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Ein Blick voraus: 2018 Was bringt das Gesundheits-Jahr 2018?

2017 geht zu Ende, und „Gesundheit!“ schaut sich schon einmal das nächste Jahr an: Was wird sich im Gesundheitswesen tun? Welche Neuerungen werden auf die Patienten zukommen? Und welche neuen Therapieformen sind in Aussicht?

Von: Veronika Keller

Stand: 18.12.2017

Mutterschutz: Erweiterung

Gleich mit dem Jahresanfang treten Änderungen beim Mutterschutzgesetz in Kraft. Das Gesetz schützt Frauen während der Schwangerschaft und der Stillzeit. Ab Januar 2018 wird das Gesetz für einen größeren Personenkreis gelten als bisher. Früher kamen nur Angestellte in den Genuss des Mutterschutzgesetzes, in Zukunft werden es auch andere Mitarbeiterinnen sein, zum Beispiel Praktikantinnen, Auszubildende oder Frauen im Bundesfreiwilligendienst.

"Das ist natürlich ein großer Gewinn. Noch eine wesentliche Neuerung, die sehr hilfreich ist für Frauen, die ein behindertes Kind entbinden: Die werden eine längere Schutzfrist gewährt bekommen, also nicht acht Wochen nach der Entbindung, sondern zwölf, um sich einfach auf diese Situation besser einstellen zu können."

Carola Sraier, Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen

Pflegenotstand: Kommen konkrete Maßnhamen?

Eine weitere Änderung, von der Patienten profitieren könnten, soll sich im Juni 2018 konkretisieren. Es geht um den Mangel an Pflegepersonal. Dass es an deutschen Krankenhäusern zu wenig Pfleger gibt, ist schon länger bekannt. Nun soll eine Personaluntergrenze eingeführt werden. Im Juni wollen sich Krankenkassen und Krankenhäuser einigen, wie diese Grenze für besonders pflegesensitive Bereiche wie Intensivstationen aussieht. PD Dr. Christian von Bary, Chefarzt am Münchner Rotkreuzklinikum, findet, die Politik müsse im Interesse der Patienten zukünftig mehr für die Pflege tun. Dass Patienten wegen Personalmangels in der Pflege nicht aufgenommen werden können, erlebt er immer wieder.

"Es steht ein Bett zu Verfügung, es steht ein Raum zu Verfügung. Aber die Pflege, die den Patienten auf der Intensivstation schlussendlich versorgen soll, die gibt es nicht. Das kann zu Sicherheitsproblemen im Sinne des Patienten führen, weil natürlich ein verlängerter Transport in ein ferner gelegenes Krankenhaus auch ein Sicherheitsrisiko birgt."

PD Dr. med. Christian von Bary, Chefarzt am Rotkreuzklinikum München

Neue Antibiotika: Kampf gegen Resistenzen

Natürlich wird auch im kommenden Jahr an neuen Medikamenten geforscht werden. Ein wichtiger Trend in der Pharmaforschung wird 2018 der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen sein. Zwei neue Antibiotika könnten kommendes Jahr zugelassen werden.

"Resistenzentwicklung gab es sicherlich schon immer. Aber jetzt, im Laufe der modernen Medizin und mit dem massiven Einsatz von Antibiotika hat das natürlich auch zugenommen. Und sehr einfache Antibiotika wie Penicilline wirken schon in vielen Bereichen oder bei vielen Bakterien nicht mehr. Daher brauchen wir ganz dringend neue Antibiotika, die uns helfen, Patienten, die mit diesen multiresistenten Keimen infiziert sind, auch zu therapieren."

Dr. med. Nina Wantia, Medizinische Mikrobiologie, TU München

Krankenkassenbeiträge: Sinken sie 2018?

Wie sieht es nächstes Jahr bei den Krankenkassen aus? Auf welche Beiträge müssen wir uns einstellen? Immer zum Jahresende entscheiden die Kassen, wie hoch sie ihre Zusatzbeiträge bemessen. Was zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent dazukommt, wird festgesetzt. Das Gesundheitsministerium empfiehlt den Krankenversicherungen für 2018 eine Absenkung um 0,1%.

"Für den Versicherten ist das aber nicht wirklich relevant, wir reden hier von einem Betrag von monatlich um die 3 bis 4 Euro. Der Zusatzbeitrag ist immer abhängig von der Einnahmesituation der Kassen. Die wiederum ist abhängig davon, wie gut die Wirtschaftslage insgesamt läuft. Wenn viele Leute arbeiten, kommt viel Geld in die Krankenversicherung hinein."

Carola Sraier, Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen

Eine Absenkung der Zusatzbeiträge wäre also vor allem ein Zeichen dafür, dass es uns wirtschaftlich gut geht.

Therapeutisches Cannabis: Wer bekommt es verschrieben?

Ein Medizin-Thema hat in letzter Zeit besonders Aufsehen erregt: Cannabis als Medikament. Seit diesem Jahr dürfen Ärzte es verschreiben. Doch bisher wird es in Deutschland noch nicht offiziell angebaut, und das wird sich 2018 ändern. Wie offen die Ärzte allerdings dafür sein werden, es zu verordnen, und gegen welche Beschwerden, ist offen. Dr. Dominik Irnich betreut Patienten mit chronischen Schmerzen. Er ist bei der Verordnung zurückhaltend.

"Sehr umstritten und aus meiner Sicht noch nicht indiziert ist der Einsatz von Cannabis bei chronischen Schmerzen, und das betrifft natürlich die meisten Patienten, die mit großem Interesse zu uns kommen und sagen , ich habe Rückenschmerzen, ich habe Kopfschmerzen, ich habe Nervenschmerzen, Ganzkörperschmerzen, können Sie mir Cannabis verordnen. Und da müssen wir sagen, diese Indikationen sind leider noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen und die Erwartungen sind deutlich zu hoch nach oben getrieben worden."

PD Dr. med. Dominik Irnich, Anästhesist, Schmerzambulanz des Universitätsklinikums München


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