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Gesunde Zähne, gesunder Körper Zwischen Hightech und Prophylaxe

Gesunde Zähne bis ins hohe Alter, das ist heute für viele Menschen möglich. Das geht mit herkömmlichen Mitteln wie Zahnbürste und Fluorid gegen Karies und mit neuen Techniken, mit deren Hilfe man die Zähne besser erhalten kann.

Stand: 12.11.2015

Ein Film von Stefan Geier

Woher kommt die Karies?

Karies kommt vom Zucker! Das weiß doch jedes Kind. Doch so einfach ist das leider nicht. Alles fängt damit an, dass wir etwas essen. Und Essen macht das Milieu im Mund sauer - perfekt für die Kariesbakterien. Die  lieben  den Zucker und wandeln ihn in Säure um. Die Säure erst greift den Zahnschmelz an.

Der Zahnschmelz ist eigentlich das härteste Material in unserem Körper. Es wird nur einmal gebildet und macht den Zahn sehr widerstandsfähig. Direkt darunter liegt das sogenannte Zahnbein, es gibt dem Zahn seine Form und kann lebenslang neu aufgebaut werden. Im Innern des Zahns liegt der Zahnnerv, die Pulpa. Sie ist durchblutet und lässt den Zahn leben.

Die Kariesbakterien arbeiten sich durch den Zahnschmelz in den Zahn hinein. Im Zahnbein haben sie dann ein leichtes Spiel: das ist nämlich porös, quasi ein Höhlensystem, in dem sich die Bakterien gut verstecken können. Die Folge: Zahnschmerzen und Empfindlichkeit auf Süßes und Kaltes.

Mysteriöse Zahnkrankheit bei Kindern

Sie können Zähne putzen, wie sie wollen - es gibt zahlreiche Kinder, die trotzdem Löcher in den Zähnen haben, vor allem in den bleibenden Zähnen. Rund 20 Prozent der Grundschulkinder sind von dieser rätselhaften Zahnkrankheit betroffen: MIH, der inzisiven Hypo-Mineralisation. Das Problem: Die zweiten Zähne wachsen mit weichen, brüchigen Stellen aus dem Kiefer heraus, sie haben keinen ausgehärteten Zahnschmelz.

Woran das liegt, weiß noch keiner genau. Weichmacher im Plastik stehen im Verdacht, aber auch bestimmte Antibiotika, die bei Atemwegserkrankungen gegeben werden. Heilen lässt sich die MIH bislang nicht. Der bröselige Zahnschmelz kann nur versiegelt werden, mit einer Kunststofffüllung

Bakterien-Gangs im Mund

Im Mund tummeln sich Abermillionen an Bakterien, ein ganzer Teppich. Die Wissenschaft nennt das: Biofilm. Und dem ist nicht so einfach zu Leibe zu Rücken. Antibiotika zum Beispiel können ihm kaum etwas anhaben. Innerhalb des Biofilms gibt es ganz unterschiedliche Bakterienarten, die sich sogar untereinander verständigen. Wenn man diese Kommunikation unterbrechen könnte, hätte man vielleicht einen neuen Ansatzpunkt gegen Karies in der Hand, hoffen die Forscherinnen und Forscher.

Fakten der Woche

High-Tech für die Zähne

Toll wäre es natürlich, wenn unsere zweiten Zähne nach ein paar Jahren durch dritte oder später sogar vierte Zähne ersetzt werden könnten, wie zum Beispiel bei Haien. Forscherinnen und Forscher testen das mittlerweile schon bei Mäusen. Aus embryonalen Stammzellen können zumindest im Tierversuch schon wieder neue Zähne wachsen. Bis das bei Menschen klappt, wird es aber wohl noch eine Weile dauern.

Weiter ist die Wissenschaft schon beim Zahnnerv, der Pulpa. Es gibt Menschen, bei denen wird sie im Wachstum nicht vollständig ausgebildet, sie hört irgendwann einfach auf zu wachsen. Ihnen droht dann eine Wurzelbehandlung: die restliche Pulpa wird entfernt, der Kanal gesäubert und dann verschlossen. Forscher aus Regensburg haben eine Methode entwickelt, mit der die Pulpazellen aus dem Kiefer doch noch in den Wurzelkanal gelockt werden können, und zu wachsen beginnen. Sie halten sich fest, bilden Blutgefäße und auch neues Zahnbein. In bis zu zehn Jahren könnte diese Methode so weit sein, dass sie für jeden verfügbar ist.

Wie man am besten putzt

Es klingt kurios, aber wie man wirklich am besten putzt, das hat bisher noch keine Studie eindeutig zeigen können. Ein paar Tipps gibt es aber trotzdem:

  • Zwei bis drei Mal am Tag Zähne putzen.
  • Dazu eine fluoridhaltige Zahnpasta benutzen.
  • Die Putztechnik: aufsetzen, rütteln und vom Zahnfleisch zum Zahn hin wischen.
  • Lieber lange und gründlich als schnell und heftig schrubben.
  • Abends noch mit Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen die Zahnzwischenräume reinigen.
  • Mundspülungen helfen leider nicht gegen den Biofilm im Mund.

Faszination Wissen | Bild: Bayerischer Rundfunk zum Video Zahnhygiene Wie man die Zähne richtig putzt

Zähneputzen gehört zu täglichen Körperhygiene - doch wie putzt man sie richtig? Und was bringen bunte Mundspülungen? [mehr]

Fazit

Richtige Zahnhygiene trägt viel zu unserer Zahngesundheit bei. Trotzdem: Für manche Menschen ist es schwierig, das ganze Leben lang gesunde Zähne zu haben. Wer MIH hat oder Parodontitis, der kommt ohne Zahnarzt nicht aus.


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