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Raus ins Grüne Schmidt Max badet im Wald

Im Wald ist es schön und erholsam. Denken wir so. Doch der Wald kann mehr. Er heilt, haben Forscher festgestellt. Was ist dran am Trendthema Waldbaden und was weiß die Wissenschaft? Der Schmidt Max war im Wald…

Stand: 23.06.2019 | Archiv

"Waldbaden ist keineswegs außergewöhnlich. Die Ergebnisse, die Menschen dadurch erzielen sind es jedoch häufig schon."

Martin Kiem, Psychologe und Natur- und Waldtherapeut

Wer hat’s erfunden ?

"Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn…"
Schon vor 200 Jahren tauchte Johann Wolfgang von Goethe mit allen Sinnen in seinen Wald ein, entschleunigt und völlig absichtslos. Dann, in den 80er Jahren, verpassten die Japaner der wohltuenden Kraft des Waldes einen Namen:  "Shinrin Yoku" - inspiriert von den Kneipp-Kuren in Bad Wörishofen. Wir nennen es "Waldbaden".  Und so, über den Umweg Japan, haben die Deutsche die Liebe zum Wald wiederentdeckt.

Sag bloß nicht Spaziergang

Waldbaden, schwören die einen, ist pure Medizin. Die anderen sagen, spazieren gehen tut's auch. Was ist dran am Trendthema Waldbaden? Wissenschaftliche Studien belegen, dass  Walderlebnisse Stress reduzieren, den Blutdruck senken und uns besser schlafen lassen.

"Der Aufenthalt im Wald ist wirklich stress-mindernd, was ja enorm wichtig in unserer heutigen Zeit ist. Er wirkt entspannend, beruhigend, er steigert das Wohlbefinden."

Professorin Angela Schuh, Akademische Direktorin am Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung an der LMU München

 "Wald-Therapie. Das Potential des Waldes für die Gesundheit" heißt das Buch, in dem die Wissenschaftlerin weltweite Studien zum Thema zusammenfasst und auswertet. Wer sich im Wald aufhält, so ein Ergebnis, ist danach ausgeglichener, hat eine bessere Immunabwehr und ein besseres Gedächtnis.

Waldbaden - eine kleine Anleitung von Martin Kiem


Zum Abschluß die fünfte Übung, die Königsdisziplin, wie Martin sie nennt:
Nicht-Tun.
Was nicht dasselbe ist wie Nichtstun. Das Denken parken, 20 Minuten lang. Jeder sucht sich im Wald ein "Lieblingsplatzerl", setzt sich hin oder legt sich auf den Rücken, und öffnet seine Sinne für den Wald...Klingt einfach, ist aber echt schwer. Die meisten Probleme der Menschen kommen daher, erinnert Martin Kiem an Blaise Pascal, dass sie nicht mehr in der Lage sind, mit sich selber eine Weile in Stille zu verweilen. Können wir das überhaupt noch?

"Denken parken, Sinne öffnen, des is’ schwerer als man denkt."

Schmidt Max

Unsere Experten

Martin Kiem

Die Sorgen an der Waldgarderobe abgeben, so beginnt Martin Kiem seine Workshops im Waldbaden. Nach dem Psychologiestudium in Innsbruck verbrachte er etliche Monate in einem tibetischen Kloster und  6 Jahre in Australien, wo er als Wellbeing-Coach gearbeitet hat. Sein Zertifikat als Natur- und Waldtherapeut hat er in Neuseeland erworben. Heute gibt er Workshops zum Thema Waldbaden und bietet in Zusammenarbeit mit der Universität München und der Kneipp-Ärzte-Akademie die Ausbildung zum Waldgesundheitstrainer an. Sein neuestes Buch "Wald tut gut" ist im AT Verlag erschienen. Mehr erfahren Sie unter Frontier Wellbeing .

Angela Schuh

Wie der Wald und sein Klima auf uns wirken - das beforscht Angela Schuh zusammen mit ihrer Assistentin Gisela Immich und entwickelt Konzepte für die präventive Waldnutzung und Waldtherapie. Dr. Dr. Angela Schuh ist Professorin für Medizinische Klimatologie an der LMU und Akademische Direktorin am Lehrstuhl für Public Health und Vorsorgeforschung der LMU. Sie leitet das Fachgebiet Medizinische Klimatologie/Vorsorgeforschung Kurortmedizin und ist international anerkannte Expertin für Klimatherapie.
Gisela Immich, M.Sc., ist ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Public Health und befasst sich mit Waldtherapie und Gesundheitsförderung sowie unterschiedlichen Naturheilverfahren.

Eberhard Volger

"Die Psyche hält ständig Zwiesprache mit unserem Körper und umgekehrt. Im Wald hat man eine Verminderung der Stress-Hormone festgestellt, auch der Puls geht runter und der Blutdruck sinkt", sagt Professor Eberhard Volger. Als Kardiologe und wissenschaftlicher Leiter des Kneippärztebundes in Bad Wörishofen weiß er um die heilende Kraft des Waldes. Volger hat jahrelang erfolgreich für die Anerkennung von Natur-Heilverfahren in der Schulmedizin gekämpft.


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