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Sarg selber bauen Schmidt Max und die ewige Ruh

Rechtzeitig zu Allerheiligen hat sich der Schmidt Max mit der ewigen Ruh beschäftigt: in der Nähe von Dinkelsbühl schreibt er seine Grabrede, hämmert und hobelt mit anderen Männern an einem Sarg. Ein Seminar der etwas anderen Art...

Stand: 28.10.2018

Schmidt Max baut einen Sarg | Bild: André Goerschel

Zum Nachdenken bringen

"ewigleben" heißt das ungewöhnliche Seminar des Nürnberger Pfarrers Günter Kusch. Das Seminar zum Nachdenken und Sarg bauen. Nur für Männer.
Tod und Sterben, sagt Kusch, sind vor allem für Männer noch immer tabu. Beim Feierabend-Bier oder am Stammtisch reden sie nicht gern darüber. Doch Männer bauen gerne. Wenn’s dann ein Sarg ist, bleiben Gedanken und Gespräche über die eigene Endlichkeit nicht aus.  Und nicht nur das Ende steht im Fokus. Nutze die Lebenszeit, die dir noch geschenkt wird,  ist die Botschaft, die Günter Kusch in seinem Seminar transportieren will.

"ewigleben. Das ist vor allem als Frage gemeint: Leben wir ewig? Die Antwort lautet: Nein, das Leben ist begrenzt. Aber mir steht noch Zeit zur Verfügung, die ich nutzen kann."

Günter Kusch

Am vormittag bauen sie Särge....

Bei Alexander Wendel, einem der 5 letzten Sargbauer in Bayern, werden die Männer in die Kunst des Sargbauens eingewiesen. Immer vier Männer schreinern unter Anleitung einen Sarg. Später, nach Einbruch der Dunkelheit, besuchen sie, nur im Licht ihrer Taschenlampen, den Friedhof von Segringen mit seinem markante schwarzen Holzkreuzen. Um sich dort eine Lieblingsgrabspruch auszusuchen. Wer will, verfasst die eigene Grabrede oder gestaltet ein Kreuz oder eine Stele. Das Seminar endet mit einem Gottesdienst und einem Brief, den jeder an sich selber schreibt. "Über das, was er noch anfangen will mit seiner Zeit" sagt Kusch. Die Briefe sammelt er ein – und schickt sie seinen Teilnehmern nach einem Jahr.

Übrigens:
Einen eigenen Sarg hat Kusch noch nicht ausgesucht, dafür die Musik. Zu seiner Beerdigung wünscht er sich fröhliche Gospelsongs. Schließlich ist er als Christ überzeugt: Mit dem Tod ist nicht alles aus.

Wußten Sie...

dass man Sargbauer in Österreich "Erdmöbelbauer" nennt.  Kein Wunder also, dass manch einer seinen selbst gebauten Sarg zu Lebzeiten als Möbelstück nutzt. Als Kleiderschrank zum Beispiel. Oder CD-Regal.

weitere Informationen

Evangelische Männerarbeit in Bayern
www.maennerarbeit-bayern.de


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