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Alkohol, Gehirn, Herz, Leber Weg vom Alkohol: Wie Organe sich erholen

Alkohol, Genuss ohne Reue? Klares Nein! Alkohol schädigt Magen, Leber, Herz und unser Gehirn. Die gute Nachricht ist: Auch nach jahrelangem Konsum können sich unsere Organe teilweise wieder erholen, Abstinenz vorausgesetzt.

Von: Dirk Beppler

Stand: 25.01.2021 18:03 Uhr

Prof. Helmut Seitz ist ein renommierter Alkoholexperte. Der Mediziner erforscht, wie das Gift namens Alkohol wirkt. Denn für ihn sind Bier, Schnaps, Wein und Co genau das: ein Gift, das der Körper bewältigen muss, wenn er kann.

"200 Krankheiten werden durch Alkohol verursacht. Das ist wirklich faszinierend. Auf der anderen Seite ist es aber überraschend, wenn sie aufhören zu trinken, dass sich viele Organe in den nächsten Jahren wieder regenerieren können und vielleicht nicht ganz normalisieren, aber doch deutlich besser werden können."

Prof. Dr. med. Helmut Seitz, Gastroenterologe und Alkoholforscher, Heidelberg

Alkohol – Wirkungen auf Magen und Leber

Auch die Magenschleimhaut wird durch Alkohol geschädigt: Sie entzündet sich.

Alkohol fordert den Körper ab dem ersten Schluck. Im Magen regt er die Produktion von Magensäure an, die Schleimhaut entzündet sich.

"Alkohol wird dann aufgenommen vom Darm in ein großes Gefäß, das nennt man die Pfortader, und wird der Leber zugeführt. Die Leber ist ganz nah dran und deswegen ist die Leber gefährdet, weil sehr viel Alkohol direkt in die Leber hinein flutet."

Prof. Dr. med. Helmut Seitz, Gastroenterologe und Alkoholforscher, Heidelberg

Die Leber kann durch zu viel Alkohol verfetten.

Die Leber macht fast den gesamten Alkohol unschädlich und entgiftet so den Körper. Was sie nicht abbauen kann, geht weiter ins Gehirn.

Alkohol und das Gehirn

Alkohol schädigt das Gehirn: Gehirnzellen sterben ab.

Schon nach wenigen Minuten erreicht der Alkohol das Denkorgan. In der Steuerzentrale des Körpers arbeiten viele Millionen Nervenzellen. Sie tauschen Informationen über kleine elektrische Pulse aus. Das hochsensible System reagiert extrem empfindlich.  

"Wenn Sie Alkohol trinken, dann müssen Sie davon ausgehen, dass Hirnzellen zerstört werden. Das weiß man seit neuesten Untersuchungen, dass das auch bei kleineren Mengen Alkohol der Fall ist. Nun haben wir natürlich sehr, sehr viele Gehirnzellen. Niemand wird das merken, dass, wenn Sie über ein paar Jahre Alkohol zu sich nehmen, da was passiert im Gehirn."

Prof. Dr. med. Helmut Seitz, Gastroenterologe und Alkoholforscher, Heidelberg

Noch bevor Zellen sterben, legt der Alkoholrausch die Nerven-Verbindungen lahm, die Nervenzellen arbeiten extrem langsam. Das Gehirn ist komplett überfordert. Die Steuerzentrale ist angeschlagen. Mögliche Folge ist ein Totalausfall!

Alkohol - die Folgen für das Herz  

Auch für das Herz hat Alkoholgenuss negative Folgen.

Der Alkohol belastet auch das Herz. Eine Untersuchung unter 3000 Biertrinkern mit je rund 0,8 Promille im Blut zeigt: Jeder Dritte bekommt Herzrhythmusstörungen. Jeder Vierte leidet unter Herzrasen. Schon nach einer Erholungszeit von einem halben Tag normalisieren sich die Herzwerte wieder.

"Wenn das Herz nicht mehr richtig pumpt, dann staut es das Blut in die Leber zurück. Wenn die Leber durch Alkohol geschädigt ist, dann kommt es zusätzlich zu dem Rückstau dieses Blutes in die Leber zu einer zusätzlichen Schädigung, was die Leber noch weiter verschlechtert."

Prof. Dr. med. Helmut Seitz, Gastroenterologe und Alkoholforscher, Heidelberg

Obwohl sie verfettet, arbeitet die Leber weiter. Aber sie hat ein fatales Problem:

"Die Leber tut nicht weh, deswegen merken Sie nicht, ob die Leber krank ist oder noch gesund, wenn Sie Alkohol trinken. Das können Sie nur herausfinden, wenn Sie das nachschauen lassen beim Arzt. Vielleicht einmal jährlich, wenn Sie Alkohol chronisch in höheren Mengen trinken. Der Arzt kann Blut abnehmen und schauen ob die Leberwerte in Ordnung sind."

Prof. Dr. med. Helmut Seitz, Gastroenterologe und Alkoholforscher, Heidelberg

Nach dem Rausch: Mühsamer Start und die Fähigkeit, sich zu erholen

Nach einem Rausch braucht das Kleinhirn acht bis zehn Stunden, bis es sich erholt.

Nach dem Rausch rappelt sich zuerst das Kleinhirn wieder auf. Etwa nach acht bis zehn Stunden. Es koordiniert Bewegungen und unsere Sprache. Das Großhirn verarbeitet Sinneseindrücke. Es meldet sich etwa nach 12 bis 14 Stunden wieder zurück. Zwei Tage nach dem Suff hat sich das Gehirn wieder komplett erholt und arbeitet fast so perfekt wie zuvor, obwohl einige Nervenzellen fehlen.

Auch der Magen kann einstecken. Selbst nach langer Trinkerkarriere erholt er sich bei Abstinenz nach ein bis zwei Monaten. Und die Leber?

"Wenn sie aufhören zu trinken, wird die Leber sich regenerieren können. Sie wird vielleicht nicht mehr so ganz gesund werden, aber sie können sie stabilisieren und das ist ein großer Vorteil."

Prof. Dr. med. Helmut Seitz, Gastroenterologe und Alkoholforscher, Heidelberg

Erholung: Gesunde Nervenzellen können die Funktionen geschädigter Gehirnbereiche übernehmen.

Ebenso das Herz erholt sich nach zwei Monaten ohne Alkohol wieder. Das Gehirn wird durch viel Alkohol geschädigt. Das Gedächtnis leidet und Lernen fällt schwer. Doch auch das kann man umkehren. Nach ein bis zwei Monaten Abstinenz erholt sich das Gehirn. Gesunde Gehirnteile übernehmen etwa neue Funktionen.

"Wir haben gesehen: Wenn man rechtzeitig mit Alkoholtrinken aufhört, können sich die meisten Organe regenerieren. Und es ist immer gut, mit dem Alkoholtrinken aufzuhören, weil dadurch Organfunktionen verbessert werden. Selbst bei fortgeschrittener Lebererkrankung ist ein Überleben wesentlich besser, als es mit fortgesetzten Alkoholkonsum ist. Also: Aufhören heißt die Devise!"

Prof. Dr. med. Helmut Seitz, Gastroenterologe und Alkoholforscher, Heidelberg


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