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Heuschnupfen und allergisches Asthma Neue Hoffnung für Allergiker

Die Frühblüher bereiten Bayerns Allergikern schon seit Wochen laufende Nasen und tränende Augen. Die Pollensaison ist längst in vollem Gange. Doch neue Forschungsergebnisse bereiten geplagten Heuschnupfenpatienten im Freistaat Hoffnung.

Von: Florian Heinhold

Stand: 18.03.2019

Am Uniklinikum Augsburg trifft Gesundheit! auf Barbara Beßlich – sie leidet seit vielen Jahren an Pollenallergien.

"Ich bin vor allem auf die Frühblüher allergisch, das heißt Hasel, Erle, Birke. In der Jugend war es so, dass ich ganze Monate nicht arbeiten konnte. Speziell das Augentränen bereitet mir Probleme, ich kann dann nicht mal was lesen."

Barbara Beßlich, Patientin

Immer mehr Allergiker

Wir begleiten die Patientin zu einem Termin am Institut von Professorin Claudia Traidl-Hoffmann. Umweltmedizinerinnen wie sie beobachten mit Sorge, dass sich die Zahl der Allergiker in den letzten Jahrzehnten vervielfacht hat.

"Wir haben rund 40 Prozent Allergiker in Deutschland. Vor 50 Jahren waren es vielleicht fünf Prozent. Der Anstieg ist exponentiell. Und das liegt nicht nur daran, dass wir genauer hinschauen."

Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann, Umweltmedizinerin, Universitätsklinikum Augsburg

Gerade läuft eine großangelegte Studie, die die Symptome von Birkenpollenallergikern mit stundenaktuellen Pollenflugmessungen in Bezug setzt. Und mit Daten zu Luftschadstoffen, denn auch die haben massiven Einfluss auf Allergien, erklärt die Umweltmedizinerin.

"Man kann sich das so vorstellen, dass die Schadstoffe den Weg für die allergische Reaktion bahnen. Das heißt, sie verändern einmal die Natur, den Pollen, und machen diesen aggressiver. Auf der anderen Seite machen sie uns Menschen empfänglicher für die Entwicklung von Allergien."

Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann, Umweltmedizinerin, TU München

Der Hintergrund: Feinstaub und Stickoxide führen zu Entzündungsreaktionen, die das Entstehen von Allergien begünstigen können.

Alter schützt nicht vor Allergien

Am Zentrum für Allergie und Umwelt in München glaubt Professor Carsten Schmidt-Weber, dass die Schadstoffe nur einen Teil des explosionsartigen Anstiegs der Allergikerzahlen erklären. Auch veränderte Ernährungsgewohnheiten spielen wohl eine Rolle. Klar ist: Der Vormarsch der Krankheit ist nicht gestoppt, es häufen sich auch Allergien, die erst im späten Erwachsenenalter entstehen, wie der Forscher auch in seiner eigenen Familie beobachtet.

"Ich selber habe mit 35 Jahren Allergien bekommen, meine Mutter hat es vor drei Jahren mit circa 80 Jahren entwickelt. Da gibt es keine Altersbegrenzung."

Prof. Dr. rer. nat. Carsten Schmidt-Weber, Immunologe, TU München

Hightech-Pollenroboter

Aber in der Forschung tut sich was. In ganz Bayern werden stündlich aktuelle Daten zu Pollenflügen an speziellen Hightech-Pollenrobotern erhoben und modelliert. Schon bald werden die Forscher zukünftige Pollenbewegungen vorhersagen und Allergiker präventiv über Apps warnen können. Ein großer Fortschritt gegenüber heutigen Biowettervorhersagen, meint Professor Schmidt-Weber.

"Für den Allergiepatienten ist das ein echter Durchbruch! Ich kann dann schon im Vorhinein mein Medikament einnehmen. Es wird dann auch Karten geben, auf denen man genau sehen kann, welche Region besonders belastet ist."

Prof. Dr. rer. nat. Carsten Schmidt-Weber, Immunologe, Helmholtz Zentrum München

Heilungschance Hyposensibilisierung

Patientin Barbara Beßlich in Augsburg überlegt sich gerade, ob sie eine sogenannte Hyposensibilisierung durchführen lassen soll. Prof. Traidl-Hoffmann rät Patienten eindringlich dazu, Allergien nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

"Wir haben eine Therapie der Allergie. Und das ist die Hyposensibilisierung. Die Mittel haben sich revolutioniert. Wir haben heute sehr differenzierte Mittel, die wir den Patienten geben können. Wir versuchen das Immunsystem so zu drehen, dass der Pollen toleriert wird."

Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann, Umweltmedizinerin

So lassen sich typische Allergiekarrieren verhindern - der sogenannte Etagenwechsel von Heuschnupfen zu Asthma ist eine besonders ernste Bedrohung für die Gesundheit.

Barbara Beßlich ist in jedem Fall froh, dass sie der Forschung durch ihre Studienteilnahme bei der Bekämpfung von Allergien helfen kann. Noch in diesem Jahr könnte die Vision von exakten Pollen und Symptomvorhersagen wahr werden. Millionen Allergiker sind gespannt.


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