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Antikörperstudien Hohe Dunkelziffer während der ersten Corona-Welle

Bin ich nach einer Coronainfektion geschützt und wenn ja wie lange? Mehrere bayerische Antikörperstudien untersuchen diese Frage und gehen jetzt in die zweite Testphase.

Von: Caroline Hofmann

Stand: 16.11.2020

Im Sommer 2020 startete im Landkreis Tirschenreuth die erste Runde der Antikörperstudie "Prospektive Covid-19 Kohorte Tirschenreuth" (TiKoCo 19). Sie sollte Aufschluss darüber geben, wie viele Menschen sich im Landkreis unbemerkt mit Corona infiziert haben. Der Landkreis Tirschenreuth war im März 2020 besonders stark von Corona betroffen.

Wohl nur 20 Prozent der Infektionen erfasst

Lukas Wagner war einer von über 4.200 Testpersonen. Zwei Monate nach seinem Test erhielt er sein Ergebnis. Er hatte keine spezifischen Antikörper.

"Ich hätte vermutet, dass ich es gehabt hab, weil ich mal eine Erkältung hatte mit starkem Husten, aber anscheinend war das kein Corona."

Lukas Wagner, Teilnehmer Antikörperstudie TiKoCo

Insgesamt wurden bei der Erstuntersuchung in Tirschenreuth bei 8,6 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer spezifische Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachgewiesen. Die Experten gehen deswegen davon aus, dass auf der Grundlage des gängigen Virusnachweises lediglich etwa 20 Prozent der Infektionen im Frühjahr und Frühsommer dieses Jahres im Landkreis erfasst wurden.

Vom 16. November bis zum 27. November 2020 testen die Unikliniken Regensburg und Erlangen das zweite Mal. Auch Lukas Wagner ist wieder eingeladen, um zu prüfen, ob er sich in der Zwischenzeit angesteckt hat.

Immunität nach eine Coronainfektion?

Ist ein Mensch nach einer Coronainfektion geschützt und wie verändert sich der Antikörperwert über die Zeit? Auch in München findet dazu eine Studie "Prospektive COVID-19 Kohorte München" (KoCo19) des Tropeninstituts am LMU Klinikum München zusammen mit dem Helmholtz-Zentrum München statt.

"Wenn Antikörper gegen das Virus vorhanden sind und diese Antikörper spezifisch gegen das Virus gerichtet sind, liegt eine Immunantwort gegen das Virus vor. Ob diese jetzt im Einzelfall schützend ist, wissen wir noch nicht. Man geht davon aus, dass es einen gewissen Schutz gibt."

PD Dr. med. Andreas Wieser, Tropeninstitut, LMU Klinikum München

Kreuzimmunität könnte schützen

Doch nicht nur Antikörper schützen den Körper vor einer Erkrankung. Auch eine sogenannte Kreuzimmunität könnte einen gewissen Schutz vor Corona bieten.

"Kreuzimmunität: Das bedeutet, wenn sie eine Infektion mit beispielsweise mit einem harmlosen Schnupfen-Corona-Virus hatten und dann eine Immunantwort dagegen gebildet haben, die per Zufall letztlich auch das Sars-CoV-2 erkennen könnte, dann hätten Sie eine Kreuzimmunität. Das heißt, sie haben das Virus Sars-CoV-2 noch gar nicht gesehen, aber sie haben trotzdem einen Schutz dagegen."

PD Dr. med. Andreas Wieser, Tropeninstitut, LMU Klinikum München

Forscher werten weitere Proben aus

Auch die Münchner Studie befindet sich nun in der zweiten Phase. Das Ergebnis der ersten Testung: rund 1,8 Prozent der Münchner Bevölkerung hatte Antikörper gegen das Virus entwickelt, viermal mehr als der Anteil der damals nachgewiesenen Infektionen.

Zum zweiten Test wurden Testkits an die Teilnehmer verschickt, die dann einige Blutstropfen an das Institut zurücksenden. Über 2.000 Blutproben sind bereits eingetroffen und werden in den kommenden Wochen ausgewertet. Insgesamt erwartet das Tropeninstitut etwa 6.000 Proben zurück.


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