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Sag' mir wo die Blumen sind Bayerns Wiesen in Gefahr?

Bayern ist bekannt für seine blühenden Wiesen und saftigen Weiden, mit all den Kühen und Schafen, mit dem freien Blick und einem Lebensgefühl, das obendrein ein fast unschlagbarer Tourismusfaktor ist. Doch diese Wiesen sind in Gefahr.

Stand: 11.09.2014

Ein Film von: Iris Rietdorf

Warum sind Wiesen so wichtig?

Wiesen haben nicht nur einen ästhetischen Wert. Sie schützen den Boden, das Wasser und das Klima. Bei Hochwasser sind sie idealer Wasserpuffer und speichern obendrein Treibhausgase. Außerdem sind sie Heimat für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die in den modernen Grünflächen kein Zuhause mehr haben und deshalb vom Aussterben bedroht sind. Wiesen-Wissenschaftler haben den Zustand von Bayerns Wiesen erfasst und dafür mehr als 6.100 Wiesen, Mähweiden und reine Weidenflächen erkundet. Insgesamt haben sie auf Bayerns Wiesen rund 800 Pflanzenarten gezählt. Die artenreichsten bayerischen Wiesen haben sie in den Mittelgebirgen und am Alpenrand gefunden.

Was bedroht die Wiesen-Welt?

Landwirte müssen von ihrem Grund und Boden leben können. Manch einer baut da lieber Energiepflanzen wie Mais oder Raps an, denn die sind gewinnbringender. Wer seine Wiese nicht zu Acker umbricht, bewirtschaftet Grünlandflächen meist intensiv. Oft schon früh im Jahr, und dann auch häufig werden die Wiesen dann gemäht. Das entzieht manchen Tieren wie dem Feldhamster, den Feldhasen oder den Rehkitzen die Kinderstube und verhindert, dass sich seltene Pflanzen wie zum Beispiel die Mondraute, vermehren können. Werden Wiesen aber gar nicht mehr gepflegt, verwuchern sie. Und auch das zerstört den Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.

Worum geht es bei der "Wiesenmeisterschaft"?

Noch ist Bayern das Bundesland mit den meisten Wiesen. Trotzdem aber sind auch die bayerischen Wiesen bedroht: Allein in den vergangenen sieben Jahren hat Bayern mehr als 50.000 Hektar Wiesen und Weiden verloren. Um das Augenmerk auf diese blühenden Kostbarkeiten zu lenken, wird seit 2009 die schönste und beste Wiese gekürt.

Kriterien sind dabei der Artenreichtum, die Art der Bewirtschaftung und die Zukunftsfähigkeit des Gesamtkonzepts. Landwirte, die sich bei der Wiesenmeisterschaft bewerben, müssen ihre Wiesen in den Betriebsablauf integrieren. Sie müssen einen wirtschaftlich tragfähigen Teil des Betriebes darstellen. Im Sommer 2014 fand die Wiesenmeisterschaft im Oberpfälzer Wald und Hügelland statt. Ein achtköpfiges Expertenteam hat die 58 Teilnehmer-Wiesen begutachtet und sich dann für einen "Wiesenmeister" entschieden.

Wie können Wiesen erhalten werden?

Grasforscher (LfL) mit Mission: Auf einem Versuchsgut in Kempten testen sie den Eiweißgehalt von Gras.

Wiesen und Weiden zu erhalten und gleichzeitig die heutigen Hochleistungsrinder gut zu versorgen - das ist schwierig. Für diese Tiere ist eine artenreiche Wiese minderwertiges Futter. Es fehlen Eiweiß und Energie. Viele Landwirte füttern Sojaprodukte zu. Forscher meinen, das ließe sich ändern. Sie haben herausgefunden, dass sich der Eiweißgehalt von heimischem Futter aus Grünland durch die Art der Zusammensetzung ändern lässt. Das hilft, die Tiere zu ernähren und Wiesen zu erhalten.

Manche, vom Aussterben bedrohte Haustierrasse, wie zum Beispiel die Skudde, das Benheimer Landschaf oder das Rote Höhenvieh sind genügsame Wiesenpfleger, die auch mit kargen Grünflächen gut zurechtkommen. Und statt extra Mais und Raps anzubauen, haben Forscher inzwischen eine Möglichkeit gefunden, artenreiches Grünland als Energiepflanzen für Biogasanlagen zu nutzen. Die Stadt Baden-Baden betreibt seit 2013 die europaweit erste großtechnische Anlage dieser Art.

Fazit

Natürliche Rasenmäher und Gärtner: Schafe

Mehr als die Hälfte aller gefährdeten Arten kommt in umsichtig bewirtschaftetem Grünland vor. Will man diese Kostbarkeiten erhalten, muss man sie pflegen. Entweder der Landwirt verfüttert die Mahd an seine Tiere. Wiesen können durchaus ein wesentlicher Teil seiner Existenzgrundlage sein. Wer nicht von der Landwirtschaft leben will oder muss, kann Ziegen oder Schafe als Landschaftspfleger "einstellen" und so verhindern, dass das Grünland zuwuchert. Und vielleicht lassen sich in Zukunft noch mehr Gemeinden von dem Beispiel aus Baden-Baden inspirieren und erzeugen demnächst umweltfreundliche Energie aus Wiesen und Weiden.


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