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Versteckte Hormone Eine alltägliche Gefahr?

Weichmacher in Plastiflaschen, Parabene in Kosmetika oder Bisphenol A in Verpackungen: Das sind Chemikalien, die wie Hormone im Körper wirken. Wir begegnen ihnen im Alltag überall.

Stand: 19.03.2014

Einkaufswagen mit Lebensmitteln - Symbolbild | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Film von Christiane Streckfuss

Was ist so bedenklich an diesen Chemikalien im Plastik?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet 800 Substanzen auf, die das Hormonsystem stören können. Die chemische Industrie stellt aber insgesamt mehr als 100.000 Weichmacher her, von denen die meisten nicht auf ihre Wirkung getestet wurden, aber sehr bedenklich sein könnten. Erste Auffälligkeiten fanden Forscher bei Fischen in Flüssen, die mit Industrie-Chemikalien verunreinigt waren. Die Fischmännchen waren verweiblicht. In Tests an Fröschen konnten Forscher beweisen, dass bestimmte Industrie-Chemikalien wie das weibliche Hormon Östrogen wirken. Die Frösche im Experiment bildeten in ihren Hoden Eizellen.

Wie stark sind wir mit hormonell wirksamen Chemikalien belastet?

Im Hausstaub reichern sich Weichmacher aus Plastik an.

Im Alltag können wir ihnen kaum entgehen. Sie stecken in Kosmetik, Spielzeug, Konservendosen, Verpackungen und Einrichtungsgegenständen. Sie sind auch im Hausstaub und in der Raumluft, weil Weichmacher in Kunststoff nicht gebunden sind und mit der Zeit ausdünsten. Im Körper kann man sie durch Urin- und Blutproben nachweisen. Andreas Gies, Biologe am Umweltbundesamt in Berlin, sagt, dass heute jeder Mensch durch Industrie-Chemikalien belastet ist.

Welche Folgen können hormonelle Wirkstoffe in der Natur haben?

Forscher in den USA haben herausgefunden, dass Schwangere, die einen hohen Weichmachergehalt im Urin hatten, ein hohes Risiko haben, eine Frühgeburt zu erleiden. Bei männlichen Babys kann es zu Fehlbildungen der Geschlechtsorgane kommen. In Dänemark zeigten Tests, dass Gärtnerinnen, die bei der Arbeit besonders vielen Pestiziden ausgesetzt waren, Schwierigkeiten hatten, schwanger zu werden. Ihre Kinder litten häufiger unter Missbildungen der Geschlechtsorgane, besonders betroffen waren Jungs.

Fazit

Hormonell wirksame Chemikalien (z.B. Weichmacher und Bisphenol A) sind vor allem für Kinder und Föten gefährlich. Bei Erwachsenen sind sie mitverantwortlich für Krankheiten wie Krebs, Fettsucht, Diabetes, Asthma, Herzbeschwerden und bei Männern für schlechte Spermienqualität. Das zeigen internationale Studien. Was tun? Entgehen kann man Weichmachern nicht, aber man kann die tägliche Dosis reduzieren, die man aufnimmt. Zum Beispiel, wenn man möglichst wenig Plastik in die Wohnung einziehen lässt - also Holz- statt Plastikmöbel, Holzböden statt PVC. Wenn man Lebensmittel nicht in Konservendosen und Plastik-Verpackungen kauft, sondern unverpackt. In der Rapex-Liste der EU (Rapid Exchange of Information System, englisch) können Sie nachsuchen, ob Sie bedenkliche Produkte im Haushalt haben.

Link-Tipps

Hier finden Sie Informationen über die Rapex-Liste der EU auf Deutsch und Englisch und ToxFox. "ToxFox - der Kosmetikcheck" ist ein Projekt des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das Verbrauchern helfen will, schnell zu erkennen, ob Kosmetik hormonähnliche Stoffe wie Parabene enthält.


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