerpunkt ist einfach falsch. Der Schwerpunkt liegt nicht unten auf den Beinen, sondern in der oberen Körperhälfte. Wenn die Kinder damit verunglücken, können sie sich nicht befreien und damit drohen schwere Verletzungen. Leider sehen wir solche Fälle immer wieder in unseren Praxen, obwohl seit Jahren vor solchen Modellen gewarnt wird."

Kinderärztin Dr. Michaela Krieger, Germering

Studien zeigen, dass sich die motorische Entwicklung durch diese Lauflernhilfen sogar signifikant verzögert, denn die Kinder werden in ihrem natürlichen Bewegungsdrang eher gebremst als gefördert.

Der erste Schuh

Läuft das Kind schon gut, kann man an den ersten richtigen Schuh denken. Hier gilt: Qualität schlägt Optik und Beratung ist ganz wichtig.

"Am leichtesten tun Sie sich als Eltern, wenn Sie in ein Fachgeschäft gehen, es gibt Kinderschuh-Fachgeschäfte. Am besten nehmen Sie das Kind mit. Das Kind probiert den Schuh an. Und es geht nicht darum, den schönsten Schuh zu finden, sondern den zweckmäßigsten. Das ist ein Schuh, der eine biegsame Sohle haben sollte aber doch stabil ist und am besten das Sprunggelenk miteinschließt. Und der Schuh sollte ein ausreichend großes Zehenfach in der Breite und in der Länge haben, damit die Zehen nebeneinander stehen können."

Kinderärztin Dr. Michaela Krieger, Germering

Turnschuhe, Ballerina oder gar Zehentrenner sind also total ungeeignet. Am besten sind weiche Lederschuhe.

Die Regel lautet:

Das Kind führt den Schuh, nicht umgekehrt! Früher dachte man, je fester der Schuh ist, umso besser ist es für das Kind. Das gilt heutzutage als überholt.

Gebrauchte Schuhe sind ok

Schuhe können weitergegeben werden.

Sind gebrauchte Schuhe übrigens noch intakt, vor allem im Sohlenbereich und passen dem Geschwisterchen, kann man sie bedenkenlos nehmen – nur nicht als Lauflernschuh, der sollte immer neu sein.

Kinderfüße wachsen schnell!

Noch ein Tipp: Bei Kindern wachsen die Füße sehr schnell, deshalb am besten alle zwei Monate prüfen, ob der Schuh noch gut passt, notfalls regelmäßig nachmessen lassen im Schuhgeschäft. Kinder können ganz lange nicht artikulieren, ob ein Schuh noch gut sitzt.

Auf Wiedersehen! – Ein Jahr "Abenteuer Baby" geht zu Ende

Gesundheit! hat zwei Familien ein ganzes Jahr begleitet beim Abenteuer Kind. Volle Windeln, viel Geschrei, durchwachte Nächte, Impfungen, Babykurse, der erste Brei, der erste Schnupfen, krabbeln, Zähnchen und die ersten Schritte – für beide Familien war es eine anstrengende, aber auch eine wunderschöne Zeit. In der letzten Folge unserer Serie schauen wir zurück:

Familie Eissele aus München

Rückblick ins Frühjahr 2015: Tabea und Jonathan

Tabea und Jonathan Eissele aus München wurden vor einem Jahr zum ersten Mal Eltern.

"Für mich war am schönsten eigentlich mitzuerleben, wie Emilia sich so entwickelt hat, von dem kleinen Ding, was am Anfang da liegt und sich überhaupt nicht bewegen kann. Und zu sehen, wie sie dann anfing, Laute von sich zu geben und mittlerweile kann man mit ihr kommunizieren, und zwar so, dass man das Gefühl hat, sie versteht einen und reagiert auf einen."

Jonathan

"Wahnsinn, wie schnell das erste Jahr so rumgegangen ist. Da wird man schon etwas melancholisch. Insgesamt finde ich, wir haben das super gemeistert als Team, dass wir Emilia wirklich so durch das erste Jahr gebracht haben."

Tabea

Familie Haubrich aus Augsburg

Die beiden kannten vieles schon durch Schwester Emma – sie waren durch Clara plötzlich zu viert ... Erfahrene Eltern haben es ja etwas einfacher, weil sie schon Routine haben, aber der Stressfaktor ist natürlich etwas größer mit zwei Kindern:

"Wir haben viel gelacht miteinander. Aber wir waren auch oft genervt. Also gerade das Thema Schlafen - das hat uns viel Kraft gekostet. Clara hatte da ja so ihre Probleme ab ein paar Monaten. Aber mittlerweile hat sich das alles gut einbalanciert."

Thorsten

"Nach einem Jahr wird Clara jetzt immer selbständiger, sie ist ganz anders mit integriert. Man ist noch mal viel freier unterwegs, weil sie mobil ist und mit essen kann usw. Und es ist schon schade, wenn man jetzt Bilanz zieht, wie schnell das Jahr vorbei gegangen ist."

Lena

Gesundheit! sagt Danke dafür, dass wir beim "Abenteuer Baby" dabei sein durften. Wir wünschen den Familien viel Glück und alles Gute für die nächsten Abenteuer.


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